Wirte der Dorfkneipen in Rhynern denken nicht ans Aufgeben

Fit für die Zukunft: In der Gaststätte Pietig in Westtünnen wird gerade eine Theke eingebaut. Elektriker Jens Langkamp (von rechts) von der Firma Reers, Schankanlagen-Spezialist Peter Osterburg und Inhaberin Gitta Pietig-Niggemann sind bei der Arbeit.
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Fit für die Zukunft: In der Gaststätte Pietig in Westtünnen wird gerade eine Theke eingebaut. Elektriker Jens Langkamp (von rechts) von der Firma Reers, Schankanlagen-Spezialist Peter Osterburg und Inhaberin Gitta Pietig-Niggemann sind bei der Arbeit.

Rhynern/Westtünnen – Die Zeiten sind schwierig – und das ganz besonders für die Gastronomen. Seit März liegt ihr Geschäft quasi brach. Das betrifft auch drei echte Kultstätten im Stadtbezirk Rhynern. Gemeint sind die „Eckkneipen“, also die kleinen Gaststätten, deren Hauptgeschäft sich im Getränkeverkauf, und das vornehmlich an der Theke, konzentriert: „Zum Isenbecker“ und „Auf´m Berg“ in Rhynern sowie „Pietig“ in Westtünnen. Doch ans Aufgeben denken die Wirte derzeit nicht.

Die zwischenzeitliche Öffnung ihrer Kneipen in den Sommermonaten war finanziell nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ohne echten Biergarten ist der Sommer für die Kneipen ohnehin nicht der Saisonhöhepunkt. Und ohne die Atmosphäre an der Theke blieben viele Gäste in diesem Jahr auch fern. Mussten die Kneipen vor einigen Jahren schon das Nichtraucherschutzgesetz über sich ergehen lassen, so ist die Corona-Krise jetzt der absolute Tiefpunkt für die Dorfkneipen, die ohnehin allerorts weniger werden.

Neue Theke bei Pietig

Aber – und das wird viele Dorfbewohner und Vereinsmitglieder freuen – sie lassen sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Gitta Pietig-Niggemann nutzt die Zeit gerade, um noch einmal in ihre Ausstattung zu investieren. „Es klingt vielleicht etwas verrückt in diesen Zeiten, aber es wird gerade eine neue Theke eingebaut“, erzählt sie. „Denn wir lassen uns nicht unterkriegen und schauen optimistisch nach vorne“, so die Wirtin. Eigentlich war die Renovierung erst für das nächste Jahr geplant. Nun aber machte sie Nägel mit Köpfen und ließ die Handwerker bereits am 2. November, also kurz nach Beginn des zweiten Lockdowns, kommen. Peter Osterburg, Spezialist für Theken und Schankanlagen, baut die neue Theke ein. Nicht komplett neu, denn das wollte Gitta Pietig-Niggemann ihren Stammgästen nicht antun. Und sie selbst konnte sich auch nicht vom leicht antiken Stil alten Theke trennen. Vor genau 60 Jahren war die Theke eingebaut worden. Die äußere Hülle bleibt, wie sie ist. Der Gast wird auf dem ersten Blick gar keine Veränderung feststellen, abgesehen vom grünen Zapfturm, der ist neu, und auf den ist die Wirtin stolz. Neu sind die Kühlungen, die Technik, quasi das gesamte Innenleben der Theke. „Das war gar nicht so einfach, dies in die bestehende Holztheke einzubauen. Aber wenn die Chefin es so möchte, machen wir das“, sagte Osterburg lachend und machte sich wieder an die Arbeit. Pietig-Niggemann wartet nun darauf, dass möglichst Mitte Januar der Betrieb wieder langsam anlaufen kann. Bis dahin hat sie noch eine Menge damit zu tun, die Theke wieder einzuräumen. Derzeit steht alles verstreut im Schankraum und Saal.

Erstmals „Essen-To-Go“ im Isenbecker

Hildegard Henker und Anne Wendel, die Pächterinnen der Kneipe „Zum Isenbecker“ an der Alten Salzstraße in Rhynern wollen nicht länger tatenlos zusehen. Einen Monat erneute Schließung haben sie hinter sich, nun betreten sie ein neues Feld. Sie verkaufen Speisen außer Haus auf Bestellung. „Wir mussten jetzt etwas machen. Wenn unsere Stammgäste uns nicht im Stich lassen, dann kommt vielleicht auf diesem Wege etwas Geld rein“, sagt Henker. Und mit dem Angebot haben sie offenbar bereits den Nerv auch von Nicht-Stammkunden getroffen. Denn die Reibeplätzchen gingen bislang weg wie warme Semmeln. Zunächst soll noch beobachtet werden, wie das neue Geschäft weiter läuft. Daher wird es in dieser Woche zunächst am zweimal pro Woche „Essen-To-Go“ beim Isenbecker geben, eine telefonische Vorbestellung ist dafür erforderlich. Der Auftakt hat den beiden Schwestern bereits gut getan. Sie durften wieder arbeiten und auch endlich wieder Einnahmen zählen. Infos über das Angebot und die Möglichkeit zum Vorbestellen gibt es jeweils auf dem Werbe-Reiter vor der Kneipe.

Ähnliche Überlegungen hatten Christiane und Manfred Lütkhoff wieder verworfen, auch wenn die Verluste alleine durch das Ablaufen der Haltbarkeit von Speisen und Getränken nicht klein gewesen seien. Mit den Hilfen des Staates könne aber eine Zeit überbrückt werden. Der Aufwand für den Speisenverkauf außer Haus sei aber zu groß, finden sie, auch wenn beide schon merken, dass neben den Einnahmen vor allem die tägliche Beschäftigung etwas fehle.

Vor allem sei es aber der Kontakt zu den Gästen, den sie vermissen. Das dürfte mit Blick auf Weihnachten noch deutlicher werden. Denn „auf´m Berg“ finden im Dezember einige, gemütliche Weihnachtsfeiern ein. Das brachte zum einen etwas Weihnachtsgeld, zum anderen auch viele Stammgäste zum Jahresabschluss zu einem lockeren Gespräch die Wirtschaft.

Längst zur Tradition ist auch das Weihnachtssingen an Heiligabend geworden. Eine Stunde lang singen Gäste, Verwandte, Freunde begleitet von einer Abordnung des Jugendfanfarenzugs Rhynerberg Weihnachtslieder. Auch das muss mit viel Wehmut ausfallen. Daher hoffen die Lütkhoffs sehr, dass die Corona-Lage schon bald wieder ein Öffnen ihrer Kneipe ermögliche – mit dieser Hoffnung sind sie sicherlich nicht alleine.

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