Ein Stück Tradition endet: Auch Metzgerei Kohlhase gibt auf

Karsten Schüpstuhl schließt die Traditions-Metzgerei an der Braamer Straße in Werries zum 16. Mai. Zu viele Auflagen und zu viel Bürokratie seien die Gründe für die Geschäftsaufgabe, sagte Schüpstuhl.
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Karsten Schüpstuhl schließt die Traditions-Metzgerei an der Braamer Straße in Werries zum 16. Mai. Zu viele Auflagen und zu viel Bürokratie seien die Gründe für die Geschäftsaufgabe, sagte Schüpstuhl.

Nur noch wenige Tage, dann schließt mit der „Landmetzgerei Kohlhase“ ein weiterer Traditionsbetrieb in Hamm.

Werries – Am 16. Mai wird – nach über 70 Jahren – das letzte Mal die Tür des handwerklichen Lebensmittelbetriebs zum Feierabend geschlossen. Der Grund liege weder in der Corona-Krise, noch in wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Vielmehr beugt sich der Inhaber und Metzgermeister Karsten Schüpstuhl der überbordenden Bürokratie und den Personalsorgen. Erst zum Jahreswechsel musste im Hammer Norden die Fleischerei Skrobek schließen.

„Ich habe ja im Grunde immer noch Spaß daran, aber mit zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften, bei denen sich auch eine Veränderung anbahnt, war ein Betrieb nicht mehr machbar“, so der Meister. Früher habe er sich stets auf sein Handwerk konzentrieren können, die Kunden waren zufrieden und die zwei Kontrollen im Jahr waren kein Problem. Doch das habe sich geändert: „Man ist nur noch hinterher, um für teures Geld die Qualität der eigenen Arbeit nachweisen zu müssen“, so Schüpstuhl.

Dabei habe er alle Formen von Kontrollen durchlaufen, seit er vor zehn Jahren den Geschäftsbetrieb von seinem Schwiegervater, Heinz Kohlhase, übernommen hat. „Ob Finanzamt oder Sozialversicherungsprüfung, Lebensmittelkontrolleure oder Kreisveterinär, alle waren schon da und hatten keinen Grund zu klagen“, so der Meister. Doch nicht nur der Familienbetrieb sei betroffen: Er sei nun rund 30 Jahre in der Branche und die Verwaltung und Kontrolle habe in der Branche Ausmaße angenommen, die gerade für kleinere Unternehmen nicht mehr darstellbar seien.

Kapitulation vor Verwaltungswust

Die Kontrolleure, Prüfer und weiteren Amtsmitarbeiter seien bei ihm und seinen Kollegen zwar wirklich freundlich und korrekt, aber der ganze Verwaltungswust nehme vollkommen überhand. Das halte von der eigentlichen Arbeit ab und verursache enorme Kosten. „Die Nachfrage ist groß und wir können uns nicht beschweren“, so Schüpstuhl. Doch rein räumlich seien für die Anzahl der Mitarbeiter in der Produktion Grenzen gesetzt und vor allem der Verkauf bereite ihm Sorgen: Um Entlastung zu bekommen, hatte er auch lange nach weiteren Mitarbeitern gesucht.

Sowohl in Voll- wie Teilzeit wäre jede kompetente Unterstützung interessant gewesen. Doch selbst bei den Teilzeitkräften habe sich das meist schnell aus familiären Gründen erledigt. Die Kundenzufriedenheit wie die Nachfrage seien nach wie vor hoch, doch im vergangenen November erfuhr er von einer weiteren Mitarbeiterin, dass diese beizeiten aufhören möchte.

Endlich wieder ein eigenes Leben

„Da ist dann der Entschluss gereift, das Geschäft am 30. Juni endgültig zu schließen“, sagt Schüpstuhl. Damit auch alle im Team ihren Resturlaub abfeiern können, wird schon ab dem 16. Mai geschlossen. „Wir danken all unseren Kunden und wie es ganz persönlich weitergeht, überlege ich derzeit noch“, sagt er. Die Wehmut steige schon, aber er und seine Frau müssten auch mal wieder ein eigenes Leben haben.

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