Corona-Schnelltest

Weihnachten mit ohne Enkel: Großeltern berichten von ihren Plänen fürs Fest

Weihnachtsbäckerei am Küchentisch: Bei Familie Liesegang in Hamm packten für die Leckeren Plätzchen alle Familienmitglieder mit an.
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Weihnachtsbäckerei am Küchentisch: Bei Familie Liesegang packten für die Leckeren Plätzchen alle Familienmitglieder mit an.

Oma, Opa und die Enkel sind in den meisten Familien eine verschworene Gemeinschaft und wer vom Weihnachtszauber in Kindertagen spricht, erzählt meist gleichzeitig von den Großeltern. Entsprechend groß ist der Kummer in Familien, die in Pandemie-Zeiten auf Kontakte verzichten, um ihre Lieben zu schützen.

Hamm – „Ich habe meinem Mann versprochen, an Weihnachten nicht zu weinen“, sagt Barbara Hartmann (73) und ihre Stimme zittert leicht. „Natürlich darfst du weinen“, sagt Ehemann Dieter (75) schnell. Die Familie ist nicht klein: drei Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel – an Weihnachten sitzen da schnell 18, 19 Personen und bis zu sechs Hunde im Wohnzimmer der Hartmanns. In diesem Jahr wird Corona-bedingt niemand kommen.

Barbara Hartmann ist in mehrerer Hinsicht Risikopatientin, und viele Familienmitglieder arbeiten im medizinischen oder sozialen Bereich, können also nicht garantieren, dass sie nicht vielleicht doch Überträger sind. Ihre beiden Urenkel haben Oma und Opa Hartmann daher noch nicht kennengelernt. Bei einer Begegnung auf Abstand auf dem Spielplatz sorgten die Masken bei den Kleinen für Unwohlsein.

Kreative Lösungen in Zeiten von Corona

Am Samstag wurde Dieter Hartmann 75, Gattin Barbara hatte im März Geburtstag, und zusammen sind sie nun 55 Jahre verheiratet: „Das holen wir alles nach. Am besten mit vielen Umarmungen, mit einer richtigen Knutschparty wenn die Impfung da ist“, sagt Barbara Hartmann. Nachdenklich fügt sie hinzu: „Wir hoffen ja, dass es bald vorbeigeht. Wenn man wüsste, dass das jetzt fünf Jahre dauert, dann würden wir es vielleicht anders machen.“

Barbara und Dieter Hartmann wollen die vielen vermissten Umarmungen nachholen.

Die Isolation macht die gesamte Familie erfinderisch: Die neue Freundin des Enkels lernte man auf dem Balkon kennen, vom Auspacken des kreativen Adventskalenders, den die Familie vorbeigebracht hat, werden Videos gedreht, zum Geburtstag gab es ein selbst komponiertes Ständchen samt Musikvideo, an dessen Entstehung die gesamte Familie beteiligt war, und an Weihnachten kommt nun viel Leckeres auf den Tisch. „Außerdem müssen wir uns Game of Thrones noch einmal anschauen, wir streamen ja jetzt“, sagt Dieter Hartmann, der froh ist, dass sie sich in den vergangenen Wochen einige Auszeiten mit dem Wohnmobil gönnen konnten. Angehörige überlegen noch, Begegnungen mithilfe von Schnelltests möglich zu machen.

Zwischen Unordnung und Lebensfreude

„Zwischen uns und die Enkel passt kein Blatt und auch kein Corona-Virus“, sagt Monika Grabenmeier (68). Wenn die kleine Johanna (3) sie sieht, stürmt sie los und wirft sich ihr lachend in die Arme. Entern die Enkel das Zuhause von Oma Monika und Opa Johannes (68) bringen sie Unordnung und Lebensfreude mit. „Dann ist das so, als ob unsere Kinder nie ausgezogen wären, und das ist herrlich“, finden die Großeltern.

Sophia (13), Simon (11) und David (8) leben mit Mama Andrea und Papa Jörg in Hamm, Johanna und die gerade mal 18 Monate alte Charlotte in Bonn sind der ganze Stolz von Sohn Benedikt und Schwiegertochter Andrea. Letztere haben die Grabenmeiers in diesem Jahr nur zwei Mal gesehen und auch in der Vorweihnachtszeit hat sich der Kontakt zu den Bonnern auf Telefonate und Videos beschränkt. Zu Weihnachten will die Familie auf ein Treffen allerdings nicht verzichten. Dennoch bleibt man vorsichtig: „Wir trennen die Familie und gehen auf Abstand“, erklärt Monika Grabenmeier.

Im Knuddel-Modus: Monika Grabenmeier mit Enkelin Johanna.

Weihnachten unter freiem Himmel

Am Heiligen Abend will der Hammer Teil der Familien gemeinsam den Gottesdienst besuchen, sofern das noch geht. Denn der Glaube und das Engagement in der Bockum-Höveler Pankratius-Gemeinde schenkt allen Zuversicht. Anschließend geht es zum Grillen auf die Terrasse, damit die Begegnung sicher bleibt.

Den umsichtigen Umgang miteinander und alltags übe man ja nun schon ein Dreivierteljahr, so Monika Grabenmeier, die dann am zweiten Feiertag die Bonner empfängt und sich für deren Besuch noch etwas einfallen lassen wird. Doch trotz aller Vorsicht: „Wenn die Kinder auf mich zulaufen, dann kann ich das nicht ablehnen. Das würde den Kindern zu weh tun.“ Ehemals Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule in Hamm, versteht sie es, Kinder zu begeistern.

Und hat sich bereits manches einfallen lassen, um die Enkel bei Laune zu halten. So streute sie einmal beiläufig ein, dass es nicht gewiss sei, ob das Christkind in der aktuellen Situation wohl auch alle Liefertermine werde einhalten können. Monika Grabenmeier hofft, dass es demnächst wieder ein gemeinsam verbrachtes Wochenende der ganzen Familie geben wird. So wie es vor Corona einmal im Jahr üblich gewesen ist.

Erstes Weihnachten ohne Gottesdienst?

Marita Lenkenhoff, wie Grabenmeier in der kfd und in der Gemeinde engagiert, weiß in diesem Jahr nicht so recht, ob sie zu Weihnachten überhaupt einen Gottesdienst besuchen möchte. Sie hat einen Adventsgottesdienst besucht, sich dabei aber nicht so richtig wohlgefühlt. Für sie wäre es das erste Mal, seit sie denken kann, dass sie an Weihnachten der Kirche fernbliebe.

Freunde hat sie seit März nicht mehr gesehen. Würde sie Weihnachten feiern wie immer, es kämen acht Erwachsene und drei kleinere Kinder zusammen. Gewiss ist nun nur, dass sie Weihnachten wenigstens Tochter und Enkelkind sehen wird: „Wir leben ohnehin zusammen in einem Haus, sind eine Hausgemeinschaft.“

Winterwunderland im Wohnzimmer

Nichts ändern wird sich für Lukas (7) und Emma (2) – bei Oma Andrea (54) und Opa Markus Woestmeyer (50) hat sich das Wohnzimmer schon vor einigen Wochen in ein Winterwunderland mit Wackelwichtel verwandelt. „Wir haben einige Gespräche geführt, aber für uns ist klar gewesen, dass wir Weihnachten wie immer feiern möchten. Immer vorausgesetzt natürlich, niemand fühlt sich krank. Wir haben Glück, dass wir eine kleine Familie sind“, sagt Mama Jessika Sahlmen-Daum.

Wenn es am ersten Feiertag ein leckeres Essen und die Bescherung gibt, ist dann auch Ehemann Bastian dabei, mit dessen Eltern sie sich an einem anderen Tag treffen. Klar gebe es immer wieder Kontaktpausen, so etwa im Fall eines Corona-Falls an Lukas Schule. Für die Kinder war es schwer, tagelang nicht zur Oma zu dürfen. Bei den Video-Chats floss manches Tränchen und auch Andrea Woestmeyer musste da manches Mal schlucken. Die ganze Familie vermisst die Weihnachtsmarktbesuche. Nur Emma weiß noch nicht, dass Weihnachten anders sein kann. Mama Jessika ist dem Team der Kita Nelkenstraße dankbar, dass den Kindern trotz allem mit kreativen Ideen eine schöne Vorweihnachtszeit schenkt. Und was darf an Weihnachten auf keinen Fall fehlen? „Na, die Geschenke“, sagt Lukas. „Ich wünsch‘ mir Lego.“

Viel Deko und Lichterglanz: Andrea Woestmeyer und Jessika Sahlmen-Daum bereiten Emma und Lukas ein tolles Weihnachtsfest.

Zeitpunkt des Wiedersehens ungewiss

Immerhin – Plätzchen gebacken wurden im Hause Liesegang: Markus (57) und Anja Liesegang (55) haben drei Kinder und zwei Enkel. „Mette (5) und Elmar (3) wohnen in Kaiserslautern. Gesehen haben meine Frau Anja und ich sie und ihre Eltern Sica (29) und Moritz (30), unseren Sohn, in diesem Jahr sowieso nur dreimal persönlich. Ein Plan für das Weihnachtsfest reifte nach dem ersten Lockdown. Am Heiligen Abend wären Oma und Opa ohnehin außen vor gewesen.“

Die Bescherung wollte die junge Familie – so nennt Uropa Karl-Heinz Liesegang sie – alleine feiern. „Danach wollten wir eigentlich alle, gemeinsam, mit Sicas Mutter in den Schwarzwald. Von der Idee haben wir uns aber schon vor längerer Zeit verabschiedet, als die Infektionen wieder zunahmen.“

Also blieb es bei einer Begegnung am dritten Adventswochenende, an dem die Kaiserslauterner dann in den Hammer Westen kamen: „Verabschiedet haben wir uns mit gemischten Gefühlen“, berichtet Markus Liesegang. „Zum einen war es toll, Plätzchen zu backen, herumzualbern, zu erzählen. Elmar hat bei der Abreise schon Pläne für ein Wiedersehen geschmiedet. Der Zeitpunkt ist aber ungewiss. Anja und ich haben uns vorgenommen, die Regeln einzuhalten. Hoffnung habe ich wenig, dass alle rücksichtsvoll sein werden. Besser wäre ein striktes Besuchsverbot gewesen. Überhaupt ist es das erste Mal, dass wir den Heiligabend zu zweit verbringen. Klassisch ist sonst, dass sich die ganze Familie am ersten Weihnachtstag bei den Urgroßeltern trifft. Und am zweiten wären wir dann alle zusammen zum Geburtstag meines Bruders Christof nach Münster gefahren.“

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