Überwachungskamera filmt Täter

Wer hat sein „Baby“ geklaut? Hammer will kultigen Mofa-Oldtimer zurück

Erkennungsmerkmal von Mecklenbraucks Mofa ist der Puch-Schriftzug auf der linken Fahrzeugseite.
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Das gibt es wohl nur einmal: Erkennungsmerkmal von Mecklenbraucks Mofa ist der Puch-Schriftzug auf der linken Fahrzeugseite. Er hat ihn versehentlich falsch herum aufgebracht.

Jörg Mecklenbrauck aus Hamm ist nicht nur sauer, sondern auch unendlich traurig. „Jemand hat mir mein ‚Baby‘ gestohlen.“ Sein „Baby“, das ist ein Mofa der Marke Puch, Modell Maxi-N, Baujahr 1984.

Hamm - Am Mittwoch, 7. Juli, fand offensichtlich jemand so sehr Gefallen an dem historischen Gefährt, dass er es kurzerhand vor dem Haus am Alten Uentroper Weg in Werries entwendete. Vor 20 Jahren hatte Mecklenbrauck das Motorfahrrad gebraucht gekauft. So richtig genutzt wurde das gute Stück aber eigentlich erst seit zehn Jahren.

„Erst fuhr mein Vater damit öfter durch die Mark. Dann fing ich vor einigen Jahren an, das Mofa zu restaurieren,“ erzählt er. Eigentlich gar keine so große Sache, wäre da nicht seine Parkinson-Erkrankung, die ihm immer mehr die Feinmotorik raubte. „So manches Mal brauchte ich Hilfe, nichtsdestotrotz entwickelte sich die Restauration immer mehr zu meinem Hobby.“ Viel Zeit steckte er ins Reparieren, Auseinander- und wieder Zusammenschrauben.

Auch die Lackierung entsprach lange nicht seinem Geschmack. Ursprünglich sei die Puch blau gewesen, dann habe er sie schwarz lackiert, bis er jetzt mit einem dezenten Grünton zufrieden war. „Häufig bekam ich positives Feedback von Leuten, denen mein Oldtimer gefiel. Sogar ein Mofa-Club nahm Kontakt zu mir auf.“

„Baby“ in Hamm geklaut: Geht nicht nur um Liebhaberwert

Die Puch hat nicht nur einen Liebhaberwert für ihn, sondern auch einen rein praktischen Nutzen. Mecklenbrauck ist ein begeisterter Angler und konnte mit seinem Mofa-Anhänger seine gesamte Ausrüstung bequem zu sämtlichen Gewässern kutschieren. „Das ist mir nun nicht mehr möglich“, bedauert er. „Wegen meiner Erkrankung kann ich viele Wege nicht mehr bewältigen – schon gar nicht mit Gepäck.“

„Wenn sich mein ‚Baby‘ wieder einfindet, wäre ich sehr dankbar, denn meine Mobilität ist jetzt enorm eingeschränkt“, sagt Jörg Mecklenbrauck.

Am Mittwoch war es, gegen 14.15 Uhr, als ein Mann von etwa 30 Jahren Mecklenbraucks Fahrzeug entwendete und dafür ein schwarzes Damenrad mit Korb am Tatort zurückließ. „Er war sehr groß, etwa 1,90 Meter, dunkelhaarig und schlank. Bekleidet war der Dieb mit einer blauen Hose, weißem Oberteil, weißem Cappy und schwarz-weißen Turnschuhen.“ Woher er das alles so genau weiß? „Die Kamera des benachbarten Geschäfts beobachtet auch dessen Außengelände und erwischte den Dieb eher zufällig, als er genau vor deren Tür entlangfuhr.“

Etwa eine halbe Stunde später wurde der mutmaßliche Dieb auf dem Ammerweg gesichtet, wie er sich abmühte, das Mofa ans Laufen zu bekommen. Das muss ihm im weiteren Verlauf des Nachmittags gelungen sein, denn gegen 18 Uhr wollen Zeugen die Puch mit einem Fahrer, auf den die Beschreibung passt, im Hammer Westen auf der Wilhelmstraße in der Nähe des Kauflands gesehen haben. „Er soll weder am Ammerweg noch im Westen einen Helm getragen haben.“

Puch und Maxi

Hinter der Marke „Puch“ steht eine bewegte Firmengeschichte. Sie geht auf den Fahrradmechaniker und Schlosser Johann Puch (1862 bis 1914) zurück. Unter verschiedenen Firmenzusammenschlüssen, wie Steyr-Daimler-Puch, wurden Motorräder, Autos und Waffen hergestellt. Mit dem Moped-Boom in den 1950er Jahren entstanden immer mehr kleinere motorisierte Zweiräder.

Der Modellname Maxi stand ab 1973 für die Erfolgs-Mofas mit einfach bedienbarer Automatik. Anfang der 1980er Jahre war der Zenit überschritten.

1987 wurde der Mischkonzern aufgeteilt. Der italienische Fahrzeughersteller Piaggio übernahm die Fahrrad- und Motorradsparte und produzierte noch bis zur Jahrtausendwende. Seit 2012 verkauft ein österreichisches Unternehmen Fahrräder unter der Marke Puch.

„Baby“ in Hamm geklaut: Wenn es nicht so traurig wäre...

Das Damenrad, mit dem der Dieb am Alten Uentroper Weg ankam, hatte im weiteren Verlauf des Abends übrigens auch wohl einen neuen Besitzer gefunden. Der „Interessent mit dem einnehmenden Wesen“ ließ stattdessen einen Tretroller zurück. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man beinahe lachen.

In den sozialen Medien hat der Diebstahl schon für jede Menge Aufmerksamkeit gesorgt. Ob Facebook, Instagram oder Whatsapp – viele Hammer halten die Augen offen.

Ein Merkmal ist übrigens einzigartig an Mecklenbraucks Puch Maxi-N: „DerPuch-Schriftzug auf der linken Seite ist verkehrt herum. Das war ein Versehen meinerseits, ließ sich aber nicht korrigieren.“

Wer also das Mofa sichtet, kann auf einen Blick erkennen, ob es sich um Mecklenbraucks Fahrzeug handelt. „Wenn sich mein ,Baby’ wieder einfindet, wäre ich sehr dankbar, denn meine Mobilität ist jetzt enorm eingeschränkt. Das wäre mir auch einen Finderlohn wert.“

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