Was braucht Pelkum?

Bewegung, Wohnen, ärztliche Versorgung: Alles Bingo für die Pelkumer Senioren?

Thordis Ohnrich und Magdalena Schulze möchten Senioren aus Hamm Pelkum in Bewegung bringen.
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Warten aufs Startsignal: Thordis Ohnrich (links) und Magdalena Schulze möchten Senioren aus dem Stadtbezirk Pelkum zeitnah in Bewegung bringen.

Pelkums Senioren - das ist andernorts kaum anders - werden mehr. Finden Sie genug Angebote vor der Haustür? Was fehlt? Und gibt es genug barrierefreie Wohnungen?

Pelkum - Was braucht Pelkum? Dieser Frage gehen wir seit einigen Wochen in unserer Bezirksserie auf den Grund. Nun geht es um die Senioren im Stadtbezirk. In den nächsten Jahren wird eine große Gruppe der in den 1960er-Jahren geborenen Pelkumer die Schallmauer Ü60 erreichen. Für sie müssen neue Angebote entwickelt werden. Was wird gebraucht? Ihre Meinung ist gefragt (ein Formular dafür gibt es unten im Artikel).

Noch steht sie ungenutzt im Gemeindehaus Pelikanum. Thordis Ohnrich hofft aber, dass die neue Bingo-Maschine bald zum Einsatz kommt. Eine Bingo-Maschine? „Ja“, sagt die Quartiersentwicklerin. Denn viele Senioren hätten auf die Frage, was ihnen an interessanten Angeboten in Pelkum fehlt, „Bingo“ geantwortet. Daneben hätten sie sich aber auch weitere Bildungs- und Bewegungsangebote gewünscht.

Senioren in Pelkum: Das Interesse am Internet steigt

Ohnrich beruft sich dabei auf persönliche Gespräche, die sie, soweit das in Pandemiezeiten überhaupt möglich war, mit Senioren geführt hat. Zudem haben sie und Magdalena Schulze, die zusammen mit Hartmut Daus den Stadtbezirk Pelkum im Seniorenbeirat der Stadt Hamm vertritt, in den vergangenen Wochen dutzende Fragebögen in Pelkum verteilt. Auch in Wiescherhöfen und der Selmigerheide wolle man Senioren das Angebot machen, sich an der Fragebogenaktion zu beteiligen, so Ohnrich.

Ohnrich und Schulze wollen in Erfahrung bringen, an welchen Angeboten es den Senioren im Stadtbezirk fehlt. Insgesamt sehen sie ihn aber schon jetzt recht gut aufgestellt, sie verweisen auf das Seniorenfrühstück, das Lesecafé, Besuchs- und Bringedienste oder die verschiedenen Angebote in Kirchengemeinden. Allerdings: Corona-bedingt ruhen die meisten von ihnen bereits seit mehr als einem Jahr.

Doch mit den zurückgehenden Corona-Infektionen steigt auch im Stadtbezirk Pelkum die Hoffnung, den Senioren schon in Kürze wieder Angebote machen zu können. Ohnrich denkt dabei unter anderem an „Bewegte Spaziergänge“, Sport speziell für Männer, Gymnastik, Englisch für Anfänger, interkulturelle Aktionen sowie Kurse zum richtigen Umgang mit Smartphone und Tablet. Nämlich auch das sei eine Folge der Pandemie: „Ältere Menschen nutzen jetzt verstärkt das Internet“, so Ohnrich.

Senioren in Pelkum: „Überschaubares“ Ärzte-Angebot

Doch es sind nicht nur Kurse und Freizeitangebote, die sich Senioren wünschen. So verweist Schulze auf das „überschaubare“ Ärzte-Angebot im Stadtbezirk. Zum Beispiel gebe es in Pelkum keinen Kardiologen. „Wir müssen daher in andere Stadtteile oder Orte fahren“, sagt sie. Verbesserungswürdig ist aus ihrer Sicht das ÖPNV-Angebot, insbesondere die Verbindung zwischen Pelkum und der Selmigerheide. Um die Mobilität von Senioren zu fördern, müsse hier dringend etwas getan werden, so Schulze. Und auch der Pelkumer Platz müsse belebt werden. Das habe sie immer wieder gehört.

