Anstieg um 35 Prozent

In Hamm aktuell deutlich mehr Wohnungslose als 2019

Schlafplatz eines Obdachlosen in der Hammer Innenstadt.
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Schlafplatz eines Obdachlosen in der Hammer Innenstadt.

477 Menschen ohne Wohnung: Die Zahl der Wohnungsnotfälle in Hamm steigt immer weiter an. Seit 2015 hat sie sich verdoppelt. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Menschen ohne eigenes Mietverhältnis um 125 (plus 35 Prozent). Auch hier hat die Corona-Pandemie mit ihren Folgen deutliche Spuren hinterlassen.

Hamm – Zu diesem Schluss kommen die freien Träger der Wohnungslosenhilfe in Hamm, die jährlich ihre Wohnungslosenstatistik vorlegen. Von den 477 Wohnungslosen in Hamm sind 94 Personen weiblich.

Ein möglicher Grund für den deutlichen Anstieg innerhalb eines Jahres könnte demnach der Lockdown im März sein. Unternehmen hätten gerade im Niedriglohnsegment Personal freisetzen müssen (Einstellungsstopp, Kündigungen, Kurzarbeit). Feststellbar sei ein deutlicher Anstieg von ALG-I-Empfängern in den Beratungsstellen gewesen.

Zusätzlich hätten auch die Justizvollzugsanstalten die Insassenzahl deutlich reduziert, sodass viele Personen frühzeitig ohne Haftentlassungsvorbereitung und damit auch wohnungslos ihre Haftzeit unterbrechen mussten.

Vermittlungszahlen eingebrochen

Gleichzeitig sei es schwieriger geworden, in stationäre Einrichtungen und Kliniken zu vermitteln, so dass auch hier die Vermittlungszahlen eingebrochen seien, weil zum Beispiel keine Neuaufnahmegespräche stattfinden konnten. Die Vermittlung in Wohnraum sei deutlich erschwert worden, da persönliche Vorsprachen bei potenziellen Vermietern nicht möglich gewesen seien.

In der Konsequenz fordern die freien Träger unabhängig von der Pandemie die Schaffung von adäquatem und bezahlbarem Wohnraum in Hamm. „Wenn die Zahl der wohnungslosen Menschen in Hamm sinken soll, muss sozialhilferechtlicher angemessener Wohnraum dringend geschaffen werden. Je länger ein Mensch wohnungslos ist, umso schwieriger wird die Vermittlung“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die Mitarbeitenden der freien Träger in der Wohnungslosenhilfe haben auch während des Lockdowns die Hilfesuchenden weiterhin persönlich beraten und unterstützt.

„Soziale Arbeit überlebenswichtig“

Der persönliche Zugang zu den Ämtern, Krankenkassen und weiteren gesundheitlichen Einrichtungen sei nicht mehr möglich gewesen. Den digitalen Alternativangeboten hätten Menschen, die von Wohnungslosigkeit und Armut betroffen sind, nicht gerecht werden können.

„In den Zeiten von Corona zeigt sich deutlich, dass soziale Arbeit nicht nur systemrelevant ist, sondern überlebenswichtig“, heißt es in der Erklärung. Ein Wohnungsloser ohne Telefon, Internet, Postanschrift, Bankkonto und ohne persönlichen Zugang zu Behörden, um Dokumente zu besorgen, habe alleine keinerlei Chance.

Ausdrücklich betonen die Träger die „gute und kooperative Zusammenarbeit und das Engagement der Ämter und Behörden wie dem Kommunalen Jobcenter, der Bürgerämter, Gesundheitsamt und der Ausländerbehörde“.

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