Albert Hintzen, Bioland, Marianne von Weizsäcker

Corona und die Solidarität: Wie sich Hammer Stiftungen umstellen müssen

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Hamm - Stiftungen sind aufgrund der immer weniger werdenden Zinserträge auf Bankkonten auf Spendenaktionen angewiesen. Doch überall fielen Veranstaltungen wegen Corona aus – und auch jetzt ist das öffentliche Leben noch immer eingeschränkt.

Auch Veranstaltungen für den guten Zweck entfallen oftmals weiterhin. Die Albert-Hintzen-, die Bioland und die Marianne von Weizsäcker Stiftung geben einen Einblick in die aktuelle Situation.

Albert-Hintzen-Stiftung

Die Albert-Hintzen-Stiftung existiert seit 18 Jahren und unterstützt vor allem Kinder und Jugendliche sowie kranke Menschen. In jedem Jahr spendet die Stiftung an Projekte wie die Hammer Tafel, die Alzheimergesellschaft oder Kindergärten. Durch regelmäßige Musikkonzerte generierte Stiftungsgründer Albert Hintzen Spenden.

Aufgrund von Corona mussten die Benefiz-Konzerte im Frühjahr und auch bereits für den Herbst dieses Jahres abgesagt werden. „Wir müssen mal schauen, was es für Regelungen im Frühjahr 2021 gibt, um eventuell wieder Konzerte stattfinden zu lassen“, sagt Norbert Aufmhof, Konzert-Manager der Hintzen-Stiftung. Wahrscheinlich sei es, dass die Klassik-Konzerte mit kleinerem Publikum stattfinden könnten. Mit über 100 Gästen wäre es laut Aufmhof nicht sicher genug gewesen, vor allem, da viele Klienten zur Risikogruppe gehören und die Sänger auf der Bühne mindestens vier Meter Abstand zueinander wahren müssten. Aufmhof: „Das ist für uns so gar nicht umsetzbar.“

Abgesehen von den fehlenden Spenden durch Konzerte, gab es bei der Hintzen-Stiftung keine finanziellen Einbußen. „Unser Stiftungskapital konnte sich dank Zinsen entwickeln“, sagt Vorstandsvorsitzender Bernd Schulze Kappelhoff. Auch wenn das Niedrigzinsniveau ein Problem darstelle, werde der Betrag versucht stabil zu halten. Die Spendensumme, die noch in diesem Jahr zur Ausschüttung kommen soll, sei laut Schulze Kappelhoff noch nicht von der Corona-Krise betroffen. Wie sich die Rücklagen durch Corona entwickeln werden, sei noch nicht abzusehen. „Sollte Corona uns länger einschränken, behalten wir uns vor, kein Geld auszuschütten. Das ist aber nicht das Ziel unserer Stiftung“, so Schulze Kappelhoff.

Spendenkonto: Volksbank Münster eG, IBAN: DE91 4016 0050 8654 9001 00

Bioland Stiftung

Die Bioland Stiftung engagiert sich seit 2017 für die ökologische Weiterentwicklung der Landwirtschaft. „Aktuell laufen bei uns zwei praxisbezogene Projekte“, erklärt Geschäftsstellenleiterin Johanna Zellfelder und deutet auf den Klimaschutz sowie konkrete Bildungsangebote für Landwirte beim Thema Bodenfruchtbarkeit. Nächstes Jahr widmet sich die Stiftung mit Verwaltungssitz in Hamm zudem der Artenvielfalt. „Wir wollen die Land- und Lebensmittelwirtschaft ökologisch und konsequent weiterdenken“, heißt es auf der Website der Stiftung.

Durch die Corona-Krise habe sich nichts Maßgebliches geändert, denn die Stiftung sei noch sehr jung, so Zellfelder. „Wir befinden uns momentan im Aufbau. Unser Stiftungskapital ist dementsprechend gering. Spendengelder fließen direkt in unsere Projekte.“ Investitionen, etwa in Immobilien, kämen derzeit ohnehin nicht infrage. Die Pandemie könnte jedoch einen Einfluss auf die Spendebereitschaft haben, mutmaßt Zellfelder: „Ich kann mir vorstellen, dass manche Unternehmer eher zurückhaltend sind, was größere Ausgaben durch Spenden betrifft.“ Andererseits hofft die Geschäftsstellenleiterin, dass Corona ein Umdenken in der Gesellschaft begünstigt: „Das Virus hat uns gezeigt, wie eng unsere Öko- und Wirtschaftssysteme verknüpft sind und wie wichtig nachhaltige, regionale Wertschöpfungsketten sind.“

Spendenkonto: Die Bioland Stiftung, IBAN: DE41 4306 0967 4124 9697 00

Marianne von Weizsäcker Stiftung

Viele Suchtkranke sind nach einer erfolgreichen Therapie überschuldet. Die Marianne von Weizsäcker Stiftung unterstützt bundesweit ehemals Abhängige bei der Entschuldung, gewährt also Überschuldeten Entschuldungshilfen und finanzielle Hilfen zur beruflichen Wiedereingliederung. Marianne Freifrau von Weizsäcker, geborene von Kretschmann, ist die Ehefrau des sechsten deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Durch Corona hat sich für die seit 1999 in Hamm existierende Stiftung einiges geändert. Viele Beratungsstellen und Anlaufstellen für Betroffene waren lange geschlossen und empfahlen somit auch keine Suchtranken zur Weizsäcker Stiftung weiter. „Hier wurde es deshalb sehr ruhig“, sagt Rita Hornung, Geschäftsführerin. Nach und nach kämen aber wieder Anfragen.

Auf die finanzielle Situation der Stiftung habe das Virus aber keinen Einfluss gehabt, „denn Zinserträge gibt es ohnehin keine mehr.“ Aus diesem Grund wurde bereits vor Corona überlegt, sich neu aufzustellen.

Dabei müssen sich die Beteiligten laut Hornung die Frage stellen, welche Hilfen noch sinnvoll und zeitgemäß sind. „Häufig brauchen Suchtkranke mehr als nur eine Entschuldungshilfe.“ Auf den Weg zurück in ein geregeltes Leben und die Aussicht auf Arbeit spiele die Finanzierung eines Führerscheins und eines Fahrrads oft eine Rolle.

Sollte sich die Stiftung neu aufstellen, „dann sind wir wahrscheinlich auf Spenden angewiesen“, ergänzt Hornung.

Spendenkonto: Sparkasse Hamm, IBAN DE67 4105 0095 0004 0151 52

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