Sie verrät ihr Geheimnis für das hohe Alter

Weltkrieg bis Whatsapp: Jenny Michel feiert ihren 100. Geburtstag 

+
Jenny Michel ist 100 Jahre alt - und war immer jemand, der selbst anpackte. Und das gilt noch heute: Wenn sie ein Problem hat, googelt sie. Wenn sie Kontakt zu anderen Menschen wünscht, schreibt sie eine Whatsapp. (Um das ganze Motiv zu sehen, auf das Symbol oben rechts klicken).

Hamm - Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde kaum jemand 100 Jahre alt. Doch das ändert sich gerade. In Hamm sind schon 30 Menschen 100 Jahre oder älter. Wie lebt jemand in einem solch hohen Alter? Was bewegt ihn? Jenny Michel hat es uns erzählt. Sie feiert am Samstag (28. Juni) ihren 100. Geburtstag.

Die Sonne scheint in den kleinen Wintergarten – auf Jenny Michels Gesicht. Die Dame ist gestylt: geschminkt, frisiert und schick angezogen. Sie legt Wert auf ihr Äußeres. Vor ihr liegt ihr Handy – ein weißes I-Phone mit trendiger Hülle

Wenn man Jenny Michel sieht und sich mit ihr unterhält, würde man nicht denken, dass sie einen Weltkrieg, die Entstehung des deutschen Grundgesetzes sowie den Bau und Fall der Berliner Mauer miterlebt hat. Sie wird am 29. Juni 100 Jahre alt – und ist erstaunlich fit für ihr Alter.

Wie der Spiegel berichtet, werden die Menschen in Deutschland immer älter. 1980 gab es bundesweit nur 975 Menschen, die 100 Jahre oder älter waren. 2017 waren es schon 14.194. In 20 Jahren könnten es 140.000 sein. So lauten die Prognosen.

In Hamm leben heute bereits 30 Menschen, die 100 Jahre oder älter sind. 31 sind es jetzt, wo Jenny Michel ihren Geburtstag feiert. 

Hundert Jahre alt - mit kindlichem Gemüt 

Sie fühlt sich jünger: „Ich habe ein kindliches Gemüt, innerlich bin ich ganz anders – jünger“, sagt sie und lacht. Auffällig ist, dass von den Hundertjährigen 23 – bald 24 – Frauen sind und nur sieben Männer.

Michel kommt gut zurecht. Wenn sie ein Problem hat, googelt sie. Wenn sie Kontakt zu anderen Menschen wünscht, schreibt sie eine Whatsapp, so hält sie Kontakt zu ihrem Sohn, der in Japan lebt, oder ihrem Neffen, der sie manchmal besucht. Sie findet es selbstverständlich, mit der Zeit zu gehen.

Michel schmiss 25 Jahre lang die Gaststätte "Schwarze Katze"

Selbst anpacken – das hat Michel schon immer gemacht. Sie habe stets viel geleistet. Ob das in der Ausbildung war oder in der Gaststätte „Schwarze Katze“, die sie 25 Jahre lang alleine geleitet hat. Daraus schöpfe sie Selbstbewusstsein.

Allerdings kann sie inzwischen nicht mehr alles selbst bewältigen: Die Knochen werden schwer, das Gedächtnis funktioniert nicht mehr wie gewohnt. Das Altern hat seine Tücken – auch für Frau Michel. Sie sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl, kann nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr gehen.

Dass sie nicht mehr komplett selbstständig ist, ärgert sie: „Früher habe ich alles selbst gemacht. Dass ich das nicht mehr kann, beschäftigt mich sehr.“

"Ich bin am Leben, ich bin zufrieden... Es gibt Schlimmeres"

Eine weitere Bürde, die Menschen in Frau Michels Alter oft mit sich tragen: kaum Kontakt zu Gleichaltrigen. „Es gibt niemanden mehr, von dem ich lernen kann“, sagt Michel. Dabei hat sie immer viel und gerne gelernt: „Wissen ist Macht. Wenn ich nochmal geboren würde, würde ich nur noch lernen.“

Trotz der Einschränkungen freut sich Jenny Michel über ihr Alter: „Ich bin am Leben, ich bin zufrieden ... Es gibt Schlimmeres.“ Noch könne sie ihrer Leidenschaft, der Musik, nachgehen und Klavier spielen

Michels Geheimnis für das hohe Alter

Ihr Geheimnis, warum sie die 100 Jahre erreicht hat: „Ich war da nicht so besessen drauf.“ 

Für ihre weiteren Lebensjahre wünscht sie sich Gesundheit, wenig Schmerzen, und dass es denjenigen, die sie umsorgen, auch gut gehe. Vielleicht wird sie ja so alt wie der aktuell älteste Hammer: Er ist 109 Jahre alt.

Unsere Redaktion gratuliert ganz herzlich zum Geburtstag und wünscht alles Gute!

Zum Schluss noch ein Blick nach Italien...

In der italienischen Provinz Cilento liegt das Fischerdorf Acciaroli. Hier sind 300 Einwohner über 100 Jahre alt. Aufgrund der hohen Dichte der Zentenaren in dem Dorf und der seltenen Leiden an alterstypischen Krankheiten wie Alzheimer oder Schlaganfällen untersuchten Forscher der University of California, San Diego School of Medicine. Die Forscher vermuten mehrere Gründe für die Langlebigkeit der Menschen im Dorf: Es könnte an der mediterranen Ernährung liegen oder daran, dass die Bewohner auch im hohen Alter noch sportlich aktiv sind. 

Lesen Sie auch: 

Sommer-Feeling am Förderturm: Alles zur ExtraSchicht am Samstag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare