Zahlen für Kinder unter zwei Jahren

Wenig Fremdbetreuung: Ein Viertel der Hammer Kinder geht in die Kita

Kita
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In Hamm besuchen 26 Prozent der Kinder unter zwei Jahren und knapp 90 Prozent der Kinder zwischen drei und fünf Jahren eine Kita.

Die Betreuungsquote für Kinder unter zwei Jahren ist in Hamm vergleichsweise niedrig. Während bundesweit 28,8 Prozent der Kinder unter zwei Jahren in einer Kita oder bei Tageseltern betreut werden, sind es in Hamm nur 26 Prozent. Auch in den meisten umliegenden Städten und Kreisen liegt die Quote höher.

Hamm – In Hamm verbringen 26 Prozent aller unter Zweijährigen nach den aktuellen Daten des Regionalatlas Deutschland den Tag in Kindertagesstätten oder haben Tagesmütter, zuweilen auch Tagesväter. Das heißt, in Hamm hat sich der Trend zur frühen Betreuung im Vergleich zum Vorjahr fortgesetzt. Denn damals waren es 24,1 Prozent.

Zum Vergleich: Im Jahr 2007, als die Daten zum ersten Mal erhoben wurden, hatte die Zahl der unter Zweijährigen, die tagsüber betreut wurden, noch bei 6,2 Prozent gelegen.

Bundesweiter Vergleich: Hamm auf Platz 292 von 393

Machen wir aus der Quote eine „Bundesliga der Krippen- und Tagesmütterunterbringung“, reicht die Betreuungsquote von zusammen 26 Prozent in Hamm für Platz 292 unter 393 ausgewerteten Städten und Kreisen. Bei dieser Betrachtungsweise wäre das rein quotenmäßige Schlusslicht der Kreis Berchtesgadener Land in Bayern, wo jedes siebte Kleinkind (14,5 Prozent) fremdbetreut wird. In Hamm ist auch die Erwerbsquote von Frauen vergleichsweise niedrig.

Für Hamm gilt, dass heute rund 4,2-mal mehr Babys und Kleinkinder in der Krippe oder bei Tageseltern aufs Leben vorbereitet werden als 2007. Dabei betreuten nach den Daten, die die Statistischen Landesämter in den Regionalatlas einspeisen, im Jahr 2019 Tageseltern rund 6,3 Prozent der Kinder. In den Tageseinrichtungen waren rund 19,8 Prozent. Der Betreuungswert in Tageseinrichtungen liegt in Hamm damit unter dem Bundesdurchschnitt von 28,8 Prozent. Bei den Tageseltern sind die 6,3 Prozent mehr als der Bundeswert von 5,6 Prozent. Beide Werte zusammen, ergeben die lokale Betreuungsquote von 26,1 Prozent. Im Bund liegt diese bei 34,4 Prozent.

Betreuungsquote 0 bis 2 JahreBetreuungsquote 3 bis 5 Jahre
Hamm26,089,8
Kreis Warendorf30,495,3
Kreis Soest30,495,3
Kreis Unna27,792,2
Dortmund29,090,2
Münster36,197,6
Märkischer Kreis23,791,7

Bei der Frage, was besser ist, kommt es auf den Standpunkt der Betrachtenden an. Politisch und rechtlich ist die Lage klar: Seit dem 1. August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für Kinder zwischen einem und drei Jahren. In der Praxis heißt das aber nicht Kita nebenan. Eine Fahrtzeit zur Betreuungseinrichtung des Kindes bis zu 25 Minuten gilt Richtern als akzeptabel. Umgekehrt ist es nicht überall möglich, eine Kita in der Nähe des Arbeitsplatzes zu finden, wenn die Arbeitsstelle außerhalb des Wohnortes liegt. Deswegen machen große Betriebe oft eigene Kitas auf.

Wissenschaftlich ist die Lage unübersichtlich: Die Bertelsmann-Stiftung hat schon 2016 Schuleingangsuntersuchungen von knapp 5000 Kindern ausgewertet. Ergebnis: Bei denen, die unter drei Jahren in die Betreuung kamen, waren die Sprachkompetenz und das Zahlenverständnis besser. Fein- und Grobmotorik, sprich Beweglichkeit, ebenso. Und sie waren seltener übergewichtig. Andere Wissenschaftler schlagen sogar Brücken in die Vergangenheit: Kitas seien vergleichbar mit den Großfamilien und der Dorfgemeinschaft, wie sie es früher gab. Zusammensein mit anderen Kindern und Erwachsenen, auch mit Kindern, die aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen kommen, fördere die gesunde Entwicklung.

Kritisch wird in diesem Zusammenhang, insbesondere auch von der Bertelsmann-Stiftung, betrachtet, wenn es in der Kita drunter und drüber geht, beispielsweise, wenn das Personal dauernd wechselt oder zu gering ist. Deswegen dröselt die Stiftung das Thema in einem speziellen Internetangebot bis ins lokale Detail auf, denn: „Das Angebot und die Qualität der Kindertagesbetreuung unterscheiden sich in Deutschland stark je nach Wohnort eines Kindes und seiner Familie. In einigen Bundesländern sind Fachkräfte in Kitas für doppelt so viele Kinder verantwortlich wie in anderen. Aber auch innerhalb der Bundesländer erfahren Kinder je nach Region sehr unterschiedliche Kita-Qualität.“ In Nordrhein-Westfalen gebe es demnach viele Kitas mit zu wenig Personal und zu großen Gruppen.

Quellen

www.bertelsmann-stiftung.de

https://www-genesis.destatis.de

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