Steuern durch die Corona-Krise

Malerbetrieb Kaplan: Corona, Kurzarbeit, Quarantäne - und Kunden auf Abstand

Viele Privatkunden gingen auf Abstand: Während des ersten Lockdowns brachen Thomas Kaplan viele Aufträge weg. Inzwischen beschäftigen ihn Kunden wie Ellen und Rainer Von Groll wieder.
+
Viele Privatkunden gingen auf Abstand: Während des ersten Lockdowns brachen Thomas Kaplan viele Aufträge weg. Inzwischen beschäftigen ihn Kunden wie Ellen und Rainer Von Groll wieder.

Es gab ein paar Wochen in diesem Jahr, da schob Thomas Kaplan Panik. Nachts überlegte der Inhaber eines Malerbetriebs, welche Produkte und Dienstleistungen er noch anbieten – oder wie er auf andere Art seine Zukunft gestalten könnte. Das war Ende April, Anfang Mai, während des ersten Corona-Lockdowns. Ab Juni ging es dann wieder aufwärts. Neben vielen Belastungen hatte die Corona-Pandemie für ihn auch den einen oder anderen kleinen Vorteil – jedenfalls zeitweilig.

Hamm-Norden – Eigentlich hätte er gedacht, dass er seinen vor gut sieben Jahren gegründeten Betrieb mit Sitz an der Großen Sandstraße breit und damit krisensicher aufgestellt hätte, sagt der 39-Jährige. Er arbeitete mit privaten Kunden, Geschäftskunden und der Hammer gemeinnützigen Baugesellschaft (HgB) zusammen. Aber er hatte nicht mit einer Pandemie gerechnet. „Die Privatkunden sagten ab März alle Aufträge ab, teilweise weil sie Angst um ihren Job hatten, teilweise, bei älteren Kunden vor allem, aus Angst vor Ansteckung“, sagt Kaplan. „Sie wollten lieber keinen weiteren Menschen in ihrer Nähe haben.“ Geschäftskunden wiederum verschoben ihre Aufträge, weil auch sie nicht einschätzen konnten, wie es mit den Einnahmen weitergeht.

„Es gab nichts mehr zu tun, ich musste Kurzarbeit anmelden“

Thomas Kaplan, Malermeister

Und dann war da noch die HgB. Wenn Mieter aus- und andere Mieter einziehen, renovieren schon mal die Mitarbeiter Kaplans die Wohnung. „In dieser Zeit ist aber kaum jemand ausgezogen“, sagt Kaplan, „und dementsprechend auch keiner eingezogen – es gab nichts zu tun.“ Waren seine Auftragsbücher Anfang März noch prallvoll, so waren sie Anfang April komplett leer. „Es lief nichts mehr“, sagt der Malermeister, „ich musste Kurzarbeit anmelden.“ Er hatte nichts zu tun und sah bei Baumarkt OBI eine „kilometerlange“ Schlange: „Das ist irgendwie eine absurde Situation.“

Ab Juni stieg der Optimismus

Nach dem Ende des Lockdowns füllten sich seine Auftragsbücher wieder, im Juni stieg der Optimismus. Nein, komplett aufholen könne sein Betrieb das nicht, aber die Zukunft hätte wieder besser ausgesehen. Trotzt mancher Tiefschläge. So muss Kaplan wahrscheinlich die Hilfen des Staates wieder zurückzahlen, ein großzügigere Kreditlinie soll ihm im Fall eines weiteren Lockdowns die Liquidität sichern.

Kaplan stammt aus Hamm-Norden

Thomas Kaplan, geboren im November 1981, ist Malermeister, staatlich geprüfter Techniker der Fachrichtung Farb- und Lacktechnik, Energieberater des Handwerks, Akustikfachmann und befähigter Asbest-Sachkundiger. Er stammt aus dem Hammer Norden und gründete dort am 1. April 2013 seinen Betrieb. Er kandidierte für die CDU im Heessener Wahlkreis im Hammer Norden, verlor aber knapp das Direktmandat. Zugleich engagiert er sich im Bundesverband mittelständischer Wirtschaft und arbeitet im Vorstand des „Jungen Mittelstands Ruhr Ost“ mit. Als sachkundiger Bürger sitzt er für die CDU im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft.

