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Weiteres Traditionsgeschäft vor dem Aus: Caldewey-Moden schließt

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Alles muss raus, nach fast vier Jahrzehnten ist Schluss: Bei Caldewey-Moden auf dem Daberg läuft seit dieser Woche der Räumungsverkauf.
Alles muss raus, nach fast vier Jahrzehnten ist Schluss: Bei Caldewey-Moden auf dem Daberg läuft seit dieser Woche der Räumungsverkauf. © Bartmann

Fast 40 Jahre nach dem Start schließt Petra Caldewey ihr Modegeschäft auf dem Daberg. Einer der Gründe: Corona.

Daberg – Eine weitere Hammer Institution wird bald aus dem Ortsbild verschwinden, diesmal auf dem Daberg. Anfang 2023 schließt das Geschäft Caldewey-Moden seine Pforten für immer. Der Laden war bei seiner Eröffnung 1984 das erste Geschäft in Hamm, das Damenmode in großen Größen anbot.

Der Entschluss zur Aufgabe des Ladens fiel Geschäftsführerin Petra Caldewey alles andere als leicht. „Wir haben lange darüber nachgedacht und jetzt im Herbst den endgültigen Entschluss gefasst“, sagt sie. Der Laden rentiere sich inzwischen einfach nicht mehr. Daran schuld sei auch ein Stück weit die Corona-Pandemie.

Caldewey-Moden schließt: Konkurrenz, Corona und der Krieg

„Unsere Stammkunden haben uns auch während der Pandemie gut unterstützt. Aber irgendwann ist jeder ausgestattet. Als dann das Homeoffice kam, hat unser Umsatz wirklich gelitten.“ Dann kam der Krieg in der Ukraine. „Normalerweise ist der März unser stärkster Monat. Aber in diesem Jahr waren die Leute wie gelähmt“, blickt sie zurück. „Jetzt steigen die Preise wieder an und keiner weiß, wie es weiter geht. Deshalb ist der Moment gekommen, um noch heil und schuldenfrei hier herauszukommen.“ Auch die Mentalität habe sich verändert. „Viele jüngere Kunden kaufen inzwischen lieber online, als in den Laden zu kommen“, bedauert Caldewey.

Im November 1976 als Quelle-Agentur am gleichen Standort eröffnet, entwickelte sich das Geschäft von Waltraud Caldewey schon bald zu einem beliebten Anlaufpunkt für ihre Kundschaft. Nach der Neueröffnung 1984 spezialisierte sich die Verkäuferin auf das Angebot großer Größen in ihrem Sortiment und war damit bisher einzigartig in Hamm.

Die allererste Zeitungsanzeige: Vor fast 40 Jahren hat Caldewey-Moden auf dem Daberg eröffnet.
Die allererste Zeitungsanzeige: Vor fast 40 Jahren hat Caldewey-Moden auf dem Daberg eröffnet. © WA/Archiv

Die aktuelle Modeauswahl und Kollektionen präsentierte das Modehaus Caldewey jedes Jahr auf eigens organisierten Modenschauen, die immer viel Anklang fanden.

Das Ende einer Ära: Kunden bedauern Caldewey-Aus

Im Jahr 2005 übernahm Schwiegertochter Petra Caldewey die Leitung des Ladens. 2019 feierte Caldewey-Moden sein 35-Jähriges Bestehen und bekam in den Jahren 2017 bis 2022 zweimal die Auszeichnung „Echter Hammer Betrieb“.

Noch heute unterstützt Senior-Chefin Waltraud ihre Schwiegertochter an mehreren Tagen in der Woche. Mit Freude kümmert sich die rüstige Rentnerin um die Beratung ihrer Kunden. Für sie müsse nun eine neue Aufgabe gefunden werden, der sie sich widmen kann.

„Von außen sieht man noch nichts. Unsere Stammkunden wurden als erste über die Aufgabe informiert, damit sie von den Schnäppchenpreisen profitieren. Viele reagieren geschockt und traurig. Wir bekommen jeden Tag viele Anrufe von Leuten, die es gar nicht glauben können“, sagt Petra Caldewey gerührt. Die Kunden hätten jedoch auch Verständnis für ihre Entscheidung. Bereits am ersten Tag des Räumungsverkaufs kamen Stammkunden aus der ganzen Umgebung in den Laden und deckten sich mit Hosen, Shirts, Blusen und Abendgarderobe ein. Die persönliche Beratung und der Service seien von Anfang an das gewesen, was Caldewey-Moden ausmacht. „Viele Kunden kamen manchmal einfach zum Quatschen vorbei.“

Für die Kundinnen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr in der Lage waren, den Laden zu besuchen, bot Petra Caldewey sogar Hausbesuche an.

Positiver Blick in die Zukunft

Neben der Traurigkeit herrscht im Geschäft auch Erleichterung, dass der Entschluss steht. „Unsere Mitarbeiterinnen gehen in ihren wohlverdienten Ruhestand. Und ich mache mir keine Sorgen, dass ich etwas Neues finde“, sagt Petra Caldewey. „Ich bin von Herzen gerne Verkäuferin. Vielleicht bietet sich ja auch eine ganz andere Chance. Erstmal lasse ich alles auf mich zukommen.“

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass alle gesund bleiben und auf der Welt wieder ein bisschen mehr Ruhe und Frieden einkehrt. „Und vielleicht gibt es ja auch irgendwann eine Möglichkeit, den Handel in den Städten zu stärken, indem man lokal und online miteinander verbindet.“ Der Räumungsverkauf läuft so lange, bis auch das letzte Kleidungsstück verkauft ist. „Ich denke schon, dass wir noch bis Februar hier im Laden sind“, sagt Petra Caldewey.

Von Pia Bartmann

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