Unsere große Serie: Was braucht Bockum-Hövel?

„Internet konkurrenzlos gut“: Bockum-Höveler Händler fordert neue Strategien für lokalen Handel

Zentrum Hövel Oswaldstraße Hohenhöveler Straße Hamm Bockum-Hövel
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Blick ins Höveler Zentrum: Die Oswaldstraße (links) und Hohenhöveler Straße könnten eine Belebung vertragen.

In Zeiten, da selbst es selbst in den großen Stadtzentren immer mehr Leerstände gibt: Welche Überlebenschancen gibt es da für den Einzelhandel in den kleineren lokalen Zentren? In unserer Serie „Was braucht Bockum-Hövel?“ beleuchten wir die Situation im größten Hammer Stadtbezirk. Diskutieren Sie mit: Was schätzen Sie am Einkaufsstandort Bockum-Hövel? Was fehlt (Formular im Anhang)?

Bockum-Hövel – Das Einzelhandelskonzept der Stadt (Stand Oktober 2019) bescheinigt Bockum-Hövel einen „differenzierten Nahversorgungsbesatz“. Weiter heißt es dort: „Neben den autokundenorientierten Super-/Verbrauchermärkten Rewe und Kaufland am ,Ergänzungsstandort Römerstraße’ sind die im Stadtteilzentrum vorhandenen Besatzstrukturen angebotsprägend.“ Viele Nahversorgungszentren seien demnach auch fußläufig zu erreichen, bescheinigt das Einzelhandelskonzept Bockum-Hövel eine „insgesamt gute Nahversorgungssituation“. Also alles in Butter in Bockum-Hövel?

Georg Mersmann, heimischer Augenoptiker, Bockum-Höveler und einige Jahre Vorsitzender der IG Pro Bockum-Hövel (Vorgänger des Aktionskreises Bockum-Hövel Plus), bestätigt diese Einschätzung – wenn auch mit Einschränkungen. „Zurzeit leidet der Einzelhandel natürlich stark unter Corona“, sagt Mersmann. Insgesamt sei die Entwicklung im Höveler Zentrum aber gar nicht so negativ. „Natürlich haben wir auch Leerstände“, sagt er. Als eins der größten Probleme sieht er dabei das ehemalige Portmann-Gebäude, in dem es seit Jahren nicht wirklich weitergeht. Er erinnert an die Idee, in dem alten Geschäftshaus ein Medizinisches Versorgungszentrum einzurichten. „Das wäre ideal gewesen“, sagt Mersmann, der aber dennoch glaubt, dass Bockum-Hövel eine gute medizinische Versorgung hat.

Der Einzelhandel in Bockum-Hövel: „Ein Flanieren wird es in Zukunft nur in wenigen Städten geben“

Ideal wäre seiner Meinung nach auch der Erhalt des St.-Josef-Krankenhauses. „Da bin ich als Bockum-Höveler eher nostalgisch.“ Er glaubt allerdings nicht, dass das Krankenhaus ein großer Frequenzbringer für den Einzelhandel ist. Wirklich Hoffnung hat er für den Erhalt auch nicht. „Was dann bleibt, ist eine große Baustelle und natürlich fallen viele Arbeitsplätze weg“, sagt Mersmann. Apropos Baustelle: Das trifft auch auf das ehemalige Schuhgeschäft Oles zu. Hier bewegt sich seit Längerem auch nichts. Und das, obwohl sich Geschäftsleute und Politik viel vom Durchstich Marinestraße/Oswaldstraße versprechen. „Die Vermutung liegt nahe, dass hier Corona für die Verzögerung sorgt“, sagt Mersmann.

Größtes Problem des stationären Einzelhandels sei aber nach wie vor die Konkurrenz des Internets. Neidlos erkennt Mersmann an: „Die sind konkurrenzlos gut.“ Es gelte für die Einzelhändler, Strategien zu entwickeln – zum Beispiel zweigleisig zu fahren, sprich: stationär und virtuell. „Das Flanieren durch Geschäftsstraßen, wie man sich das im Idealfall vorstellt, wird es in Zukunft sicher nur noch in wenigen Städten geben“, wagt er einen Blick in die Zukunft.

Der Einzelhandel in Bockum-Hövel: „Ärztehaus und Wohnanlagen können das Zentrum stärken“

Positive Entwicklungen seien im Höveler Zentrum durchaus zu sehen. Mersmann nennt das neue Ärztehaus an der Hohenhöveler/Ecke Albert-Struck-Straße, aber auch die Wohnanlagen an der Oswald- und der Hohenhöveler Straße. „Wohnen kann das Zentrum stärken, gerade im Nahbereich“, ist sich Mersmann sicher.

Georg Mersmann, Augenoptiker aus Bockum-Hövel, sieht den Einzelhandel im Stadtbezirk gar nicht so schlecht aufgestellt. Dennoch sind, so sagt er, neue Strategien erforderlich, um gegenüber der starken Konkurrenz aus dem Internet bestehen zu können.

Die Gastronomie in Bockum-Hövel habe sich – zumindest in einigen Bereichen – ganz gut der Corona-Situation angepasst. „Die Lieferdienste sind die Profiteure der Krise – auch in Bockum-Hövel“, ist er überzeugt. Außerdem wünscht er sich, dass die Politik den Gastronomen in der wärmeren Jahreszeit ein wenig entgegenkommt und mehr Außengastronomie ermöglicht. „Ein, zwei Tische nach draußen zu stellen, wäre ein gutes Zeichen – auch wenn es etwas eng wird. Aber es könnte mehr Leben zum Beispiel in Oswald- oder Marinestraße bringen“, sagt Mersmann.

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Dieser Beitrag gehört zu unserer Serie: „Was braucht Bockum-Hövel?“ Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 10. April. Im nächsten Schwerpunkt geht es um das Thema Verkehr. Der Beitrag erscheint am 24. April.

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