Weltenbummler aus Hamm

Auszeit auf hoher See: Antonia, Max und Daniel segeln seit sieben Monaten über den Ozean

Auszeit auf Hoher See: Antonia Gerhards aus Hamm, Daniel Gächter und Max Gerhards haben ihre Jobs gekündigt und segeln seit sieben Monaten auf ihrem Segelboot „Por Que No“ über den Ozean.
+
Auszeit auf Hoher See: Antonia Gerhards (v. l.), Daniel Gächter und Max Gerhards haben ihre Jobs gekündigt und segeln seit sieben Monaten über den Ozean.

Antonia Gerhards aus Hamm hat im vergangenen Jahr ihren Job gekündigt, und sich gemeinsam mit ihrem Bruder Max und ihrem Freund Daniel Gächter ein Segelboot gekauft. Seit sieben Monaten sind sie mit der „Por Que No“ unterwegs.

Hamm – Aktuell sind sie auf dem Weg zu den ABC Inseln (Arruba, Bonair und Curacao), um dort der Hurrikane-Saison zu entgehen. WA-Redakteurin Svenja Jesse hat mit Antonia über das Abenteuer gesprochen.

Wie kamt ihr auf die Idee, eure Jobs zu kündigen und um die Welt zu segeln?
Es fing an mit einer WhatsApp-Nachricht. Max hat mir geschrieben: ,Habt ihr Lust, mit mir um die Welt zu segeln?’ Daniel und ich saßen da gerade im Urlaub am Strand. Dann haben wir uns angeguckt und gedacht: ,warum eigentlich nicht’ und dann haben wir angefangen zu planen.
Hattet ihr schon Segelerfahrung, oder musstet ihr alles neu lernen?
Wir haben den Segelschein schon gemacht und sind mit der Familie schon ein paar mal auf dem offenen Meer gesegelt. Aber das war mehr so in Griechenland. Wir haben uns dann vorbereitet und den Hochseeschein in der Schweiz gemacht. Es ist ganz anders, wenn man auf seinem eigenen Boot losfährt. Vor allem, weil immer mal was kaputtgeht und Reparaturen haben wir vorher noch nie gemacht. Es ist auch völlig anders als Segelurlaub, wo man so von Badebucht zu Badebucht fährt. Anstatt wirklich 24 Stunden auf dem Boot zu leben und zum Teil tage- oder sogar wochenlang kein Land sieht.
Hattet ihr Sorge, dass ihr in einen Sturm kommen könntet?
Wir haben ein Satelliten-Telefon, damit wir überall egal, ob in Landnähe oder nicht, die Wetterdaten abrufen können. Das Boot ist aber auch vorbereitet, falls wir mal in einen Sturm kommen sollten. Wenn man einmal losgesegelt ist, kann man nicht mehr so einfach zurücksegeln. Wir haben noch Sturmsegel an Bord. Und das Boot ist sehr solide gebaut und sehr schwer, also wenn mal mehr Wellengang ist, ist das gar nicht so unangenehm. Wir haben auch Notfallequipment dabei. Bei der Atlantiküberquerung war das aber gar kein Problem, eher im Gegenteil. Wir waren 28 Tage unterwegs. Wir hatten gar keinen Wind, wir sind bei Flaute über den Ozean gedümpelt.
Bei der Atlantiküberquerung waren Antonia, Max und Daniel 28 Tage unterwegs.
Inwieweit hat Corona eure Reisepläne verändert oder eingeschränkt?
Wir haben die Reise vor Corona geplant, das heißt, wir hatten das Boot schon, bevor der Lockdown in Europa losging. Wir konnten auch nicht zum Boot, denn wir hatten es in England gekauft und wollten es noch umbauen und kamen einfach nicht dahin. Dann haben wir drei Monate an dem Boot gearbeitet, während wir darauf gelebt haben. Dann sind wir los nach Frankreich über den Ärmelkanal. Da wars ganz schlimm, da durften wir das Boot nicht verlassen. Nur eine Stunde am Tag und man musste sich vorher anmelden. Es gab Momente, wo wir gesagt haben, das würden wir gerne ohne Corona erleben. Aber seitdem hatten wir wenig Einschränkungen. Was uns sehr auf der Tasche liegt, sind die ganzen Tests, die wir machen müssen, um in ein neues Land zu reisen. Das war so nicht eingeplant. Aber wir mussten nicht viel in Quarantäne und wurden hier auch sofort geimpft. Das war super einfach zu bekommen. Wir hoffen aber, dass sich die Reisebeschränkungen lockern und uns bald auch wieder Leute besuchen können.
Wie war denn der Abschied?
Es ist ein komisches Gefühl, sein Leben wie es war, auf Pause zu setzten oder zu verlassen und auf ein Abenteuer zu gehen, wo man überhaupt nicht weiß, was auf einen zukommt. Wir haben unsere Sachen in einen Van gepackt und bei unseren Eltern im Keller zwischengelagert. Natürlich war es auch ein komisches Gefühl zu wissen, dass man Weihnachten und Geburtstage nicht zusammen feiern kann, weil wir irgendwo auf dem Atlantik rumschippern. Wir wissen, wir können es nicht für immer machen. Das ist erstmal nur für ein paar Jahre. Es sei denn, wir finden eine Möglichkeit uns zu finanzieren.
Ihr habt da auch schon einiges erlebt, was war die krasseste Erfahrung bisher?
Die krasseste Erfahrung bis jetzt war die Atlantiküberquerung. Das ist etwas, das wir noch nie erlebt hatten. Wir mussten Essen aufstocken, wir wussten nicht, ob das Wasser reicht, wir wussten nicht, ob das Wetter umschlägt. Das war eine Erfahrung, die ist einmalig! Wir wollen auf jeden Fall noch einmal eine längere Überfahrt machen. Diese Einsamkeit auf dem Boot. Man ist auf den wenigen Quadratmetern irgendwie gefangen und hat nur den Ozean um sich herum. Das ist schon cool. Was uns überrascht hat, ist wie viele andere Leute das Gleiche machen. Inzwischen ist es hier leerer geworden, weil die Hurrikansaison angefangen hat, aber wir treffen immer noch in jeder Bucht Leute, die auch auf Langfahrt sind. Die eine ähnliche Reise machen, wie wir. Häufig mit Kindern. Man hat einfach diese Community hier, man trifft sich abends am Strand oder auf den Booten, wird eingeladen. Wir lernen viel mehr Leute kennen, als wir jetzt in der Stadt zuhause kennenlernen. Man hat immer ähnliche Erfahrungen und teilt witzige Segelgeschichten.
Zum Beispiel?
Ok, die ist nicht direkt witzig. Aber die letzten Freunde, die wir kennengelernt haben, haben gar keine Segelerfahrung und haben einen professionellen Skipper an Bord, der aber gerade durch eine Trennung gegangen ist und nicht immer ganz da war. Er hat immer ein bisschen getrauert und hat sich dann an einem Seil den Finger abgerissen. Dann musste der Besitzer nachts den Finger wieder annähen. Er hatte zum Glück vorher einen Nothelferkurs gemacht, wo man das lernt. Aber er meinte, er hatte dann auch Panik, dass er das nicht richtig macht. Es ist alles gut gegangen, der Finger ist wieder angewachsen und er kann ihn sogar wieder bewegen. Als wir da saßen und er das erzählt hat, waren wir trotzdem sehr froh, dass uns das nicht passiert ist.

Blog

Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse schreiben die Hammer in ihrem Blog und posten regelmäßige Updates auf Instagram.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare