Immer wieder das Clubhaus am Kanal in Hamm

Wassersportler im Fokus unbekannter Einbrecher - warum auch immer...

Verzweifelt: Jörg König beklagt seit dem Sommer die Einbruch-Situation am Clubhaus in Hamm.
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Verzweifelt: Jörg König beklagt seit dem Sommer die Einbruch-Situation am Clubhaus.

Warum ausgerechnet das Clubhaus eines Hammer Kanuvereins immer wieder in den Fokus unbekannter Einbrecher gerät, ist Jörg König ein Rätsel.

Hamm – Jörg König (52) ist Geschäftsführer des „Wassersportverein 1930 Hamm e.V.“, der in den Räumen an der Adenauerallee seit vielen Jahren beheimatet ist. Und eben diese Räumlichkeiten waren in den vergangenen Monaten mehrfach das Ziel von Kriminellen.

„Nach fast jedem Wochenende ist irgendetwas aufgehebelt“, berichtet Jörg König. Die Schäden, die die Unbekannten an Türen und der Fassade des Clubhauses hinterlassen haben, liegen inzwischen bei gut 2000 Euro – für den kleinen Club mit seinen 49 Mitgliedern eine hohe Summe. „Unser Vereinsbudget beträgt gerade einmal vier- bis fünftausend Euro pro Jahr“, so König weiter. Der Schaden sei daher erheblich. Dabei sei in dem Clubhaus, abgesehen von rund 60 Booten, nichts zu holen, was sich schnell in Bargeld verwandeln ließe.

Club hat Polizei eingeschaltet - die kann aber nicht helfen

Auch die Polizei hat der Club eingeschaltet, viermal wurde zwischen Juni und August bereits Strafanzeige erstattet. Doch hätten laut Jörg König die herbeigerufenen Beamten vor Ort zunächst nicht den Eindruck erweckt, dem Verein helfen zu können. Unter dem Hinweis, bei den Taten handele es sich offensichtlich um Beschaffungsgkriminalität – die Drogenszene befindet sich in unmittelbarer Nähe des Clubhauses –, sei ihm vermittelt worden, der Club müsse mit solchen Einbrüchen zukünftig leben. Von Beschaffungskriminalität geht zwar auch Jörg König aus, „aber ich kann und will mich mit solchen Zuständen in unserer Stadt nicht einfach abfinden“, so der Freizeitsportler.

Geknackt: Die Tür am Vereinsheim ist beschädigt.

Das will die Polizei allerdings auch nicht. Ein technischer Sicherheitsberater des Kommissariats für Kriminalprävention/Opferschutz hat bereits Kontakt mit Jörg König aufgenommen, um den Club zu beraten. Eine Überwachungsanlage lässt der Verein gerade installieren. Dass es sich bei diesen Taten tatsächlich um Beschaffungskriminalität handelt, sei jedoch rein spekulativ, teilt die Polizei auf Anfrage mit. Bislang seien keine Tatverdächtigen ermittelt worden, und die räumliche Nähe zum Szene-Treffpunkt allein begründe diese Annahme nicht.

Beschaffungskriminalität in Hamm: Fragen und Antworten

Man liest, man hört es immer wieder: Im Zuge eines Einbruchs in Büroräume, kleine Geschäfte oder eben auch Vereinsräume sprechen die Behörden von Beschaffungskriminalität. Doch was bedeutet das überhaupt konkret, wie oft kommt diese in Hamm vor? Die Polizei in Hamm beantwortet in diesem Zuge die wichtigsten Fragen:

Wie viele Fälle von Beschaffungskrimininaltät gab es im vergangenen Jahr in Hamm im Bereich der Innenstadt?
Zunächst muss man bei dem Deliktsfeld der Beschaffungskriminalität zwischen direkter und indirekter Beschaffungskriminalität differenzieren. Als direkte Beschaffungskriminalität werden die Straftaten bezeichnet, die keine Rauschgiftdelikte sind, jedoch die Zielrichtung der direkten Erlangung von Betäubungsmitteln haben (zum Beispiel Diebstahl, Einbruch in Arztpraxen, Apotheken usw., bei denen Betäubungsmittel und Arzneimittel entwendet werden).
In welchen Fällen spricht man von indirekter Beschaffungskriminalität?
Als indirekte Beschaffungskriminalität werden alle geklärten Straftaten gewertet, die keine Rauschgiftdelikte sind, bei denen jedoch Konsumenten harter Drogen tatverdächtig sind. Zielrichtung ist das Erlangen von Geld- oder Sachmitteln zur Suchtfinanzierung. Hierzu zählen insbesondere Eigentumsdelikte, wie Taschendiebstahl, Wohnungseinbruch oder Diebstahl aus Kraftfahrzeugen, aber auch Raubstraftaten. Die Anzahl der ermittelten tatverdächtigen Konsumenten harter Drogen lässt jedoch keinen belastbaren Rückschluss auf die reale Beschaffungskriminalität zu. Zum Beispiel dient nicht jede geklärte Erlangungstat eines tatverdächtigen Konsumenten harter Drogen der Beschaffung. Oftmals machen ermittelte Tatverdächtige auch gar keine Angaben in ihrer Vernehmung.
Was kann die Hammer Polizei denn dagegen tun?
Das Problem der Beschaffungskriminalität lässt sich natürlich nicht allein von der Polizei lösen, da wir hierbei hauptsächlich repressiv tätig werden. Das heißt: Wenn eine Straftat geschieht, leiten wir mit einer Strafanzeige die Ermittlungen ein. Durch regelmäßige Personenüberprüfungen und polizeilicher Präsenz an bekannten Szene-Treffpunkten erhöhen wir den Kontrolldruck. Beobachtungen durch zivile Kräfte der Polizei liefern weitere wichtige Erkenntnisse. Auch Hinweise aus der Bevölkerung sind für unsere Arbeit wichtig.

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