„Wiederholt wurde der Wunsch nach einem Gesprächskreis für pflegende Angehörige geäußert“, so Ohnrich. In ihm könnten sich Betroffene austauschen, aber auch von fachlicher Seite Tipps im Umgang mit an Demenz erkranken Menschen erhalten. Ohnrich hofft, dieses Angebot in Kürze starten zu können. Und auch Magdalena Schulze ist zuversichtlich, dass sich das Pelikanum und die anderen Gemeindehäuser, das Pfarrheim St. Marien, die Awo-Begegnungsstätte sowie alle anderen Treffpunkte zeitnah „mit Leben füllen“. Sie selbst sei gerade dabei, das Halbjahresprogramm der Frauenhilfe Pelkum zusammenzustellen. 

Senioren in Pelkum: Manche „verschenken“ ihre Zeit für den guten Zweck

Seit Mitte März 2020 habe es Corona-bedingt nur eine Veranstaltung gegeben. Das sei kurz nach den Sommerferien gewesen. Das Kaffeetrinken auf Abstand sei aber, wie sie rückblickend sagt, sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Ein richtiger Austausch sei nicht möglich gewesen. „Und singen durften wir auch nicht.“ Inwieweit das alles demnächst wieder möglich sein wird, muss sich noch zeigen. Ab Juli aber möchte Ohnrich die ersten Angebote machen. Geplant seien dann ein Büchermarkt am Pelikanum und ein „Bewegter Spaziergang“. Und spätestens nach den Sommerferien solle es in Zusammenarbeit mit dem 1. FC Pelkum und dem Stadtsportbund ein spezielles Angebot für Männer geben: Walking-Fußball – also Fußball in einer langsamen, gemächlichen Version. Zudem hoffen Schulze und Ohnrich, dass bald auch wieder das beliebte Seniorenfrühstück starten kann. „Die meisten Senioren sollten dann zweimal geimpft sein.“

Was die beiden besonders freut: Es gibt viele Senioren im Stadtbezirk, die sich aktiv einbringen möchten. In der März-Ausgabe der Zeitung der Stadtteilarbeit Hamm zum Beispiel wird Erika Schmidt (80) vorgestellt, die seit drei Jahren das Jugend- und Stadtteilzentrum „Casino“ mit kulinarischen und kreativen Angeboten unterstützt. Aufgrund der Fragebogenaktion haben sich weitere Senioren gemeldet, die „Zeit zu verschenken haben“. „Einer möchte beispielsweise den Besuchsdienst unterstützen“, so Ohnrich, die sich über weitere Angebote und Ideen, den Stadtbezirk für Senioren noch etwas liebens- und lebenswerter zu gestalten, freuen würde. Sie sei offen für alles.

Senioren in Pelkum: Bedarf an barrierefreien Wohnungen sinkt

Und wie steht es mit Bedarf an barrierefreien Wohnungen? Die Situation hat sich deutlich entspannt: Waren noch vor einigen Jahren in Hamm rund 1.000 Menschen auf der Interessentenliste für barrierefreie Wohnungen des Amtes für Soziales, Wohnen und Pflege, sind es aktuell „nur“ noch 530.

Nachgefragt: 2019 wurden 25 barrierefreie Wohnungen an der Robertstraße eingeweiht.

Mit zu dem Rückgang beigetragen haben gleich mehrere Bauprojekte im Stadtbezirk Pelkum. Dort wurden seit dem Frühjahr 2019 insgesamt 80 barrierefreie, öffentlich geförderte Wohnungen eingeweiht – an der Günterstraße/Ecke Peterstraße (18), der Robertstraße (25), der Weetfelder Straße (25) sowie an der Großen Werlstraße (12). Weitere Bauvorhaben sind aktuell nicht geplant, könnten aber mittelfristig unter anderem im Zuge der Entwicklung des CreativReviers Heinrich Robert umgesetzt werden.

Durch die neuen barrierefreien Wohnungen im Stadtbezirk Pelkum ist hier die Interessentenliste kleiner geworden. Mitte der 2010er-Jahre tauchten auf ihr noch die Namen von rund 150 Menschen auf, die unter anderem den Stadtbezirk Pelkum als Ziel-Wohnbezirk für barrierefreies Wohnen angegeben hatten. Aktuell sind es „nur“ noch 73. Davon wünschen sich 44 Interessenten eine barrierefreie, neun eine rollstuhlgerechte und 20 eine Seniorenwohnung.

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