Wirte der Gaststätte Eckardt verärgert über Corona-Politik

In Hammer Kneipe kocht die große Wut kleiner Unternehmer

+
Ärgern sich: Gabriele Wildtraut und Günter Lubos sind von der Soforthilfe des Landes enttäuscht.

Wie viele andere geschundene Gastronomen plagen sich auch die Wirtsleute der Hammer Kultgaststätte Eckardt mit den Folgen des Corona-Bürokratiemonsters herum.

Mark – Über 3000 Solo-Selbstständige, Kleinst- und mittelgroße Unternehmer haben im Zuge der Corona-Krise Soforthilfen beim Land beantragt. Und viele von ihnen wurden vor den Kopf gestoßen, als plötzlich vor etwa drei Wochen offenbar die Bedingungen der schnellen Finanzspritze nachträglich geändert wurden. Selbst wenn die Rückzahlungen jetzt erst einmal ausgesetzt sind und noch nicht klar ist, wie viel Geld hängen bleibt: Es ist viel Vertrauen verloren gegangen, sagen Betroffene.

Freude und Wut gehen angesichts der Corona-Krise bei Gabriele Wildtraut und Günter Lubos Hand in Hand. Das Wirts-Paar betreibt seit Januar 2019 die Traditionsgaststätte Eckardt an der Ecke Marker Dorfstraße/Alter Papenweg und wurde vom Corona-Lockdown ebenso kalt erwischt wie viele andere Unternehmer auch. Bei beiden sorgen die nachträglich eröffneten Kriterien für die Verwendung der seinerzeit schnell ausbezahlten Soforthilfen für Unmut.

„Natürlich haben wir am 19. März, angesichts der Verordnung zur Corona-Pandemie, auch unser Lokal geschlossen“, berichtet Lubos. Damals habe es ja auch geheißen, man solle Ruhe bewahren, da Hilfsmaßnahmen kommen, so Wildtraut. Sie vertrauten darauf. Am 27. März stellte das Wirtspaar den Antrag auf die Corona-Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro, die auch innerhalb weniger Tage eintraf. „Wir waren positiv überrascht, dass uns von Existenzängsten geplagten Kleinunternehmern und Soloselbstständigen so schnell und unkompliziert geholfen wurde“, erinnert sich Lubos.

Auf den Bewilligungsbescheid vertraut

Aus heutiger Sicht sei die Haltung wohl naiv gewesen, erklärt Wildtraut. Doch hätten sie auf den Bewilligungsbescheid vertraut, in dem wörtlich steht: „Die bewilligte Soforthilfe muss vollumfänglich zur Kompensation der unmittelbar durch die Corona-Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Engpässe genutzt werden. Ihnen als Empfänger obliegt die Entscheidung, welche Forderungen mit höchster Relevanz für die Existenzsicherung bedient werden sollen.“

Dieses Zutrauen in das Bewilligungsschreiben wurde enttäuscht, als am 7. Juli die nächste E-Mail des Landes eintraf, in der wesentlich detaillierter auf die Nutzungskriterien eingegangen wurde: „Plötzlich hieß es, dass in der Verwendung keine Sozialversicherungsbeiträge und Löhne berücksichtigt werden könnten“, so Wildtraut. „Nur zum allgemeinen Verständnis: Aus kaufmännischer Sicht zählen bei einem Liquiditätsengpass regelmäßige Kosten eines Unternehmens. Das sind Personalkosten, Sozialabgaben, Miete, Wareneinkauf, Versicherungen und Wartungskosten“, so Lubos.

Rückfragen zumeist im Sande verlaufen

„Bei der Düsseldorfer Liquiditätsengpassberechnung ist es wie bei den Hütchenspielern. Zuerst gewinnst du vermeintlich, danach wirst du abgezockt“, sagt der Wirt. Bis September sollte die Abrechnung ausgefüllt sein und der „nicht verwendungsgemäße Betrag“ bis zum 31. Dezember mit Zinsen zurückbezahlt werden. Die Versuche, durch Rückfragen Auskunft zu erhalten, seien zumeist im Sande verlaufen. „Ich kann wohl mit Recht behaupten, inzwischen die meisten Warteschleifen-Melodien der Republik gut zu kennen“, sagt Wildtraut mit bitterer Ironie.

Im Grunde hätte man ihnen einen teuren Kredit mit einer Verzinsung von fünf Prozent über dem Basiszinssatz aufgeschwatzt, erregt sich Lubos. Einzig bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Hamm hätte man sie beraten. Sie sollten ruhig bleiben. In Düsseldorf werde am Thema gearbeitet und noch wisse man nicht, was hinterher zurückgefordert werde. Das sei zwar eine Perspektive, doch darüber, wie diese „Hilfe“ insgesamt gestaltet sei, bleibe nur ein riesiger Frust zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare