Serie zur Bundestagswahl

André Petersmann (31): „Die Politik ist zu uninteressant für junge Leute“

André Petersmann wünscht sich mehr jüngere Menschen in der Politik.
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André Petersmann wünscht sich mehr jüngere Menschen in der Politik.

Der WA und die Lippewelle haben mit mehreren Hammern aus den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sowie aus unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen darüber gesprochen, was sie sich von der Politik wünschen. Teil 1: André Petersmann (31).

Hamm – André Petersmann ist Vertriebsmitarbeiter im Innen- und Außendienst und engagiert sich im Schützenverein Pelkum. Er zieht nach den zurückliegenden Regierungsjahren im Gespräch mit Cedric Sporkert ein durchwachsenes Fazit. Petersmann hofft künftig auf mehr Klimaschutz, bezahlbares Eigentum und eine Verjüngung des Bundestages.

Wenn Sie die aktuelle Bundesregierung mit einer Schulnote bewerten müssten, welche wäre das?

Eine drei, also befriedigend.

Warum eine drei?

Weil ich denke, dass immer noch Luft nach oben gewesen wäre. Aber ich möchte auch nicht alles negativ sehen.

Was fanden Sie nicht gut?

Das, was zuletzt in Afghanistan passiert ist. Dass sich die Außenpolitik zu schnell hat leiten lassen und die Soldaten abgezogen hat. Und dass dadurch jetzt ein ganzes Land vor großen Schwierigkeiten steht.

Die Serie

Am 26. September ist Bundestagswahl. Und selten zuvor war so unklar, wer Deutschland nach der Wahl regieren wird. Der WA und die Lippewelle haben mit vielen Hammern darüber gesprochen, wie sie die Arbeit der Bundesregierung erlebt haben und was sie sich künftig von der Politik wünschen. Dieses Interview gibt es in einer längeren Version auch im Internet unter www.lippewelle.de als Podcast zu hören.

Teil 1: André Petersmann

Teil 2: Runa Rüth

Teil 3: Peter Wehn

Teil 4: Christian Oberdick

Teil 5: Emine Tuzculu

Glauben Sie, dass Deutschland außenpolitisch eine größere und selbstbewusstere Rolle einnehmen müsste?

Klar ist immer noch Luft nach oben, wenn man sich die USA oder Russland anschaut. Oder China. Da ist Deutschland noch ein Stück hinterher. Im Hinblick auf die aktuelle Lage hätte man da von sich aus bessere und eigenere Entscheidungen treffen sollen.

Haben Politiker inzwischen zu viel Angst, einzelne Gruppen zu verärgern und müssten klarer Farbe bekennen, was zum Beispiel die Rechte von Minderheiten angeht?

Ja! Da müsste die Regierung auf jeden Fall noch viel mehr auf die einzelnen Gruppen schauen. Das ist zu wenig gemacht worden und noch eine Menge Luft nach oben.

Im Bundestag ist vermehrt die ältere Generation vertreten. Würden Sie sich wünschen, dass dort mehr Jüngere mitbestimmen?

Natürlich. Was bringt es uns, wenn da nur ältere Leute sitzen? Es ist gut, dass da Menschen sind, die Erfahrung haben. Aber der Altersdurchschnitt ist viel zu hoch. Die Politik ist noch immer viel zu uninteressant für junge Leute. Es ist schwierig, da überhaupt reinzukommen.

Was ist Ihnen für die nächste Regierung wichtig?

Der Klimaschutz natürlich. Das ist ja sowieso gerade das bestimmende Thema. Auch nach der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz. Da muss etwas passieren. Da bin ich mir aber auch sicher, dass da etwas passieren wird. Auch wichtig sind die Verjüngung des Bundestags und die Frauenquote dort. Ich glaube, wir haben im Bundestag eine der höchsten Männerquoten in Europa.

Welches Thema aus Ihrer Lebensrealität muss die Politik anpacken?

Wichtig ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Mieten steigen überall, die Preise für Eigentum werden immer höher. Ich habe mir vor ein paar Jahren selbst Eigentum gekauft. Zu einem Zeitpunkt, als das noch bezahlbar war. Aber ich sehe jetzt viel bei mir im Freundes- und Bekanntenkreis die Situation, dass Freunde Eigentum kaufen wollen. Das ist schwer geworden. Und da spreche ich nicht einmal von Leuten, die kein Geld haben, sondern von Leuten, die viel arbeiten und Geld verdienen – und für die es trotzdem schwierig ist, bezahlbares Eigentum zu erwerben.

Der Bundestag in Zahlen

Das Durchschnittsalter der Bundestagsabgeordneten liegt bei 49,4 Jahren. Den höchsten Altersschnitt hat die AfD (50,8), den niedrigsten haben die Grünen (47,0). Der älteste Bundestagsabgeordnete ist 81 Jahre alt. Der Frauenanteil beträgt 31,4 Prozent – 5,9 Punkte weniger als 2013. Den höchsten Frauenanteil haben Grüne (56,7) und Linken (53,6). Am niedrigsten ist er bei der AfD (10,2).

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