Der Föhn hilft beim Durchblick

Modehaus ter Horst: mit Ideen und digitalem Kontakt durch die Krise

Mutter filmt Tochter mit dem Smartphone für „Insta“: Die ältere Chefin, Petra ter Horst-Vollmer, rückt die jüngere Chefin, Stefanie Finkeldei, für Facebook und Instagram ins rechte Bild, um die aktuelle Damenmode zu präsentieren
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Mutter filmt Tochter mit dem Smartphone für „Insta“: Die ältere Chefin, Petra ter Horst-Vollmer, rückt die jüngere Chefin, Stefanie Finkeldei, für Facebook und Instagram ins rechte Bild, um die aktuelle Damenmode zu präsentieren.

Stefanie Finkeldei ist seit einiger Zeit ziemlich oft in den sozialen Netzwerken und Medien zu sehen, in stehenden und bewegten Bildern. Das ist eine Konsequenz, die sie und ihre Mutter Petra ter Horst-Vollmer aus der anhaltenden Pandemie gezogen haben: Wenn man die Beziehungen zwischen ihrem Modehaus ter Horst nicht analog pflegen kann, dann machen sie das eben digital.

Heessen – Das 1963 von Finkeldeis Großmutter in der Hülseistraße gegründete Geschäft – heute an der kleinen Amtsstraße gelegen – zieht Kundinnen aus Heessen und Hamm, aber auch aus Ahlen, Beckum und dem naheliegenden Münsterland an. Die Geschäftsidee: individuelle Mode, die Frau anderswo nicht unbedingt findet gekoppelt mit guter Beratung - „ehrlich und kompetent“, sagt ter Horst-Vollmer dazu. 200 Quadratmeter Geschäftsfläche sind nicht riesig, aber angemessen. Zielgruppe: Frauen ab 40, und durch das Engagement der 32-jährigen Tochter Stefanie Finkeldei wird das Angebot sogar ein wenig jünger. Und dann kam die Schließung wegen des neuartigen Corona-Virus.

Lockdown: „Das gab es noch nie“

„Das war ein Schock“, sagt Stefanie Finkeldei, „das gab es noch nie.“ Ihre Oma habe gesagt, das könne gar nicht sein, und dann seien sie und ihre Mutter schnell erfinderisch geworden. Und hätten die sozialen Netzwerke aktiver bespielt: Facebook, Instagram und auch Whatsapp. Mit dem Smartphone nahmen sie die „besten“ Outfits auf und verbreiteten sie, frische Mode, neue Ware, die aktuellen Trends. Und es funktioniert.

,Click and meet’ funktioniert bei uns sehr gut. Die Kundinnen kennen unser Angebot durch unseren Online-Katalog und machen dann einen Termin mit uns aus.

Stefanie Finkeldei, Co-Chefin des Modehauses ter Horst

Wahrscheinlich liegt es zum Teil auch daran, dass die Kundinnen digital affiner wurden. Jedenfalls ist es dem Modegeschäft gelungen, über Facebook und Instagram auch ganz neue Kundinnen zu finden. „Wir hatten auch Anfragen aus anderen Städten“, sagt ter Horst-Vollmer. Und die schon vorher gewonnenen Kundinnen griffen das digitale Angebot auch dankbar auf.

Das Erfolgsrezept: Die beiden Frauen streben nicht nach Perfektion, ihre Fotos sollen auch ein bisschen unprofessionell wirken. „Es soll natürlich aussehen“, sagt Finkeldei, „das ist das, was ankommt.“ Zugleich haben sie einen Online-Katalog erstellt. Das heißt nicht, dass sie ein Online-Geschäft betreiben. „Das wäre zu teuer und zu kompliziert“, sagt Finkeldei. Denn dann müsse man stets gewährleisten, dass online und analog wirklich die Ware auf Lager ist, und nicht das Kleidungsstück, das eine Kundin beim „click and meet“ gerade im Laden anprobiert zeitgleich online über die Theke geht.

Verkauf an der geschlossenen Ladentür

„Click and meet“ – also die Terminvereinbarung übers Netz – und der Verkauf an der geschlossenen Ladentür, waren recht erfolgreich. Kundinnen holten Kleidung ab und probierten sie daheim oder nahmen den Termin im Geschäft wahr. Drei bis vier Kundinnen dürfen sich gleichzeitig auf den 200 Quadratmetern aufhalten. „Manche Stammkundin hat gesagt: Stellen Sie mir mal ein Paket zusammen, Sie kennen ja meinen Geschmack“, berichtet die 56 Jahre alte Seniorchefin, „und nur ganz selten kam ein Kleidungsstück zurück.“ Vorteil: die Kundinnen zu kennen.

Mode seit 1963

Das Modehaus ter Horst wurde 1963 gegründet und hatte zunächst seinen Standort in der Hülseistraße. 1986 zog das Geschäft zur Kleinen Amtsstraße um. Die Geschäftsräume dort wurden erst im Jahre 2012 komplett renoviert. Geleitet wird das Modehaus ter Horst von Petra ter Horst-Vollmer (56) und ihrer Tochter Stefanie Finkeldei (32).

Trotz allem: an dem Umsatz von 2019 kam das Modehaus im vergangenen Jahr nicht dran. „Zwei Mal Lockdown, das kann man nicht aufholen“, sagt ter Horst-Vollmer, „und schon gar nicht, wenn es so umsatzstarke Monate wie März/ April und den Dezember betrifft.“ Weitere Initiativen hielten den wirtschaftlichen Schaden in Grenzen. Durch Verhandlungen mit den Lieferanten erzielten die beiden Inhaberinnen Sonderpreise oder konnten Waren sogar zurückgeben. Das habe auch den Vorteil gehabt, immer die aktuelle Mode anbieten zu können.

Autozeitungen für die Ehemänner

Die vielen Ideen von Petra ter Horst-Vollmer und Stefanie Finkeldei zeigen sich an vielen Stellen: So liegen Autozeitungen auf dem kleinen Tisch, an dem die Ehemänner der Kundinnen gemeinhin warten. Genial: Brillenträgerinnen nimmt ter-Horst-Vollmer am Eingang mal die Brille ab und föhnt sie. So beschlägt beim „Click and meet“ mit Mund-Nasen-Schutz die Brille nicht.

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