Freie Sicht und freier Weg an Soester Straße

Wucherndes Grün am Straßenrand: Ein Hammer mäht einfach selbst

Anwohner Kai Wieschollek aus Hamm-Braam-Ostwennemar macht in Eigeninitiative Fahrbahnrand der Soester Straße
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Freier Blick und freier Weg: Kai Wieschollek hält den südlichen Rand an der Soester Straße frei. Eigentlich ist die Landesstraßenmeisterei dafür zuständig, die würde aber nur sporadisch mähen. Durch seinen Einsatz kann nicht nur er mit seinen Hunden sicher an der Landesstraße entlanggehen, sondern können es auch andere, zum Beispiel in Richtung Kreuzkamphalle.

Meckern tun viele über nicht gemähte Straßenränder, die Fahrbahnen verengen und die Sicht nehmen. Kai Wieschollek klagt nicht, sondern macht einfach. Er macht es vor: Der Anwohner pflegt ein Stück an der Soester Straße.

Braam-Ostwennemar – Das feuchtwarme Wetter lässt das Grün wuchern. Vor allem an Straßeneinmündungen behindert es die Sicht. Straßen werden enger. Das ärgert Autofahrer & Co. Die Stadt kann Gräser und Wildkräuter aber nicht überall gleichzeitig zurückschneiden, wie es heißt. Manchmal sind ohnehin private Grundstückseigentümer zuständig. Und wenn nicht: Wie wäre es mit Eigeninitiative? Die hat Kai Wieschollek schon vor langer Zeit ergriffen. Er mäht ein Stück Fahrbahnrand quasi vor seiner Haustür und darüber hinaus. Damit nimmt er der Straßenmeisterei ein Stück Arbeit ab.

Die Mitarbeiter des Landesbetriebs würden „vielleicht nur zwei oder drei Mal im Jahr“ an der Soester Straße (Landesstraße 670) vorbeikommen, sagt Wieschollek. Das reicht ihm nicht. Er habe kein Problem, durchs hohe Gras zu gehen, aber für seine drei Hunde „ist es nicht gut“. Es könnte gefährlich werden, wie auch für andere, die dort hergehen, wenn Lkw nah an ihnen vorbeidonnern und Autos dicht am Fahrbahnrand oder gar darüber entlangrasen.

Einen Gehweg gibt es nämlich ab etwa Einmündung Im Schilfswinkel in Richtung stadtauswärts nicht. Den will Wieschollek auch ausdrücklich „nicht“ haben. „Ich bin zufrieden mit dem Grünstreifen“, sagt er. „Ich wohne ja ländlich“ – jenseits der Ortseingangsschilder. Da braucht er keinen Gehweg. Aber mit seinen Hunden muss er „von A nach B laufen“ können.

Mähen alle 14 Tage an der Soester Straße

Dazu mäht er etwa alle 14 Tage den südlichen Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Graben. Von der Einmündung zum Nachbarhof unweit Im Schilfwinkel bis zur Einfahrt zu sich und seinen Nachbarn sind es mehr als 100 Meter. Die Kunden des Erdbeerstandes, der in diesen Tagen teils stark frequentiert ist, haben so an der Einmündung freie Sicht auf die Soester Straße.

Und so mancher Fußgänger ist – vor allem vor den Corona-Beschränkungen – auch mal unterwegs, wenn es etwa zur oder zurück von der Kreuzkamphalle geht. So ein zwei Meter breiter, gepflegter Grünstreifen ist dann eine willkommene Verbindung. (An der Nordseite der Soester Straße ist er übrigens nicht erforderlich, da verläuft etwas weiter weg die Bimbergs-heide als Fuß- und Radweg).

Spindelrasenmäher an Soester Straße im Einsatz

Etwa 20 bis 30 Minuten braucht Wieschollek für einmal Mähen. Das ist vier Mal die Strecke hin und zurück. Mit seinem großen Spindelrasenmäher samt Mulcher ist die Arbeit rundum eine saubere Sache. Er braucht nur Muskelkraft.

Er hat es auch mal mit einem Aufsitzrasenmäher probiert. „Aber da habe ich Angst, in den Graben zu rutschen.“ „Hier und da muss ich mal was freischneiden“, sagt er. „Aber es muss ja nicht 120-prozentig sein.“ Kommt zu viel Grün auf die Fahrbahn, harkt er es weg.

Müll im Straßengraben

Nebenbei wird das Mähen zum Beitrag für die einmal im Jahr stattfindende Aktion Frühjahrsputz. Immer wieder holt er achtlos weggeworfenen Müll aus dem Graben. „Es ist schon irre, wie viele leere Schnapsflaschen in der Kurve vor der Einmündung Ostwennemarstraße im Graben liegen“, sagt er.

So unschön die Vermüllung auch ist, „das Mähen mache ich gerne“, sagt er. „Das ist ja keine große Kunst, sondern in einer halben Stunde gemacht. Die Straßenmeisterei hat sicherlich etwas Besseres zu tun, als sich um den Grünschnitt zu kümmern“ - zum Beispiel, um sich um die maroden Straßenabschnitte zu kümmern. Politiker des Stadtbezirks machen Druck.

Straßenmeisterei Unna im Einsatz

Die Straßenmeisterei kommt trotzdem immer wieder an der Stelle vorbei. Sie muss ja die gesamten Straßenabschnitte abfahren. Wo schon geschnitten ist, fahren die Mitarbeiter eben ein Stück weiter. Das kommt aber nicht so oft vor. „Es gibt den einen oder anderen“, sagt Thomas Bruns, Betriebsleiter der zuständigen Straßenmeisterei Unna. Aber eigentlich fragt niemand nach, ob er an der Landesstraße mähen dürfe, so wie Wieschollek, sie machten es einfach.

Letztlich ist es weniger für den Landesbetrieb eine Hilfe, als vielmehr für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer ein Vorteil. Wie im Falle der Soester Straße kann so der Grünstreifen als Weg genutzt werden. Der würde sonst tatsächlich nur zwei Mal im Jahr gemäht.

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