SPD-Rot dominiert stadtweit

Wie geht‘s in Hamm weiter nach der Wahl? Auf jeden Fall nicht wie bisher

Kommunalwahl in Hamm: Marc Herter und Thomas Hunsteger-Petermann im Kurhaus.
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Rot führt: Die Spitzenkandidaten Marc Herter und Thomas Hunsteger-Petermann stellen sich auf der Kurhausbühne den Besuchern der Wahlparty. Im Hintergrund das eindrucksvolle Balkendiagramm, das nicht nur (wie hier) die OB-Wahl dominiert.

In Hamm verschiebt sich die politische Landkarte stärker als gedacht: Nicht nur dass mit Marc Herter eventuell ein SPD-Mann neuer OB wird. Auch in den Gremien veränderten die Wähler bei der Kommunalwahl am Sonntag die Farbmuster. Was heißt das denn nun für Hamm?

Hamm - Der anfänglich noch deutliche Vorsprung für Marc Herter bei der OB-Wahl schmolz bis zur Endabrechnung zwar noch auf 3,26 Punkte. Trotzdem geht der Herausforderer von Thomas Hunsteger-Petermann mit ordentlich Rückenwind in die Nachspielzeit des Wahlkampfs bis zur Stichwahl am 27. September. Der 46-Jährige sah sich in seinem Kurs bestätigt und richtete den Blick direkt nach vorne.

„Die nächsten Jahre werden entscheidend sein dafür, wie die Stadt sich positioniert. Die Menschen wollen keine Denkmäler gebaut haben. Sie wollen, dass die Politik sich darum kümmert, dass es ihnen jeden Tag ein Stückchen besser geht“, so Herter. Er versprach mehr Einfluss für die Bürger und mehr Gehör für die Verwaltungsmitarbeiter. „Ein stärkeres Kontrastprogramm im Führungsstil ist nicht vorstellbar.“

Rot führt: Das Ergebnis der OB-Wahl 2020. Eine Stichwahl muss die endgültige Entscheidung bringen.

Kommunalwahl in Hamm: Stichwahlplakate der CDU schon fertig

Sein Gegenüber konnte seine Überraschung ebenfalls nicht verbergen, er musste sich erst einmal sammeln. „Auch für mich ist das nicht gerade ein erwartetes Ergebnis. Ich halte es aber für holbar. Wir werden das in der zweiten Runde wuppen.“ Mitte bis Ende der Woche würden die schon vor der Wahl fertigen Plakate für die Stichwahl geklebt. 

Die CDU hatte in den vergangenen Monaten übrigens groß angelegte und teure Umfragen durchgeführt: Diese hatten nach WA-Informationen ein anderes Ergebnis prognostiziert.

Rot führt: So wählten die Hammer den neuen Stadtrat.

Kommunalwahl in Hamm: Hinterzimmer-Spielereien verbieten sich

Sowohl Herter als auch Hunsteger betonten, dass bei einem so offenen Ausgang der Stichwahl jetzt nicht an sonst übliche Sondierungs- oder gar Koalitionsgespräche zu denken sei. „Es verbietet sich, in Hinterzimmertreffen Mehrheiten hin und her zu schieben“, sagte Herter.

Rechnerisch sind fünf Konstellationen möglich. Die SPD und die Grünen hätten – den Oberbürgermeister eingerechnet – eine hauchdünne Mehrheit von einer Stimme. Stabiler wäre ein Dreierbündnis entweder im Trio mit der FDP (3 Sitze) oder der Linkspartei (2 Sitze). Die CDU käme mit den Grünen und der FDP auch auf eine Ein-Stimmen-Mehrheit – vorausgesetzt sie stellt den Oberbürgermeister.

Eine bequeme Mehrheit hätte nur eine große Koalition. Fraglich ist aber, ob SPD und CDU ein solches Bündnis nach dieser Wahl eingehen wollen. Die SPD könnte den versprochenen Aufbruch dann schwer vermitteln, die CDU stünde bei einer endgültigen Wahlniederlage Hunstegers nicht nur als Partei geschwächt, sondern auch ohne ihre ewige Galionsfigur da.

Rot führt: So wurde in den Hammer Bezirken gewählt.

Kommunalwahl in Hamm: CDU erlebt Erdrutsch in Rat und Bezirken

Die SPD legte auch im Rat (37,05 Prozent/+2 Prozent) und in nahezu allen Stadtbezirken zu. Mit 22 Sitzen (+2) bildet sie nun die stärkste Ratsfraktion. Die CDU erlebte auch hier einen Erdrutsch und verlor fast 9 Prozent und kommt nur noch auf 19 Sitze (-6).

Die Grünen verdoppelten ihr Ergebnis von 2014 und sind nun ein heiß gehandelter Koalitionspartner. Denkbare Konstellationen sind neben Schwarz-Rot auch Rot-Grün (bei Wahlsieg Herter) und Schwarz-Grün-Gelb (bei Wahlsieg Hunsteger). Arnela Sacic holte als OB-Kandidatin 7,2 Prozent sind. Die FDP (5,1 Prozent) bildet wieder eine Ratsfraktion, die AfD (4,67 Prozent) kommt ebenfalls auf drei Sitze.

Die Wahlbeteiligung betrug 52,16 Prozent. Damit lag sie leichter höher als bei der Wahl 2014 (51,4 Prozent).

Für alle Detailergebnisse klicken Sie auf diesen Link.

Kommunalwahl 2020 in Hamm im Kurhaus und im Rathaus

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