Unsere Serie „Was braucht Pelkum?“

Lärm, Stau, klirrende Gläser: In Pelkum werden Anwohner-Nerven besonders strapaziert

Bahnschranken auf der Wiescherhöfener Straße in Hamm Pelkum
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Mehr zu als auf: Anwohner wie Thomas Niermann sind genervt von Bahnlärm und den ständig geschlossenen Schranken wie hier auf der Wiescherhöfener Straße. Er hofft auf einen konstruktiven Dialog, damit das Problem mittelfristig aus der Welt geschafft wird.

In Pelkum gibt es unendliche Geschichten, die keiner braucht. Die „Phantomstraße“ B63n ist so eine. Und eine andere liegt vor allem jenen Menschen quer, die in der Nähe von Bahnübergängen wohnen. Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Hamm – Thomas Niermann spricht vom „vergessenen Dreieck“ – vergessen deshalb, weil sich die Menschen im Wohngebiet zwischen Friedhofsweg und Wiescherhöfener Straße, das einem Dreieck ähnelt, mit ihren Sorgen allein gelassen fühlen. „Wir haben hier mit drei massiven Problemen zu kämpfen“, erklärt Niermann und nennt konkret den Dauerstau vor der Glückauf-Schranke, den Lärm durch die Bahn und den schlechten Zustand der Wiescherhöfener Straße.

Insbesondere sind Niermann und seine Nachbarn auf die Deutsche Bahn sauer. Die hatte zwar entlang der Bahnstrecke Hamm-Dortmund in den letzten Monaten mehrere hundert Meter Schallschutzwand errichtet. Warum aber ausgerechnet der Bereich zwischen dem Friedhofsweg und der Wiescherhöfener Straße ausgespart wurde, erschließt sich ihnen nicht. Eine Anfrage des WA dazu ließ die Bahn bis Montagnachmittag unbeantwortet.

Dafür hatte das Unternehmen kürzlich auf Anfrage mitgeteilt, dass die Planungsvereinbarung mit der Stadt Hamm zur Bahnübergangsbeseitigung in der Selmigerheide und in Weetfeld frühestens Mitte 2022 unterzeichnet wird – ein weiterer Schlag ins Gesicht der lärm- und staugeplagten Anwohner. Dabei war die Hoffnung zuletzt groß, dass ab 2025 mit der Beseitigung von insgesamt acht höhengleichen Bahnübergängen begonnen wird, zumal die Bahn selbst eine Mittelbereitstellung für 2025 in Aussicht gestellt hatte, da ansonsten zu diesem Zeitpunkt die vorhandene Signaltechnik „mit erheblichem finanziellen Aufwand ersetzt werden müsste“. Inzwischen will das Unternehmen davon nichts mehr wissen.

Verkehrsbelastung in Pelkum: Doppelte Last durch Lärm und Stau

Für Niermann und seine Nachbarn sind das unhaltbare Zustände, zumal der Verkehr auf der Bahnstrecke Hamm-Dortmund weiter zunimmt. Vor allem sonntags ab 21 Uhr gehe es rund. Gegen den Zugverkehr sei, wie Niermann sagt, erst einmal auch nichts einzuwenden, da es im Interesse aller sei, mehr Verkehre auf die Schiene zu bringen. Doch im Gegenzug erwarten die Anwohner, dass sie nicht die alleinige Last tragen. Und das seien nun einmal der Lärm und der Stau.

Doch was tun? Niermann sieht aktuell nur die Möglichkeit, dass die politischen Kräfte in Hamm gebündelt werden und man parteiübergreifend Druck auf die Bahn ausübt, um zu einer zeitnahen Lösung zu kommen – vor allem mit Blick auf die Bahnübergangsbeseitigung. „Wir brauchen einen konstruktiven Dialog“, sagt Niermann und kündigt an, zeitnah auch mit den Nachbarn über das weitere Vorgehen zu sprechen. Man stehe in einem ständigen Austausch.

Wenig zuversichtlich, die Deutsche Bahn zu einem schnelleren Arbeiten zu bewegen, ist hingegen die Stadt. „Ich glaube nicht, dass Druck etwas bringen wird“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Vom ursprünglichen Zeitplan hatte sich die Verwaltung ohnehin schon verabschiedet.

