„Der Motor der Population“

Hammer Jäger: Darum müssen viele Frischlinge sterben

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Hamm - 75 Prozent aller ganz jungen Wildschweine sollen bei jeder sich bietenden Gelegenheit abgeschossen werden, besagen Vorgaben des Landesumweltministeriums. Das bringt (nicht nur) Tierschützer auf die Palme. Warum muss das sein? Wir haben einen Experten aus Hamm gefragt.

Peter Markett

Ja - Jäger müssen Frischlinge töten. Nur so lasse sich einerseits die „afrikanische Schweinepest“ eindämmen, die sich von Polen aus in Deutschland ausbreitet, heißt es. Andererseits haben Schäden durch Wildschweine stark zugenommen. Im vergangenen Jahr schossen Jäger allein im Kreis Soest 1400 Wildschweine mit entsprechend vielen Frischlingen – fast 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Was es damit auf sich hat, erläutert der Hammer Wildmeister und Berufsjäger Peter Markett im Interview.

Herr Markett, es klingt gewaltig, wenn Sie fordern, 75 Prozent der Frischlinge müssten abgeschossen werden. Warum so viele? 

Peter Markett: Weil aus der Altersklasse der Frischlinge der Hauptzuwachs aus der Population hervorgeht. Anders gesagt: Hier läuft der Motor der Population. Ein Großteil der weiblichen Frischlinge wird bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif.

Welche Schäden richten die Wildschweine an? 

Markett: Wildschweine zerwühlen die Grasnarbe auf Grünlandflächen und richten auch in Ackerfrüchten große Fraßschäden an. In einigen Regionen sind auch schon Hausgärten betroffen. Der Abschuss der Tiere wird auch damit begründet, dass eine reduzierte Zahl die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest verhindern oder zumindest eindämmen könnte.

Wo ist da der Zusammenhang? 

Markett: Eine große Wildschweinpopulation verteilt im Seuchenfall den Virus sehr schnell und damit effektiv, ein geringer Bestand langsamer und damit weniger effektiv.

Noch grassiert diese Seuche hierzulande nicht. Wie groß ist die Gefahr, dass Tiere hier überhaupt befallen werden?

Markett: Experten schätzen die Gefahr als durchaus hoch ein. Der Virus kann von heute auf morgen hier sein, nämlich dann, wenn zum Beispiel über ein infiziertes Stück Rohwurst aus der Seuchenregion, durch Fernfahrer mitgebracht, unsere Wildschweine an Rastplätzen diese aufnehmen. Insbesondere die A2 ist eine beliebte und viel befahrene Ost-West-Route.

Welche anderen Tiere wären gefährdet?

Markett: Das Virus wirkt sehr spezifisch auf Schweine, sodass unsere gesamten Haus- und Wildschweine betroffen wären. Zusätzlich gäbe es im Seuchenfall weitreichende Transport- und Exportbeschränkungen für Schweinefleisch, was für die Landwirte eine existenzielle Bedrohung darstellen würde.

Wie steht es um die Bereitschaft der Jäger, Wildschweine überhaupt zu schießen? 

Markett: Die Jägerschaft ist bemüht, die Bestände gering zu halten. Es ist aber generell nicht so einfach, Abschüsse zu tätigen, denn Wildschweine sind sehr intelligent und die Jagd gestaltet sich in vielen Bereichen (Ortslagen, Kyrill-Flächen) schwierig. Zudem kommt leider hinzu, dass die Jäger sich immer mehr mit einer zunehmend jagdkritischen Bevölkerung auseinandersetzen müssen.

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