Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet

Weltkulturerbe in Hamm? Die Stadt ist mit sechs Objekten in der „Verlosung“

Luftbild, Hammer Hafen, Datteln-Hamm-Kanal. Fluss Lippe, Brökelmann + Co., Ölmühle und Verwaltungs-GmbH, Brölio,Radbodstraße, Hafenstraße, Bockum-Hövel, Hamm, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
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Kandidat für das Weltkulturerbe: Der Datteln-Hamm-Kanal steht auf der Liste der Vorschläge.

Der Kölner Dom, die Altstadt Bamberg – und nun Hamm? Mit sechs Objekten kann die Lippestadt Teil des Unesco-Weltkulturerbes werden.

Hamm – „Der Einsatz industrieller Technologien und Infrastrukturen steht beispielhaft für die Weltengemeinschaft“, heißt es in dem Beschlussentwurf der Verwaltung, der am 14. Dezember im Hauptausschuss zur Diskussion steht. Und in der dazugehörigen Broschüre der Industriedenkmal-Stiftung wird präzisiert: „Die Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die einschneidende Epoche der großmaßstäblichen Schwerindustrie in Kontinentaleuropa zwischen den 1850er und 1950er Jahren.“ Genau daran haben Objekte in Hamm ihren Anteil.

Bei der Auswahl der Standorte handelt es sich um einen langwierigen Prozess, der bereits im Jahr 2011 begonnen hat. Seitdem hat die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur die Projektleitung übernommen und die „Erklärung zum Außergewöhnlichen universellen Wert“ erarbeitet, die als Leitbild für die Antragstellung bei der Unesco erforderlich ist. Erst jetzt ist laut Beschlussvorlage ein Status erreicht, der es möglich mache, dass das Land NRW den Antrag im kommenden Jahr stellt. Das werde die Landesregierung aber nur tun, wenn alle betroffenen Gemeinden im Welterbeantrag ihr Interesse verbindlich bekunden.

Weltkulturerbe in Hamm? Bergbau hat die Stadt stark geprägt

Speziell für Hamm gilt hinsichtlich des Antrags, dass die Entwicklung der Stadt untrennbar mit dem Bergbau verbunden ist. „Er hat die Stadt stark geprägt und ist auch heute noch im siedlungskulturellen sowie im landschaftsprägenden Sinne überall sichtbar.“ Das gelte auch für die Auswirkungen der Transportwege Schiene und Wasser. Das Welterbe-Komitee der Unesco hat insgesamt zehn Kriterien aufgestellt, nach denen entschieden wird, ob „ein Gut als von außergewöhnlichem universellem Wert“ eingestuft werden kann. Eines oder möglichst mehrere Kriterien treffen laut Stiftung auf die Vorschläge für Hamm zu.

Die Objekte sollen...

  • für einen Zeitraum einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Entwicklung der Architektur oder Technik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen,
  • ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen,
  • ein hervorragendes Beispiel einer überlieferten menschlichen Siedlungsform oder Bodennutzung darstellen, die für eine Kultur typisch ist, oder für die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt - insbesondere, wenn diese unter dem Druck unaufhaltsamen Wandels vom Untergang bedroht wird.

Weltkulturerbe in Hamm? Chancen für touristische Aufwertung

Keines der vorgeschlagenen Objekte befindet sich im Eigentum der Stadt Hamm. Die Eigentümer werden von der Stiftung gesondert angesprochen und um Zustimmung gebeten. Im Fall der Zeche Radbod ist die Stiftung gleichzeitig Eigentümerin. Ob noch weitere Orte in Hamm – zum Beispiel die ehemalige Zeche Heinrich Robert oder eine herausragende Arbeitersiedlung – in die Vorschlagsliste aufgenommen werden können, wird laut Verwaltung zurzeit geprüft.

Ebenfalls auf der Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe: die zwei alten Fördertürme der Zeche Radbod.

Teil des Weltkulturerbes zu werden, bietet laut Verwaltung enormes Potenzial: Neben dem Zugang zu überregionalen Fördermöglichkeiten und Kooperationen sorge das für eine touristische Aufwertung und fördere die innerstädtische Identität. Allerdings gebe es auch die Pflicht, den Schutz der eingetragenen Objekte bei allen öffentlichen Planungen und Maßnahmen „angemessen zu berücksichtigen“: Pufferzonen und Sichtachsen müssten bleiben.

Mit einer Entscheidung der Unesco ist nicht vor 2025 zu rechnen.

Weltkulturerbe in Hamm? Diese Orte stehen auf der Vorschlagliste

  • Kategorie Flüsse: Verlauf der Lippe und Mündung der Seseke
  • Kategorie Flüsse: Wasserverteilungsanlage (Pumpwerk) Datteln-Hamm-Kanal
  • Kategorie „Steinkohlebergbau“: Zeche Radbod, Schacht 1 und 2 (Fördergerüste und Maschinenhäuser)
  • Kategorie Transport: Köln-Mindener Eisenbahn (Hauptlinie) Hamm – Duisburg
  • Kategorie Transport: Hamm-Osterfelder Bahnlinie
  • Kategorie Kanäle: Datteln-Hamm-Kanal

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