Früherer Unteroffizier legt nun doch Geständnis ab

„Was ich anlecke, ist meins“: Wende in Misshandlungs-Prozess

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Der ehemalige Unteroffizier der Bundeswehr, der in der Ahlener Westfalen-Kaserne wirkte, wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Hamm/Ahlen/Münster – „Unteroffizier der Bundeswehr misshandelt Untergebene“: Diese Schlagzeile aus der Ahlener Westfalenkaserne schlug in den Jahren 2016 und 2017 hohe Wellen. Nun gibt es die amtliche Bestätigung der Vorwürfe.

Großes Aufsehen erregte der Beginn des Prozesses am Ahlener Amtsgericht vor anderthalb Jahren, weil das Verteidigungsministerium damals mit etlichen kriminellen Machenschaften von Soldaten zu kämpfen hatte. Die Straftaten des Gruppenführers in der Westfalenkaserne reihten sich da ein: Körperverletzung, Nötigung, Misshandlungen und entwürdigende Behandlung von Untergebenen sowie Missbrauch der Befehlsbefugnis.

Nach zweitägiger Verhandlung mit einer großen Anzahl von Zeugen verhängte das Schöffengericht am 3. Juli 2017 eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten und eine Geldauflage von 2000 Euro. Das Urteil war in diesem Ausmaß überraschend, weil selbst der Staatsanwalt nur eine Geldstrafe von 7200 Euro beantragt hatte.

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Frau als „Zuggeschenk“ gewünscht

Alles spielte sich während der Abschlussfeier des 1. Zuges einer Ausbildungskompanie ab, die in der Nacht vom 23. auf den 24. November 2016 im Vereinsheim der DJK Vorwärts Ahlen stattfand. An der Feier nahm eine junge Soldatin teil, die sich der Angeklagte als „Zuggeschenk“ gewünscht hatte. Dieser Frau leckte der Angeklagte über die Wange und sagte: „Was ich anlecke, ist meins.“

Einem anderen Untergebenen boxte er in die Genitalien. Ein dritter Rekrut musste vor ihm auf Knien über den Boden rutschen.

Mildes Urteil dank Geständnis

Vorgesetzte des Feldwebels hörten von den Vorfällen und brachten sie vor Gericht. Das empörte den Verteidiger des Unteroffiziers. In der Verhandlung am Schöffengericht wies er alle Vorwürfe zurück. Sein Mandant sagte gar nichts. Gegen das Ahlener Urteil legte der Soldat Berufung ein. Deshalb wurde der Fall nun am Landgericht Münster neu aufgerollt.

Diesmal, vor der 13. Große Strafkammer, brach der Angeklagte sein Schweigen, vollführte eine zackige Kehrtwende und legte ein Geständnis ab. Außerdem zeigte er Reue, was die Strafkammer zu einem milden Urteil bewog. Zwar verwarf das Gericht die Berufung des Feldwebels.

4500 Euro Geldstrafe

Aber die Freiheitsstrafe aus der Vorinstanz wandelte die Kammer jetzt in eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 50 Euro ab (also 4500 Euro). Das sind immerhin 30 Tagessätze weniger als im Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Bundeswehr gehört der Unteroffizier schon länger nicht mehr an.

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