Weihnachtsgeschäft in Hamm: Händler hoffen auf Januar

Ein Passant geht durch die leere Weststraße in Hamm.
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Die Weststraße in Hamm: So leer war sie kurz vor Weihnachten wohl schon lange nicht mehr.

Hamm – Der Hammer Einzelhandel hat eine gemischte Bilanz des Weihnachtsgeschäftes gezogen. Trotz der Corona-bedingten Einschränkungen und des plötzlichen Lockdowns zeigten sich mehrere Händler durchaus zufrieden. Andere, vor allem aus dem Textilbereich, hoffen auf den 11. Januar. Dann soll der Lockdown enden – für Modegeschäfte eine Möglichkeit doch noch Winterware zu verkaufen.

Im Allee-Center waren kurz vor dem Lockdown mehr Besucher als in den vorherigen Tagen unterwegs gewesen, sagte Center-Managerin Cornelia Ludlei. Die erlaubte Besucherzahl habe man dabei immer eingehalten. In jedem Fall seien weniger als im Vorjahr gewesen. Das gesamte Jahr bezeichnete sie als ungewöhnich und unvorhersehbar.

Nach dem Frühjahrs-Lockdown hätten sich die Umsätze im Handel im Sommer erholt, die Besucherzahlen seien in Teilen sogar wieder auf Normalniveau gestiegen, so Ludlei. Mit den steigenden Inzidenzzahlen sei es dann auch zu deutlichen Besucherrückgängen gekommen. Man habe gemeinsam mit den Mitpartnern das beste daraus gemacht.

Mit einem „blauen Auge davongekommen“ sieht sich Andreas Brokbals. Natürlich habe er sich keinen Lockdown gewünscht, sagt der Haushaltswarenhändler. Zu Jahresbeginn habe er sich die Situation am Jahresende aber schlimmer vorgestellt. Er spricht von einer Rückbesinnung zahlreicher Kunden auf den örtlichen Einzelhandel. Wichtig sei für ihn die großzügig Kurzarbeiterreglung. Umsatz aktuell ein Bruchteil des Normalen, mit dem aktuellen Service-Angebot bleibe man aber bei den Kunden im Gespräch, und manchmal verkauf man auch nach telefonischer Beratung einen Rasenmäher.

Elektronikhändler Thorsten Raszka stellt derweil auch mal einen Fernseher ins Fenster, den Kunden nach telefonischer Beratung genauer ansehen wollen. Insgesamt sei das Geschäft im Lockdown aber deutlich zurückgegangen. Zwei Tage vor der verordneten Geschäftsschließung habe es aber noch Schlangen vor dem Laden an der Oststraße gegeben. Im Frühjahrs-Lockdown habe sein Geschäft davon profitiert, dass die beiden großen Elektroanbieter in der Innenstadt ihre Geschäfte geschlossen länger geschlossen hielten; er habe so neue Kunden gewonnen.

Auch Kunstgewerbehändler Andreas Kohl ist ganz zufrieden. „Die Leute konnten nicht in Urlaub fahren“, sagt er. „Da macht man sich das zuhause schön.“ Viele hätten die Weihnachtseinkäufe bewusst früh erledigt, besonder im Oktober und November habe der Laden gebrummt, man habe beinahe den Umsatz des Vorjahres erreicht. Das Rezept sei die Kundenbindung, als kleines Extra habe er im Sommer auch einen Internet-Shop aufgebaut.

Doch das Ergebnis, sagt Kohl, könne je nach Branche auch ganz anders ausfallen. Mode und Gastronomie hätten sicherlich größere, teils existenzielle Probleme. Andreas Dellwig schaut denn auch ein wenig pessimistischer auf die letzten Wochen. Die Kunden seien zurückhaltend, einen letzten Run kurz vor dem Lockdown habe es nicht gegeben. Der Innenstadtbesuch sei eben für viele Kunden nicht mehr so attraktiv, wenn man nirgendwo einen Kaffee trinken könne, sagt der Lederwarenhändler. Das Schlimmste sei für ihn die Planungsunsicherheit.

Ähnliche Sorgen macht sich Matthias Grabitz. Der Inhaber des gleichnamigen Modehauses hat zwar in den letzten Tagen vor dem Lockdown noch gut zu tun gehabt, der Umsatz reiche aber bei weiten nicht an den der vergangenen Jahre heran. Nun ruhen seine Hoffnungen auf den 11. Januar, dann soll der Lockdown enden. „Ich hoffe, dass es auch epidemiologisch funktioniert“, sagt er. Denn am 11. Januar sei immer noch Winter und er habe die Möglichkeit, die Winterware zu verkaufen.

Der Einzelhändler merkt an, dass gerade im Textilbereich das Weihnachtsgeschäft wichtig sei, um Liquidität für das Frühlingsgeschäft zu sichern. „Die Frühjahrsware muss bald bestellt werden“, so Grabitz. Könne jetzt nichts umgesetzt werden, seien die Lager voll und neue Ware könne nicht bestellt werden. Eine Teufelskreis, der nur durchbrochen werden könnte, wenn der Verkauf bald wieder starten kann.

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