Hoffen auf Fortschritte beim Impfen

Eckardt-Wirte sauer: „Kennen alle Warteschleifenmelodien Deutschlands“

Gabriele Wildtraut und Günter Lubos Gaststätte Eckardt Hamm Uentrop Mark
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Nur noch enttäuscht: Gabriele Wildtraut und Günter Lubos hoffen auf baldige Fortschritte beim Impfen, damit sie die Gaststätte Eckardt in der Mark wieder öffnen können.

Die Gaststätte Eckardt ist zu. Seit Monaten. Das Pendel zwischen Frust und Hoffnung zeigt bei Gabriele Wildtraut und Günter Lubos aktuell deutlich in eine Richtung.

Mark – Wenn in schöner Regelmäßigkeit die Konferenz der Ministerpräsidenten zu den neuesten Corona-Maßnahmen stattfindet, ist bei zwei Gastronomen aus der Mark die Erwartungshaltung schon lange niedrig. Mittlerweile ist der Frust groß: „Hätten wir unser Geschäft direkt zu Beginn der Krise komplett geschlossen, ginge es uns jetzt besser“, sagt Günter Lubos, der zusammen mit Gabriele Wildtraut die Gaststätte Eckardt an der Ecke Marker Dorfstraße/Alter Papenweg betreibt.

Im Januar 2019 hatten die erfahrenen Gastronomen das Traditionslokal übernommen, jetzt herrscht die reine Enttäuschung. „Es gibt so viel Grund zu klagen, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll“, so Wildtraut. Das sei das Unverständnis für viele Regelungen, etwa warum Discounter Sportartikel verkaufen durften, Sportgeschäfte aber geschlossen haben mussten. Die Kleinteiligkeit der Hilfsregelungen, das langsame Tempo bei den Auszahlungen und die stetig steigende Schuldenlast ohne Perspektive seien Gift für die Nerven.

Gastätte Eckardt: „Komplette Schließung wäre günstiger gewesen“

Ohne Unterstützung gehe es bei den erzwungenen Schließungen für die Gastronomen nicht, doch ihre Erfahrungen um diese „vollmundig versprochenen Gelder“ seien entmutigend. Schon bei den 9000 Euro als Soforthilfe beim ersten Lockdown im März vergangenen Jahres seien sie aus allen Wolken gefallen. Das Geld sei zwar schnell gekommen, doch erst Anfang Juli traf eine E-Mail ein, in der detaillierter auf die Nutzungskriterien eingegangen wurde. „Selbst wenn die anteilige Rückzahlung zeitlich gestundet wird, so sind wir doch in der Pflicht“, sagt Lubos. Auch bei der „Neustarthilfe“ und der „Dezemberhilfe“ werde es nicht anders sein, ist sich der Gastronom sicher.

„Wir haben nach dem ersten Lockdown auch sofort wieder geöffnet“, sagt Gabriele Wildtraut. Und Günter Lubos ergänzt, dass dies ein Fehler gewesen sei: „Auch wenn viele Kunden gemosert haben, dass Knobeln bei den Abständen nicht gehe und keine rechte Stimmung aufkomme, haben wir auf die Einhaltung aller Regeln beharrt“, so Lubos. Zum Dank müssten sie nun nur mehr zurückbezahlen. „Hätten wir zu Beginn der Krise alles ab- und hinterher wieder angemeldet, wäre es für uns günstiger“, sagt der Gastronom. Zudem habe sich seit der Soforthilfe im März das Tempo bei den Behörden enorm verlangsamt.

Gaststätte Eckardt: „Bedingungen werden immer wieder nachträglich geändert“

„Die Dezemberhilfe haben wir unmittelbar nach Weihnachten beantragt“, sagt der Wirt. Am 3. Januar sei der Bewilligungsbescheid eingetroffen, samt Nennung des Förderbetrags. Nur, das Geld sei wochenlang nicht eingetroffen. „Da habe ich tagelang hinterher telefoniert, um zu erfragen, wann das Geld denn komme“, sagt der Gastronom. Die Wirtschaftsförderung Hamm und die IHK zu Dortmund hätten ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Doch bei den Ämtern habe sich nichts getan.

„Inzwischen kennen wir alle Warteschleifenmelodien in Deutschland“, sagt Gabriele Wildtraut und mag ihre Enttäuschung über die vielen Vertröstungen und Weiterverweisungen gar nicht erst verbergen. Es sei auch einfach unverständlich, wenn ihnen dann gesagt werde, dass der bewilligte Bescheid im Computer und alles genehmigt worden sei, doch man nicht sagen könne, wann das Geld eintreffen werde. Zudem werde immer wieder nachträglich an den Bedingungen, wie jetzt zur Märzhilfe, geändert.

Jetzt hoffen sie, dass endlich das Tempo der Impfungen Fahrt aufnimmt. „Nur wenn das geschieht, gibt es Sicherheit“, so Lubos. Alles andere bleibe Augenwischerei, sind sie sicher. Nach dem Aussetzen mit dem Impfen von Astrazeneca dürfte klar sein: Gabriele Wildtraut und Günter Lubos werden noch etwas länger durchhalten müssen.

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