In dieser Zeit gab es aber auch Lichtblicke. Selten zählte er so wenige Krankheitstage seiner Mitarbeiter wie im Frühling und im Frühsommer. „Ist doch klar“, sagt er, „wenn jeder Abstand hält, um sich kein Coronavirus einzufangen, dann fängt man sich auch keine Erkältung ein.“ Das war die Zeit der ersten Welle und kurz danach. Im Sommer lagen die Krankheitstage im Betrieb bei: Null. Wenn jemand hustete, sah man gleich den Tod vor Augen, jeder achtete auf die AHA-Regeln: Abstand, Händewaschen, Atemschutz.

Den ganzen Betrieb Corona-kompatibel ausgerichtet

Auch Kaplan richtete seinen Betrieb danach aus. Er bildete feste Teams, die zusammen arbeiteten – wenn sich ein Mitarbeiter das Virus fängt, ist nicht gleich der ganze Betrieb betroffen. Auch der Urlaub wurde teamweise genommen. Er variierte die Anfangszeiten für die verschiedenen Teams. Die einen begannen um 6.50 Uhr, andere um 7 Uhr oder 7.10 Uhr: Wer sich nicht begegnet, kann sich nicht anstecken. Es gab klare Anweisung wann der Mund-Nasen-Schutz zu tragen ist und wem man noch – oder eben: nicht mehr – die Hände gibt. Es wirkte.

Wenn jeder Abstand hält, um sich kein Coronavirus einzufangen, dann fängt man sich auch keine Erkältung ein.

Thomas Kaplan, Unternehmer

Doch es blieb nicht dabei. Mit jeder Lockerung, so die Beobachtung des Unternehmers, wurden seine Mitarbeiter auch in Sachen AHA-Regeln lockerer – und das könnte auch im privaten Umfeld seiner 17 Mitarbeiter so gewesen sein. Vor Kurzem erst erkältete sich ein Mitarbeiter und kurz darauf einer seiner Auszubildenden – der die Zwischenprüfung nicht mitmachen durfte, weil er Krankheitssymptome zeigte. Kaplan: „Ich hab sie gefragt: Wie könnt Ihr euch eigentlich anstecken?“ Denn die AHA-Regeln gelten ja noch.

Mitarbeiter in Quarantäne: Wer übernimmt deren Arbeit?

Die Fehlzeiten steigen jetzt – auch wegen Quarantäne-Fällen. Eine Mitarbeiterin war schon vier, fünf Mal in Quarantäne. Weil sie ihre in Quarantäne gesetzte Tochter betreuen musste oder weil sie selbst Kontakt zu einem Infizierten hatte. Und die Handlungsanweisungen der Stadt, des Landes und des Bundes änderten sich stetig. „Ich muss jedes Mal genau lesen und hinschauen, ob mein Betrieb betroffen sein könnte“, sagt Kaplan, „und wenn das so war, musste ich ja auch sofort reagieren.“ Anstrengende Wochen ...

Malermeister Thomas Kaplan engagiert sich im Bundesverband mittelständischer Wirtschaft und arbeitet im Vorstand des „Jungen Mittelstands Ruhr Ost“ mit. Außerdem trat er bei der Kommunalwahl als Direktkandidat für die CDU im Hammer Norden an.

Und Corona betrifft ja nicht nur den Umgang seiner Mitarbeiter untereinander. Thomas Kaplan selbst macht die Erstkontakte und berät die Kunden, und da ist er konsequent: Abstand und Mund-Nasen-Schutz. Zuweilen nähmen Kunden das nicht so ernst, und dann frage er: „Ich weiß nicht, wie vielen Menschen Sie heute schon begegnet sind, aber ich habe ziemlich viele getroffen – bitte setzen Sie Ihren Mund-Nasen-Schutz auf und halten Sie Abstand.“ Meistens wirkt’s.

Die Sorge: Den Betrieb schließen müssen bei einem Corona-Fall

Denn eine Frage schwebe immer über allem: „Ein Corona-Fall, und es besteht die Gefahr, dass ich meinen ganzen Betrieb schließen muss.“ Die zwei Wochen würde er nicht mehr aufholen.

Und wie geht’s weiter? Jetzt, in der zweiten Welle laufe es geschäftlich ziemlich normal. Der Jahreszeit angemessen halt. Kaplan hofft, dass er in ruhigem Fahrwasser bleibt, auch wenn er die Soforthilfen zurückzahlen muss, und auch wenn er Diskussionen mit dem Finanzamt befürchtet: „Ich habe zwischenzeitlich zum Beispiel nur Material verkauft, da stimmt der Umsatz, aber der Gewinn ist niedriger, als wenn ich das Material selbst verarbeite“, sagt er, „das muss ich dem Finanzamt erst erklären, auch im Zusammenhang mit den Soforthilfen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare