Neue Jobs, Push für die Wirtschaft

Wasserstoff made in Hamm? Der Energieträger der Zukunft könnte bald in großem Stil hier produziert werden

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Zwei Firmen, ein Projekt: Bei RWE (oben rechts) und Trianel (Mitte unten) soll künftig in großem Stil Wasserstoff erzeugt werden.

Hamm - Die SPD will Hamm zu einem der wenigen Wasserstoff-Produktionsstandort in Deutschland machen. Klappt das, winken etliche neue Jobs und ein Schub für die Wirtschaft. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Jahrzehntelang war der Steinkohlebergbau der Garant für den Wohlstand vieler Hammer. Tausende Kumpel malochten auf den Zechen. Ihre Familien lebten gut von dem, was sie verdienten. Mit dem Ende der Kohle-Ära begann in Hamm und der ganzen Region der wirtschaftliche Abstieg.

Hohe Sozialausgaben und geringe Kaufkraft sind die heutigen Folgen. Der Strukturwandel ist längst noch nicht abgeschlossen. Ein gewaltiger Schritt hin zu einer neuen Schlüsselindustrie könnte jetzt gelingen. Die SPD will Hamm zu einem der wenigen zentralen Standorte der Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland machen.

Wichtiger Baustein der "Nationalen Wasserstoffstrategie"

Hamm wäre damit ein wichtiger Baustein der „Nationalen Wasserstoffstrategie“ des Bundes. Mit insgesamt bis zu sieben Milliarden Euro wird die Regierung in den kommenden Jahren den Aufbau von Produktionsstätten und Verteilnetzen von Wasserstoff in der ganzen Republik fördern. Wasserstoff – vor allem wenn er aus regenerativem Strom hergestellt wird – wurde als der Energieträger der Zukunft auserkoren. Langfristig soll er fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas ersetzen. Für das Erreichen der Klimaziele und weitgehende CO2-Neutralität ist dieser Wandel nötig.

Warum aber gerade Hamm? „Wir sind da standortmäßig in einer Luxussituation“, erklärt der OB-Kandidat der SPD, Marc Herter. „Früher hatten wir die Kohle, jetzt sind wir direkt an die Stromtrasse für Windenergie von der Nordsee nach Süden angedockt.“ Deshalb liege auf dem RWE-Gelände im bildlichen Sinne eine riesige grüne Steckdose, aus der die Produktion hier vor Ort gespeist werden könnte.

Lokale Abnehmer stehen schon parat

Bei einem ersten Gespräch mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze saßen gestern gleich potenzielle Abnehmer des Wasserstoffs mit am Tisch. Die Stadtwerke und der ASH wollen ihre Busse und Müllwagen künftig mit Wasserstoff betanken. Auch die Firma Jäckering steht als potenzieller Groß-Abnehmer parat. Sie brauche allein 30 Megawatt Energie im Jahr, erklärte Geschäftsführer Michael Andreae-Jäckering. Zur Einordnung: Mit dieser Energiemenge könnten auch alle Privathaushalte in Bockum-Hövel ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.

„Es ist ungewöhnlich, wie schnell die Hammer bei dem Thema dabei waren. Ich habe zwar kein fertiges Förderprogramm in der Tasche, die Voraussetzungen sind aber gut. Wir haben uns für weitere Gespräche verabredet“, erklärte Schulze.

RWE und Trianel in einem Boot - trotzdem Hindernisse

Produziert werden soll der Wasserstoff auf den Flächen der RWE und von Trianel in Uentrop. Zusätzlicher Boden müsste dafür nicht versiegelt werden, versicherte Herter.

Bis tatsächlich im großen Stil in Hamm durch elektrischen Strom aus destilliertem Wasser Wasserstoff wird, dürfte es selbst bei einer Förderzusage noch dauern. Erst muss die nötige Infrastruktur errichtet werden – unter anderem müsste eine bis 2022 im Bau befindliche Wasserstoffpipeline von Lingen im Emsland über Gelsenkirchen bis nach Hamm verlängert werden.

Herter: "Keine Zeit verschwenden"

Aktuell ist die Erzeugung grünen Wasserstoffs wegen hoher Abgaben nicht wirtschaftlich. Ändern soll das eine höhere CO2-Bepreisung fossiler Brennstoffe und eine Anpassung der EEG-Umlage. „Es muss sich für alle Beteiligten wirtschaftlich rechnen. Nur so schaffen wir echte Werte für Hamm“, betonte Herter.

„Über dieses Projekt können viele, gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden. Jetzt wollen wir zügig alle Voraussetzungen erfüllen und keine Zeit verschwenden. Sonst ziehen andere wieder mal an uns vorbei.“

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