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Nicht mal Nudeln: Warum Kinder in einer Schule in Hamm kein Essen erhielten

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Von: Constanze Juckenack

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Essenausgabe in der Schulküche Essen fehlte
Der Caterer für die OGS der Gebrüder-Grimm-Schule lieferte weniger Essen, als Kinder da waren. © Jens Büttner/dpa

Der Caterer der Gebrüder-Grimm-Schule lieferte vor einigen Tagen zu wenig Essen für alle Kinder in der Ganztagsbetreuung.

Bockum-Hövel – Sein Soll hat der Caterer eigentlich erfüllt, und doch lieferte er zu wenig. Mehr als 100 Kinder besuchten am Donnerstag die OGS der Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm, in der es normalerweise auch Mittagessen gibt. Doch mindestens 40 Kinder blieben hungrig. Für sie war kein Essen geliefert worden.

„Ich hatte Essen für meine Tochter bestellt und bezahlt“, sagt eine Bockum-Hövelerin. Mittags habe sie eine OGS-Mitarbeiterin angerufen. Ihre Tochter sei leer ausgegangen und habe nun Hunger, ob sie sie abholen könne? „Ich konnte eigentlich nicht, ich musste ja arbeiten“, sagt die Mutter. Sie habe sich irgendwie freigeschaufelt und ihr Kind abgeholt. „Aber wir haben schon öfter Schwierigkeiten mit dem Mittagessen gehabt. Es war zu wenig da.“

Catering in Schulen: Der Großteil der Schulen bietet ein Mittagessen an

Etwa 40 der 53 städtischen Schulen haben einen Ganztag. Sie alle werden mit Essen beliefert. Zuständig für diesen Auftrag ist die Stadt: Sie muss das Catering an Schulen öffentlich ausschreiben und entscheidet dann, wer das Essen liefert.

Doch zumindest an der Gebrüder-Grimm-Schule war das Catering zuletzt offenbar wenig attraktiv. Bei einer Ausschreibung vor den Sommerferien gab niemand ein verwertbares Angebot ab, erklärte ein Stadtsprecher Ende Juli. Inzwischen gibt es eine neue Ausschreibung, die Stadt sei zuversichtlich, einen neuen Anbieter zu finden, teilte ein Sprecher am Montag mit. Bis zu den Herbstferien liefert der bisherige Caterer weiter.

Caterer hatte zu wenig Essen geliefert - aber der Fehler lag offenbar nicht allein bei ihm

Das ist Dirk Heine. Seine Firma versorgt zahlreiche Schulen und Kitas in Hamm und Umgebung mit Essen. An einigen Schulen habe er immer wieder Schwierigkeiten, dazu gehöre die Grimm-Schule, die 2019 den Deutschen Schulpreis gewonnen hat. „Am Donnerstag waren nur 30 Essen bestellt und bezahlt“, sagt Heine. „Wir haben 30 Essen zusätzlich geliefert.“ Auf den Kosten dafür bleibe er sitzen. Er habe in der Vergangenheit mehrere größere Schulen beliefert. Immer wieder hätten Eltern nicht gezahlt. „Das sind dann ein paar Tausend Euro, die ich von niemandem zurückbekomme“, sagt er.

Klar ist, dass ein Caterer nur die Essen liefern muss, die auch bestellt wurden und bezahlt sind.

Lukas Huster, Pressesprecher der Stadt Hamm

3,80 Euro kostet ein Mittagessen an der Grimm-Schule, erklärt die Stadt Hamm. Vor Kurzem wurde die Bestellung der Mittagessen umgestellt, von täglich auf wöchentlich. „Davon haben wir aber auch nichts erfahren“, sagt eine Mutter. Man habe die Eltern über diesen Wechsel nicht informiert. Ihre Tochter habe aber auch kein Essen erhalten, als die Mutter dann bestellt hatte. Offenbar hatte es sich um eine Verwechslung gehandelt, hieß es später in der Schule. Das falsche Kind habe das Essen erhalten. Die Ausgabe der Mahlzeiten sei mit der täglichen Bestellung tatsächlich kompliziert, räumt Heine ein. „Die Mitarbeiter müssen dann Listen durchgehen, welches Kind Essen bekommt und welches nicht.“

Caterer musste nicht liefern, was nicht bezahlt war

„Klar ist, dass ein Caterer nur die Essen liefern muss, die auch bestellt wurden und bezahlt sind“, erklärt Lukas Huster, Pressesprecher der Stadt. Der Caterer trage aber die Verantwortung dafür, dass die Bestellung möglich ist. Die Stadt appelliert darüber hinaus an die Eigenverantwortung der Eltern: Sie müssten sich um die Bestellung kümmern.

Geht etwas schief, kann das Personal in der Schule die Probleme nicht kurzfristig selber lösen. „Wir würden ja gerne jemanden losschicken, der Brote schmiert oder Nudeln holt“, sagt Schulleiter Frank Wagner. Aufgrund von Hygienevorschriften dürfe man das nicht. Die Stadt bestätigt diese Einschätzung.

Caterer hat nach einer Lösung gesucht und will nun Essen liefern

In den vergangenen Tagen haben OGS-Mitarbeiter und Caterer nach einer Lösung gesucht. Heine will nun für alle Kinder, für die das Essen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bezahlt wird, automatisch liefern. Abrechnen kann er dies direkt mit Jobcenter oder Jugendamt.

Außerdem soll das Essen wieder auf Dauer bestellbar sein. Und bis zum Ende der Woche, verspricht Heine, gibt es Essen für alle. Danach sind die Eltern am Zug: Sie müssen bezahlen und die Dauerbestellung einrichten. 

Kommentar: Es braucht eine Reform

Man kann Privatpersonen – und das ist ein Caterer – nicht aufbürden, das Essen anderer Leute zu bezahlen. Er handelt richtig, wenn er nicht liefert, was weder bestellt noch bezahlt ist. Die Eltern müssen dafür sorgen, dass ihre Kinder in der Schule etwas auf die Teller bekommen. Bloß: Was, wenn sie das nicht tun? Weil sie es vergessen, nicht wissen, nicht können? Dann sitzen Kinder mit knurrendem Magen in öffentlichen Schulen. Das will keiner. Also braucht es eine Reform. Das System sollte einfacher sein. Die Teilnahme an der OGS ist in aller Regel verpflichtend – sind Kinder angemeldet, sind sie mittags dort. Weshalb also wird der Beitrag für das Essen nicht in den OGS-Beitrag integriert, statt zwei Zahlungen zu verlangen? Vielleicht ließe sich in dem Zuge auch festschreiben, dass eine gesunde Ernährung angeboten werden muss. Es gibt weiterhin Schulen, die von Caterern täglich mit Fleischgerichten samt reichlich Kohlenhydraten beliefert werden, die Dutzende Kilometer weit in Styroporboxen transportiert werden. Das ist auf Dauer nicht gesund. Meiner Meinung nach kann Hamm sich eine ungesunde Ernährung der Schüler nicht erlauben. Schließlich sollen möglichst viele von ihnen gesund aufwachsen. Ohne eine gute Ernährung gelingt das nicht. Kommentar von Constanze Juckenack

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