WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 17)

Student Christoph (20) aus Bad Tölz: "Hamm ist schön!"

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Christoph Leitenstorfer aus Bad Tölz studiert gerne in Hamm.

Hamm – Wenn Christoph Leitenstorfer nach dem Aufstehen aus seinem Fenster sah, blickte er bis vor wenigen Monaten auf das Alpenpanorama. Heute schaut er auf einen Hinterhof an der Weststraße.

Die Serie: In unserer Serie „Mut zu Hamm“ berichten Menschen, die in die Stadt gezogen sind, wieso sie hergekommen sind und wieso sie bleiben. (Hier klicken für alle bisherigen Folgen!)

Ihr Vorschlag: Möchten Sie auch jemanden vorschlagen, der „Mut zu Hamm“ beweist? Dann schreiben Sie uns an lokales-hamm@wa.de.

Der 20-jährige gebürtige Bayer lebt und studiert seit Oktober in Hamm – und das gerne. WA. de hat mit ihm in der Reihe „Mut zu Hamm“ gesprochen.

Woher kommen Sie?

Christoph Leitenstorfer: Ich bin in München geboren und in der Oberpfalz und in Bad Tölz aufgewachsen.

Dort ist es so schön, dass da eine ganze Fernsehserie spielte...

Leitenstorfer: Das stimmt, der Ort ist als Urlaubsziel und Filmkulisse etwa in der Serie „Der Bulle von Tölz“ bekannt. Ich vermisse die Alpen auch. Ich habe mich aber bewusst gegen ein Studium in München entschieden, weil ich mehr von Deutschland kennenlernen wollte. 

Wie sind Sie gerade auf Hamm gekommen? 

Leitenstorfer: Über den Studiengang. Ich wollte Arbeits- und Organisationspsychologie studieren – das gibt es nur einmal in Deutschland - hier in Hamm an der SRH.

"Ich finde Menschen spannend"

Worum geht es da?

Leitenstorfer: Der Studiengang gehört zur Wirtschaftspsychologie. Er beschäftigt sich dem Erleben und Verhalten von Menschen am Arbeitsplatz, zum Beispiel mit der Frage, wie man Arbeitsplätze und -abläufe so verbessern kann, dass sich Mitarbeiter im Unternehmen wohlfühlen und bestenfalls Spaß an der Arbeit haben.

Wie sind Sie auf dieses Fach gekommen? 

Leitenstorfer: Ich finde Menschen spannend, wollte aber nicht in die klinische Psychologie. Da erschien mir der Studiengang passend.

Wie viele haben mit Ihnen angefangen? 

Leitenstorfer: Vier. Und wir sind der erste Jahrgang.

Sitzen Sie dann zu Viert im Seminar?

Leitenstorfer: Ja, manchmal teilen wir uns sogar zu Zweit einen Dozenten. Normalerweise sind an der SRH 20 bis 40 Studenten in einem Studiengang. Wir sind dadurch, dass es noch ganz neu ist, viel weniger.

Christoph Leitenstorfer: "Froh, dass ich nicht nach Münster pendele."

Das Studium kostet ja auch Geld. 

Leitenstorfer: Das stimmt, 680 Euro im Monat, wenig ist das nicht. Allerdings auch nicht so viel gemessen an der Betreuungsquote. Und ich sehe es als eine gute Investition in meine Zukunft.

Als Sie sich für den Studiengang entschieden hatten und hörten, dass er in Hamm angeboten wird – was dachten Sie da? 

Leitenstorfer: Ich hatte dazu keine Meinung, ich kannte Hamm ganz einfach nicht. Dabei ist die Stadt mit 180.000 Einwohnern ja groß. Trotzdem weiß außerhalb des Ruhrgebiets kaum jemand, dass es sie gibt. Wenn ich Freunden erzähle, wo ich lebe, fragen die oft, ob ich Hamburg meine. Ich muss sie dann aufklären, „Hamm bei Münster“, sage ich – das kennen sie.

"Der erste Eindruck war nicht gut"

Wie war Ihr erster Eindruck von der Stadt?

Leitenstorfer: Nicht gut. Ich bin mit dem Auto in der Nähe des Bahnhofs angekommen und in einer unschönen Ecke gelandet. Da habe ich überlegt, ob ich lieber in Münster ein WG-Zimmer suchen und pendeln soll. Jetzt bin ich froh, dass ich das nicht mache.

Wieso das? 

Leitenstorfer: Weil Hamm schön ist! Man muss nur die Augen aufmachen, sich die richtigen Ecken aussuchen – und über die nicht so schönen hinwegsehen. Es gibt viele tolle Orte. Die Weststraße zum Beispiel: Ich wohne in einer WG. Von meinem Zimmer aus schaue ich auf den Hinterhof, aus der Küche aber auf die Straße – und sehe vor mir dann richtig schöne Häuser.

"Hamm hat auch kulturell viel zu bieten"

Auch im Künstlerviertel fühle ich mich wohl, da gibt es viel Street Art, richtig cool. Kulturell hat die Stadt viel zu bieten. Und die Mietpreise: Davon kann man in München nur träumen.

Wie leben Sie hier? 

Leitenstorfer: In einer Zweier-WG. Ich habe ein schönes, großes Zimmer, die ganze Wohnung liegt zentral und ist großzügig. Trotzdem zahlen wir zu Zweit nur 500 Euro kalt. In München könnte ich dafür kaum ein Zehn-Quadratmeter-Zimmer bekommen. Mir gefällt an Hamm auch die Mentalität der Leute.

Wie ist die?

"Der Typ sagte: 'Musst du p...?'"

Leitenstorfer: Offen und sehr direkt. Ein Beispiel: An meinem ersten Tag hier wollte ich in der Stadtbücherei die Toilette benutzen und merkte, dass man dazu einen Büchereiausweis brauchte, den ich nicht hatte. Da kam ein Typ und sagte: „Musst du p...?“ – und machte mir die Tür auf.

Ist ja schon vulgär. 

Leitenstorfer: Supervulgär. Aber es ist auch ehrlich – und er hat es nicht böse gemeint. Er hat die Dinge beim Namen genannt und mir geholfen. Ist doch super, und so ganz anders als manchmal in München. Da gibt es Leute, die sich extra hochgestochen ausdrücken, damit sie nach mehr klingen als sie sind. Das ist mir hier noch nicht passiert, und darüber bin ich froh.

Was gefällt Ihnen an Hamm nicht? 

Leitenstorfer: Es fehlen Möglichkeiten zum Feiern. Bad Tölz zum Beispiel hat nur 18.500 Einwohner, aber es gibt vier Nachtclubs. Hier kenne ich nur einen.

"In Didi's Laminklause Schnitt deutlich gesenkt"

Wie finden Sie Anschluss? Wo gehen Sie hin?

Leitenstorfer: Im Enchilada zum Beispiel, auf kleine Partys der SRH – und in Kneipen. Neulich war ich mit ein paar Kommilitonen in Didi’s Kaminklause. Da haben wir den Altersdurchschnitt um 20, 30 Jahre gesenkt. Das machte aber nichts, es war total nett.

Und: Bleiben Sie hier?

Leitenstorfer: Den Bachelor möchte ich auf jeden Fall hier fertig machen, den Master dann woanders an einer staatlichen Universität – dann hätte ich die Möglichkeit, einen Doktor zu machen. Das geht an der SRH leider nicht.

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