Weil der Präsident einer der ersten war

Impfneid bei Hammer Polizei - Auf den Fluren rumort es

Polizei Polizisten Hamm Wache Einsatz Symbolbild
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Im Hammer Polizeipräsidium rumort es. (Symbolbild)

Wenn der Chef vorangeht, ist das üblicherweise vorbildhaft und seiner Rolle angemessen. Dass in Hamm Polizeipräsident Erich Sievert allerdings als einer der ersten und bislang wenigen Vertreter der Polizei eine Corona-Impfung erhalten hat, stößt in der 400-Mann-Behörde offenbar auf großes Unverständnis.

Hamm – „Warum der Präsident und nicht die Kollegen, die täglich in vorderster Front im Einsatz sind?“, schildern Polizeibedienstete die Stimmung auf den Fluren in Hamm. Es sei erheblicher Druck auf dem Kessel und eine Impfneid-Debatte unter den Beamten entfacht. Polizeisprecher Hendrik Heine bestätigte dieses Stimmungsbild gegenüber dem WA nicht. Es gebe unter den jüngeren Kollegen durchaus auch solche, die das Vorgehen Sieverts gutheißen würden, sagte Heine. (News zum Coronavirus in Hamm)

Wie Heine weiter einräumte, hatte die Behördenleitung in Hamm tatsächlich im Alleingang festgelegt, wie überschüssiges Impfmaterial aus den Altenheimen oder dem Impfzentrum unter den Beamten zu verteilen sein sollte – wenn denn die Polizei als möglicher Abnehmer angesprochen würde. „Ad hoc“ habe Sievert eine Entscheidung treffen müssen, und sich für eine Zweiteilung der Belegschaft in Über 60-Jährige und Unter 60-Jährige entschieden. Zuerst sollten demnach die über 60-Jährigen geimpft werden. Der Personalrat oder die Gleichstellungsstelle seien nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen, erklärte Heine auf Nachfrage weiter.

Impf-Bilanz in Hamm

In den stationären Pflegeeinrichtungen wurden bislang 4200 Erst- und 3700 Zweitimpfungen bei Bewohnern und Mitarbeitern vorgenommen (Stand 15. Februar). In den Krankenhäusern wurden bis Montag 1850 Impfungen verabreicht, 750 Mitarbeiter haben auch die Folgeimpfung. Am Impfzentrum wurden bis Montag 1300 Impfen verabreicht. 

Sievert, selbst 65 Jahre alt, war demzufolge einer der ersten, die Ende Januar den Impfstoff erhielten. Weitere etwa 25 Beamte wurden seitdem ebenfalls geimpft. Das Problem an dem Verfahren: Über 60-jährige Polizisten sind nicht mehr auf der Straße im Einsatz, sondern „Schreibtischtäter“ mit wenig bis gar keinen Publikumskontakten. Während am Montag bei dem Großeinsatz zur Testung der bulgarischen Community die eingesetzten Polizisten zwar einen Corona-Vollschutz trugen, hatten sie aber keine Impfung erhalten.

Listen der Impfwilligen auf der Leitstelle

Dirk Schade, Personalratsvorsitzender der Hammer Polizei, wollte gegenüber unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben. „Das sind Interna. Dazu möchte ich mich nicht äußern“, sagte Schade am Donnerstag.

Mittlerweile hat auch ein kleiner Teil der im operativen Dienst tätigen Beamten eine Impfung erhalten. Das geschah immer dann, wenn die Impfungen besonders kurzfristig - also innerhalb von wenigen Stunden - zu verabreichen waren und ansonsten verfallen wären. Waren die über 60-Jährigen nicht erreichbar oder konnten sie nicht schnell genug zum Impfen erscheinen, wurden die Beamten aus dem Wach- und Wechseldienst gefragt. Entsprechende Listen mit den Namen der Impfwilligen aus Reihen der Polizei lägen auf der Leitstelle, sagte Heine. Die dort tätigen Beamten würden diese im Impf-Fall abtelefonieren.

Listen auch bei Leitung des Impfzentrums

Listen werden auch von der medizinischen Leitung des Impfzentrums Hamm geführt. Hier sind Personen aufgeführt, die laut den Bestimmungen des Landes NRW für eine Rest-Impfdosis infrage kommen. Die Liste wird ständig fortgeführt und beinhaltet auch noch Personen aus Pflegeheimen, die den Impftermin in ihrer Einrichtung aus unterschiedlichen Gründen nicht wahrnehmen konnten, erklärte die Stadt. Sollte diese Liste erschöpft sein, werde nach Landesvorgaben weiter priorisiert.

„Die Priorisierung innerhalb der Polizei ist Angelegenheit des Polizeipräsidenten, hier haben wir keine Kenntnisse“, so Stadtsprecher Tom Herberg. Die Priorisierung laufe landesweit nach der Kategorisierung, die das NRW-Gesundheitsministerium jeweils vorgibt. „Tagesaktuell entscheidet die Kommunale Koordinierungsstelle des Impfzentrums bestehend aus Stadt und ärztlichen Vertretern. Ein Überblick der Rest-Impfdosen ist jeweils erst zum Ende eines Tages gegeben.“

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