Verkehrsbelastung in Pelkum: Wenn die Gläser im Schrank klirren

Sorgen bereitet auch der Verkehr auf der Wiescherhöfener Straße. Niermann ist es wichtig zu betonen, dass man ihn nicht verbannen will. „So ehrlich müssen wir sein.“ Die Anwohner der Wiescherhöfener Straße nutzten selbst ja auch viele andere Straßen in Hamm. In einem Punkt erhofft er sich aber eine kurzfristige Abhilfe: Auf dem Abschnitt vor der Glückauf-Schranke befindet sich die Wiescherhöfener Straße in einem schlechten Zustand. „Wir haben es hier mit mehreren Bodenwellen zu tun“, erklärt er.

Vor allem wenn Autos mehr als die erlaubten 50 Kilometer in der Stunde fahren, klirrten die Gläser in den Schränken. Das komme relativ häufig vor. Denn: „Wenn Autofahrer, die aus dem Dorf kommen, um die Kurve fahren und die offenen Bahnschranken sehen, geben sie Gas, um noch rüber zu kommen“, beschreibt er.

Verkehrsbelastung in Pelkum: Lange Schlange vor den Schranken

Probleme gibt es aber auch, wenn sich eine Schlange vor den Schranken bildet. Nicht nur, dass sich Anwohner sowie wartende Fußgänger und Radfahrer durch laute Musik und Abgase gestört fühlen. Immer wieder komme es auch vor, dass Anwohner ihre Grundstücke nicht verlassen können, da die Hausausfahrten blockiert werden, wünscht sich Niermann hier ein wenig mehr Rücksicht. Einige Menschen im Dorf sehen die Bahnübergangsbeseitigung, wie auf verschiedenen Versammlungen deutlich wurde, allerdings auch mit gemischten Gefühlen. Zwar finden auch sie, dass der Dauerstau vor der Glückauf-Schranke, die zu Spitzenzeiten bis zu 40 Minuten in der Stunde unten ist, eine Zumutung ist.

Andererseits werden aber auch Befürchtungen laut, dass mit der aktuell geplanten Verkehrslenkung und der Untertunnelung der Provinzialstraße auf der dann ampel- und staufreien Wiescherhöfener Straße sich der Verkehr verdoppelt. Dem müsse bei der Planung gegengesteuert werden.

Verkehrsbelastung in Pelkum: Kampf um die „Phantomstraße“ B63n

Zukunftsmusik: Fast so leer wie hier soll es auf der Kamener Straße nach dem Bau der B63n werden.

Ein ganz anderes Ärgernis ist die B63n. Im Bundesverkehrswegeplan genießt sie den Status „Vordringlicher Bedarf“, in Teilen Hamms ist sie umstritten. Vor allem Grüne und Linke hatten zuletzt wiederholt erklärt, dass die knapp zehn Kilometer lange B 63n zwischen der Autobahn 2 in Bönen und der Hafenstraße – sie führt weitestgehend entlang der Bahn – nicht gebaut werden soll. Sie kritisieren vor allem die Eingriffe in die Natur und den Umstand, dass durch die Straße noch mehr Verkehr angezogen wird. Um den Koalitionsfrieden im Rathaus zu wahren, sollen in dieser Legislaturperiode keine Beschlüsse zu der Straße gefasst werden, geplant wird sie aber weiterhin. Neben der Entlastungswirkung für die Ortsdurchfahrten von Pelkum und Wiescherhöfen soll Hamms aktuell größtes Straßenbauprojekt der Erschließung von Rangierbahnhof und Inlogparc dienen.

Im Verkehrsbericht 2018 wird für die B63n für das Jahr 2030 eine Belastung von bis zu 25.000 Fahrzeugen am Tag prognostiziert. Das wären mehr als derzeit auf der Kamener Straße (16.000 bis 18.000/Tag) unterwegs sind. Durch die B63n würde sich die Belastung dort auf 7.000 bis 11.000 Fahrzeuge/Tag reduzieren. Aber auch andere Straßen wie die nördliche Weetfelder Straße würden laut Prognose profitieren (von 6.000 auf circa 1.000 Fahrzeuge). Offen ist, was die Straße kostet. Im Bundesverkehrswegeplan stehen 60 Millionen Euro. Die Zahlen stammen aber aus 2014. Und wer die Preisentwicklung bei Großprojekten kennt...

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