Serie zur Bundestagswahl

Anwalt Peter Wehn: „Wir ersticken in Papierkram“

Peter Wehn ist Rechtsanwalt in Hamm.
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Peter Wehn ist Rechtsanwalt in Hamm.

Der WA und die Lippewelle haben mit mehreren Hammern aus den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sowie aus unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen darüber gesprochen, was sie sich von der Politik wünschen. Teil 3: Peter Wehn.

Hamm – Peter Wehn ist Rechtsanwalt in Hamm und kennt durch seine Fälle und sein privates Engagement als Präsident des Lions Clubs Hamm-Bad Hamm viele Facetten der Gesellschaft. Er erklärt im Gespräch mit Cedric Sporkert, dass die Politik für mehr Vereinfachungen im Leben der Menschen sorgen muss.

Welche Schulnote geben Sie der Bundesregierung?

3+, ungefähr.

Warum?

Weil vieles ganz gut gelaufen ist. Und einiges, gerade in letzter Zeit mit Afghanistan als Beispiel, schlecht gelaufen ist. Aber ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass mehr schlecht als gut gewesen ist. Unsere Wirtschaft läuft ganz gut. Oder ist ganz gut gelaufen. Man muss sicherlich die Zeit vor und die nach der Corona-Krise unterscheiden. Aber das sind schon Punkte, die für die Regierung sprechen und die den Menschen auch etwas bringen, weil wir bis auf Ausnahmen auch Wohlstand in Deutschland haben. Wir haben immer noch Frieden. Das ist ja auch heute nicht überall selbstverständlich. Wir haben ein Gesundheitssystem, das im Wesentlichen funktioniert. Natürlich könnte man aber vieles verbessern.

Die Serie

Am 26. September ist Bundestagswahl. Und selten zuvor war so unklar, wer Deutschland nach der Wahl regieren wird. Der WA und die Lippewelle haben mit vielen Hammern darüber gesprochen, wie sie die Arbeit der Bundesregierung erlebt haben und was sie sich künftig von der Politik wünschen. Dieses Interview gibt es in einer längeren Version auch im Internet unter www.lippewelle.de als Podcast zu hören.

Teil 1: André Petersmann

Teil 2: Runa Rüth

Teil 3: Peter Wehn

Teil 4: Christian Oberdick

Wo der Regierung zuletzt die Puste ausgegangen?

In der Klima-Politik. Da denke ich, dass wir etwas mehr Vorreiter spielen müssen, obwohl wir die Weltklimaziele alleine nicht retten können. Wir müssen mehr Druck auf Brasilien ausüben. Das sind so Dinge, über die ich mich ärgere. Was sicherlich passieren muss, sind die einfachen Dinge – dass zum Beispiel jeder, der es kann, bei einem Neubau durchaus auch mit staatlicher Unterstützung Solaranlagen aufs Dach baut. Das kostet keine Arbeitsplätze, das ist einfach.

Was muss aus der Perspektive eines Anwalts von der Politik getan werden, damit sich das Leben für die Gesellschaft verbessert?

Die Justiz und der Staat müssen die Schwachen schützen. Dieses Gerede, dass Arbeitslose nicht arbeiten wollen oder sozial Schwache das selbst verschuldet haben: In Einzelfällen mag das stimmen, aber ich wehre mich gegen solcher Verallgemeinerungen. Dann wünsche ich mir Transparenz und eine deutliche Vereinfachung. Wir ersticken in Papierkrieg, in Anträgen. Die Corona-Hilfen waren gut gedacht, aber das konnte kaum einer richtig ausfüllen – und dann gab es Rückforderungen. Das ist etwas, das ist furchtbar und das muss geändert werden. Oder die Luftfilter für Schulen: Die wurden beschlossen, aber nicht umgesetzt, weil irgendeine Verordnung fehlt.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch an die neue Regierung?

Ich habe gleich zwei: Vereinfachung und Wahrheitsliebe. Also nicht noch mehr komplizierte Regeln schaffen, die die Menschen sowieso nicht verstehen. Und zu dem stehen, was man will, und das dann auch versuchen, im Rahmen des politisch Möglichen umzusetzen. Und nicht heute das eine sagen und morgen das andere machen. Diese Glaubwürdigkeitsprobleme sind das, was die Leute verdriest.

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