Patenschaften bedeuten eine große Unterstützung

Weniger Paten für Gnadentiere: Myriam Dahlmann von „Charly’s Ranch“ über den Tierschutz in Corona-Zeiten

Ein Paradies für „Gnadentiere“: Auf „Charlys Ranch“ in Frielick ermöglichen Myriam Dahlmann (Fotos) und ihre Kollegin Kristina Bee Tieren eine zweite Chance, die zuvor für Tierversuche herhalten mussten, wie diese Schafe.
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Ein Paradies für „Gnadentiere“: Auf „Charlys Ranch“ in Frielick ermöglichen Myriam Dahlmann (siehe Foto) und ihre Kollegin Kristina Bee Tieren eine zweite Chance, die zuvor für Tierversuche herhalten mussten, wie diese Schafe.

Hühner, Schafe, Ponys und andere alte, kranke oder verwaiste Tiere können in Frielick ein neues Zuhause finden. Dort betreiben Eva Kristina Bee und Myriam Dahlmann „Charly’s Ranch“, einen Gnadenhof für Tiere.

Frielick – Im Interview mit Pauline Sickmann blickt Myriam Dahlmann auf ein finanziell schwieriges Jahr zurück – und erklärt, was jeder einzelne für den Tierschutz tun kann.

Wie viele Tiere leben aktuell bei Ihnen und wie sieht der Alltag auf „Charly’s Ranch“ aus?

Aktuell haben wir knapp 60 Tiere, davon sind ungefähr 20 Hühner. Hauptberuflich gehen wir unserer normalen Arbeit nach, „Charly’s Ranch“ ist unser „Nebenjob“. Der umfasst hauptsächlich Tätigkeiten wie das Sauberhalten der Häuser, Ställe, Wiesen und Sandplätze und das Füttern. Die andere Zeit investieren wir in Tierarztbesuche, denn unsere Tierärzte sind nicht nur in Hamm ansässig, sondern auch verteilt auf den Kreis Warendorf.

Schaffen Sie das alles allein?

Wir haben das große Glück, dass mein Mann uns bei manchen Arbeiten unterstützen kann. Ansonsten managen Kristina Bee und ich das alleine. Bei ehrenamtlichen Helfern ist es oft schwierig, Leute zu finden, die wirklich zuverlässig sind.

Wenn Sie zurückblicken auf das vergangene Jahr: Hatte die Pandemie Auswirkungen auf Ihre Arbeit?

Ja, definitiv. Wir haben ganz viele Mitteilungen bekommen von Leuten, die Patenschaften hatten, und diese nicht fortführen konnten, weil sie in die Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit gerutscht sind. Für uns bedeuten die Patenschaften eine große Unterstützung. Wenn sie wegbrechen, sind wir diejenigen, die für die Kosten einstehen müssen.

Das heißt, „Charly’s Ranch“ war in finanziellen Schwierigkeiten?

Aufgrund unserer eigenen Jobs ging es natürlich, weil wir nur eine begrenzte Anzahl an Tieren haben. Wir haben aber viele Nachrichten von Leuten bekommen, die zum Beispiel Pferde haben und nicht mehr für deren Unterhalt aufkommen konnten. Aber natürlich können wir keine neuen Tiere aufnehmen, wenn die finanziellen Kapazitäten dafür nicht mehr gegeben sind. Auch ohne Spenden wollen wir den Tieren auf „Charly’s Ranch“ eine top Versorgung bieten.

Wurde der Tierschutz im vergangenen Jahr von der Corona-Pandemie überschattet?

Ja, das würde ich schon sagen. Beim Tierschutz spielt auch das Finanzielle eine Rolle. Viele Leute haben Hunde oder Katzen. Und wenn die in einem Alter sind, wo sie regelmäßige Medikation brauchen, dann sagen sich die Leute: „Ich muss das Tier leider abgeben, weil ich mir das nicht mehr leisten kann.“ Da war auch Corona ein Faktor, zumindest ist das unser Gefühl, weil die Anfragen an uns im Jahr 2020 gestiegen sind.

Ein Paradies für „Gnadentiere“: Auf „Charlys Ranch“ in Frielick ermöglichen Myriam Dahlmann (siehe Foto) und ihre Kollegin Kristina Bee Tieren eine zweite Chance.

Was kann denn jeder Einzelne für den Tierschutz tun?

Grundsätzlich sollte man sich überlegen: „Bin ich auch in der Lage, ein Tier zu versorgen, wenn es finanziell etwas enger wird?“ Das ist der erste Punkt. Und der zweite ist: „Bin ich zeitlich so flexibel, dass ich dem Tier gerecht werden kann?“ Das sind die zwei wesentlichen Dinge, über die sich ein zukünftiger Tierhalter Gedanken machen sollte.

Eine Alternative ist sonst vielleicht, einen Hund über eine Organisation auszuführen.

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr für „Charly’s Ranch“?

Wir wünschen uns, dass die Gesundheit unserer Tiere sich so einpendelt, dass sie noch lange leben. Das ist eigentlich unser größter Wunsch, da wir einige Tiere haben, die alt und krank sind.

Das ist Charly

Namensgeber des Gnadenhofes ist ein Pony. Auf dem Weg zur Arbeit sah Myriam Dahlmann das abgemagerte und kranke Tier regelmäßig – und übernahm es 2014 kurzerhand von seinen Vorbesitzern. Als Kristina Bee und Myriam Dahlmann drei Jahre später beschlossen, ihre beiden Höfe zu einem Gnadenhof zusammenzuschließen, war ihnen schnell klar, dass Charly der Namensgeber für das gemeinnützige Projekt sein soll.

Wer „Charly’s Ranch“ unterstützen möchte, kann dies mithilfe von Futter-, Sach- und Geldspenden tun. Spenden an das Konto des Vereins (DE61 4416 0014 6553 5671 00) oder per Paypal können gezielt für ein Tier eingereicht werden. Dies einfach im Verwendungszweck angeben. Auch dauerhafte Patenschaften sind möglich. Mehr Informationen zu „Charly’s Ranch“ und den dort lebenden Tieren gibt es hier auf der Ranch-Homepage.

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