Außergewöhnliche Situation

Der Hammer tankt mit Weitsicht: 75 Prozent der Heizöl-Nutzer sind versorgt

Der Heizöl-Preis ist ungewöhnlich niedrig.
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Der Heizöl-Preis ist ungewöhnlich niedrig.

Der Heizölnutzer – das unbekannte Wesen. In Hamm ist laut Stadtverwaltung statistisch nicht erfasst, wie viele Eigenheime noch mit Öl beheizt werden.

VON MICHAEL IMBERG

Hamm – Auch die Lieferanten mögen sich in Sachen Größe der Kundschaft nicht zu stark in die Karten schauen lassen. Dass die privaten Heizölkunden aber preisbewusst den Markt verfolgen, das bringt Tim vor dem Gentschenfelde auf den Punkt: „75 Prozent der Ölheizungsbesitzer haben in diesem Jahr schon ihre Tanks gefüllt.“

Der Geschäftsführer der Schmidt Energiehandels GmbH aus Ascheberg-Herbern kann dabei auch für die Firma Vöge sprechen, denn seit Februar 2019 ist das bekannte Hammer Unternehmen Zweigstelle der Firma Schmidt, die viele Bereiche westlich und nordöstlich von Hamm beliefert, während die graublauen Tanklaster von Vöge in Hamm und südlich davon unterwegs sind.

Ölpreis war auf Tiefstand

Die Corona-Pandemie spielt für das Heizölgeschäft eher eine Nebenrolle. Denn der Ölpreis war schon zum Jahresanfang auf einem Tiefstand – wobei dann zusätzlich der durch Corona bedingte Wegfall des Flugverkehrs eine Rolle spielte. „Viel von dem Kerosin, das da nicht gebraucht wurde, ist in Diesel- und Heizölproduktion geflossen“, so vor dem Gentschenfelde. Er sei seit 1998 im Geschäft und habe eine derartige Situation noch nicht erlebt. Das Gegenteil ist ihm noch gut in Erinnerung – dass nämlich vor zwei Jahren die niedrigen Pegelstände der Wasserstraßen zu einer Verknappung von Öl – gerade auch für Tankstellen – führte.

Mehr Abnehmer spart Geld

Der derzeitige Literpreis fürs Heizöl liegt bei 36 bis 42 Cent – wobei auch die Abnahmemenge eine Rolle spielt. Der Öllieferant bestätigt da auch einen Tipp der Verbraucherzentrale NRW, nämlich dass man durch einen Zusammenschluss mit mehreren Abnehmern mit günstigeren Preisen rechnen kann.

Die genannten 75 Prozent sieht der Geschäftsführer im Vergleich zu Daten der Vorjahre. Nach seiner Einschätzung haben viele Heizungsbesitzer den Ölkauf wegen der günstigen Preise im Frühjahr schon getätigt und nicht wie sonst üblich bis Herbst gewartet.

Blick in die Zukunft

Voraussagen sind derzeit schwer zu tätigen – aber bei einer Erholung des Marktes rechnet der Experte mit einem Preisniveau um 40 bis 50 Cent pro Liter, aber: „Preise um 70 bis 80 Prozent wie in den Vorjahren wird es eher nicht mehr geben.“ Das liege daran, dass derzeit nicht nur weltweit große Ölreserven vorhanden seien, sondern auch die US-Amerikaner ihre Produktion durch Fracking erfolgreich vorantrieben.

Dass die Senkung der Mehrwertsteuer dafür sorgt, dass Hausbesitzer ihre Ölbestellung verschieben, glaubt vor dem Gentschenfelde nicht: „Bei 1000 Litern sind das ja gerade mal 30 Euro.“ Die könnten selbst bei einem moderaten Anstieg der Preise schnell aufgefressen werden.

Modernisierung von Ölheizungen sinnvoll

Was der Energiehändler bedauert, ist, dass die Politik in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt habe, dass das Heizen mit Öl bald verboten sei. Das sei nicht so – aber eine Modernisierung alter Ölheizungen in Sachen Effizienz und Nachhaltigkeit sei möglich und sinnvoll – gerade in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen könne das vielversprechend sein.

Zurzeit arbeiten die Unternehmen Schmidt und Vöge den Berg der Bestellungen ab, die sich im Frühjahr ergeben hatten. Tim vor dem Gentschenfelde: „An einem normalen Arbeitstag können wir bis zu 150.000 Liter ausliefern.“ Dazu stehen vier Tankwagen und eine Zugmaschine mit Anhänger zu Verfügung.

Im Herbst könnte es teurer werden

Laut Internet-Vergleichsportalen ist es auch klug, vor dem Herbst zu ordern, weil dann mit Einführung der CO2-Abgabe eine Verteuerung des Heizöls anstehe.

Übrigens: Die Heizölfirmen kaufen im Endeffekt für die Kunden ein – gerne auch preiswert. Ihr Kerngeschäft ist dabei, den Brennstoff vom Tanklager zum Endkunden zu liefern.

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