Serie zur Bundestagswahl

Pfarrer Alexander Jasczyk: „Kinderarmut direkt vor unserer Haustür“

Pfarrer Alexander Jasczyk wünscht sich von der Politik mehr Einsatz für soziale Gerechtigkeit.
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Pfarrer Alexander Jasczyk wünscht sich von der Politik mehr Einsatz für soziale Gerechtigkeit.

Der WA und die Lippewelle haben mit mehreren Hammern aus den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sowie aus unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen darüber gesprochen, was sie sich von der Politik wünschen. Teil 6: Alexander Jasczyk.

Hamm – Alexander Jasczyk ist Pfarrer an der Christuskirche und der Apostelkirche und dadurch zuhause im Hammer Westen. Er ist unzufrieden mit der Bundesregierung, weil es auch in Deutschland Kinderarmut gibt, erklärte er im Gespräch mit Svenja Jesse.

Welche Schulnote geben Sie der aktuellen Bundesregierung?

Ehrlich gesagt fällt mein Fazit nicht so positiv aus. Aktuell würde ich ihr eine 4- geben mit gutem Willen. Ansonsten vielleicht eine 5+. Das hat etwas damit zu tun, dass ich während meines Studiums in der Dortmunder Nordstadt gewohnt habe und meine Abschlussarbeit zum Thema Kinderarmut im Ruhrgebiet geschrieben habe. So kenne ich die ganzen Fakten und weiß auch wie schwer es aktuell in Deutschland ist, aufzusteigen. Beim Thema Chancengleichheit kann ich der Regierung leider keine gute Note geben.

Wo gibt es noch Luft nach oben?

Beim Thema Digitalisierung. Während meines Studiums war ich in Estland und weiß daher auch, wie Digitalisierung funktionieren kann. Es wäre schon viel geholfen, dort weiterzukommen. Warum sind zum Beispiel keine QR-Codes zu den Wahlprogrammen oder kurzen Videos der Kandidaten auf den Wahlplakaten? Das fehlt mir.

Die Serie

Am 26. September ist Bundestagswahl. Und selten zuvor war so unklar, wer Deutschland nach der Wahl regieren wird. Der WA und die Lippewelle haben mit vielen Hammern darüber gesprochen, wie sie die Arbeit der Bundesregierung erlebt haben und was sie sich künftig von der Politik wünschen. Dieses Interview gibt es in einer längeren Version auch im Internet unter www.lippewelle.de als Podcast zu hören.

Teil 1: André Petersmann

Teil 2: Runa Rüth

Teil 3: Peter Wehn

Teil 4: Christian Oberdick

Teil 5: Emine Tuzculu

Wie informieren Sie sich dann?

Ich habe in die Wahlprogramme reingeschaut und ansonsten über die Medien – Zeitung und online. Es gibt einige Punkte, die ich super finde und einige weniger. Beim Thema Kinderarmut geht es vor allem um steuerliche Entlastung. Für die Familien und Kinder am untere Ende der Einkommenspyramide wäre das ein Vorteil. Das finde ich gut.

Wie ist Ihr Blick auf Kinderarmut vor Ort?

Ich war in Ruanda und weiß, deshalb ganz genau, wie vielfältig Kinderarmut ist. Man denkt, das ist so fern, aber Kinderarmut findet auch direkt vor unserer Haustür statt. Auch meiner eigenen Arbeit im Hammer Westen weiß ich, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die Zuhause nachmittags und abends nichts zu Essen bekommen. In der Einrichtung frühstücken wir deshalb als erstes oder essen mit ihnen zu Mittag, damit sie wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit haben.

Was sind für Sie privat noch politisch wichtige Themen?

Die soziale Frage, die Klimafrage, Digitalisierung. Das sind drei Themen, neben denen es noch die Generationengerechtigkeit gibt. Es muss einen Dialog zwischen den Generationen geben. Ältere haben etwas zu sagen und junge auch durch neue Ideen und Wege, die sehr gewinnbringend sind. Dafür könnte auch das Wahlalter auf 16 abgesenkt werden.

Wie gucken Sie als Pfarrer auf Politik und Kirche?

Da gibt es Kooperationschancen, um Problem in griff zu bekommen. Kirche kann mithelfen, Programme etwa gegen Kinderarmut auf die Beine zu stellen. In bin in die Kirchen gekommen, obwohl ich nicht kirchlich sozialisiert wurde. Trotzdem bin ich von der Institution überzeugt. Kreativität, emotionale Intelligenz und kritisches Denken ist das, was für mich Kirche ausmacht. Kinder könnte man dahingehend fördern – zusammen mit der Politik.

Viele Hammer sagen, dass es schwierig ist, sich zu entscheiden, wen man wählt. Sie auch?

Für mich ist das Programm wichtiger als die Person. Auch das Team dahinter ist wichtiger. Deshalb wähle ich eher ein Programm und ein Kabinett als eine Person. Ich weiß aber eigentlich schon, wen wähle.

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