Vorstoß vom Geschichtsverein

Akten statt Anzüge: Zieht das Stadtarchiv ins ehemalige Kaufhof-Gebäude?

Seit der Kaufhof-Schließung im Oktober 2020 steht das riesige Gebäude im Herzen von Hamm leer.
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Seit der Kaufhof-Schließung im Oktober 2020 steht das riesige Gebäude im Herzen von Hamm leer.

Was passiert mit dem Kaufhof? Der Hammer Geschichtsverein hat dazu einen eigenen Vorschlag gemacht.

Hamm – Der Hammer Geschichtsverein schlägt vor, das Stadtarchiv ins leer stehende Kaufhof-Gebäude zu verlegen und damit eine Kulturmeile im Bahnhofsviertel zu schaffen. So könnte die Bahnhofstraße aufgewertet und gleichzeitig der steigende Platzbedarf des Archivs gedeckt werden, heißt es in einem Schreiben der Vereinsvorsitzenden Elisabeth Morscheck an Oberbürgermeister Marc Herter und Stadtbaurat Andreas Mentz, das unserer Zeitung vorliegt.

Aus dem Rathaus gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorschlag. Auch Stadtarchivs-Leiterin Ute Knopp – selbst Geschäftsführerin des Geschichtsvereins – wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Das Archiv befindet sich seit 2004 in den Untergeschossen des Technischen Rathauses und hat dort 2.230 Quadratmeter zur Verfügung, gut doppelt soviel wie am früheren Standort im Pelkumer Amtshaus. Allerdings sind die Magazine längst wieder gefüllt, ein Teil der Akten bereits aus Platzmangel ausgelagert.

Aus dem „Kellerdasein“ möchte der Geschichtsverein das städtische Archiv Hamm nun herausholen. Der Umzug von Pelkum ins Technische Rathaus sei 2004 ein wichtiger Schritt gewesen, heißt es in Morschecks Schreiben.

Das Archiv sei damit in die Wahrnehmung der Bürger gerückt und werde seitdem immer besser angenommen. Für eine so intensive Nutzung sei das Konzept mit nur einem Besucherraum aber nicht ausgelegt gewesen.

Passender Rahmen für Ausstellungen des Stadtarchivs

Auf größerer Fläche könnten Arbeits- und Besprechungsräume eingerichtet werden, heißt es im Schreiben des Geschichtsvereins. Nicht zuletzt, um dem Datenschutz Rechnung zu tragen und allen Benutzern ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen. Dies käme zum einen historischen Arbeitskreisen zugute, vor allem aber Schulen und ihren Projektarbeiten, wie beispielsweise der Stolperstein-AG der Friedensschule.

Und auf größerer Fläche hätten auch Ausstellungen des Stadtarchivs einen passenden Rahmen – bisher stehen dafür nur der Flur der Archivräume und das Treppenhaus des Technischen Rathauses zur Verfügung. Im alten Kaufhof könnte beispielsweise in den Schaufenstern künftig Altes und Neues aus der Stadtgeschichte präsentiert werden.

Vorbild Bielefeld

Morscheck erhofft sich von einer Verlegung des Archivs in das leer stehende Kaufhaus auch einen positiven Effekt für das gesamte Bahnhofsviertel: Mit einem neuen, exponierten Standort entstehe eine Kulturmeile vom Gustav-Lübcke-Museum über Heinrich-von-Kleist-Forum, Helios-Theater, Galerie der Disziplinen bis eben zum neuen Archiv. Das gesamte Viertel werde so erheblich aufgewertet.

Als Beispiel für so ein Konzept nennt Morschek Bielefeld, wo Stadtarchiv, Stadt- und Landeskundliche Bibliothek 2011 in ein eigens umgebautes Kaufhaus gezogen sind. In Hamm dagegen ist noch unklar, was aus dem 2020 aufgegebenen Kaufhof werden soll. Die Immobilie befindet sich in Privatbesitz, derzeit wird von Seiten der Stadt eine Machbarkeitsstudie für eine Nachnutzung erstellt, die im Sommer vorgestellt werden soll.

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