WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 12)

Rainer Löb (53): In Hamm gibt es alles, was man braucht

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Dr. Rainer Löb lebt gerne in Hamm.

Hamm - Seit 15 Jahren lebt Dr. Rainer Löb mit seiner Familie in Hamm – und das, obwohl sie vorher von Leipzig sehr angetan waren. Gegenüber WA.de erklärt der in vielen öffentlichen Bereichen tätige 53-Jährige seinen "Mut zu Hamm".

Löb ist Chefarzt der Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der St.-Barbara-Klinik sowie deren Ärztlicher Direktor. Darüber hinaus ist er ständiger Diakon in der Pfarrei St. Franziskus ehrenamtlich bei den Maltesern

Die Serie: Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es primär in unserer Serie „Mut zu Hamm".

tätig sowie Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Städtischen Musikschule.

Woher stammen Sie? 

Rainer Löb: Meine Familie stammt einerseits aus dem Allgäu, andererseits aus Österreich-Ungarn. Ich bin in Franken geboren. Als ich sechs war, sind wir nach Paderborn gezogen.

Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich Erfahrungen gemacht?

Löb: Meine erste Stelle in Paderborn war in einem ganz kleinen Krankenhaus: Es gab in meiner Abteilung den Chefarzt, zwei Oberärzte und mich. Das war das sprichwörtliche kalte Wasser, in das ich dort geworfen wurde – aber ich habe richtig viel gelernt. Zur Facharztweiterbildung war ich in Rheine und bin dann nach Leipzig ans Herzzentrum der Uniklinik gewechselt. Später war ich verantwortlich für die der Herz-Thorax-Anästhesie in Halle an der Saale.

Und seit wann sind Sie in Hamm?

Löb: Seit 2003.

Dr. Rainer Löb auf dem Dach der Barbaraklinik.

Warum sind Sie gekommen?

Löb: Des Berufes wegen. Ich habe eine Stellenanzeige gesehen, es wurde ein Chefarzt der Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin gesucht, in einer Großstadt im südlichen Münsterland. Ich habe die Agentur angerufen und gefragt, wo das sein soll - im südlichen Münsterland gebe es keine Großstadt.

Und? 

Löb: Sie haben mich gefragt, was ich von Hamm hielte. Ich habe gesagt: „Hamm? Eine Großstadt mit 35.000 Einwohnern?“. Daraufhin wurde ich lachend belehrt: In Hamm lebten 180.000 Menschen.

Wie kamen Sie darauf, dass Hamm so klein ist? Sie haben doch in Paderborn gelebt!

Löb: Ja, aber bis Hamm bin ich nie gekommen. Wir fuhren nach Münster, nach Soest, aber nie nach Hamm. Hier war ich vorher nur einmal, bei einem Notarzteinsatz von Rheine aus. Da waren wir über Hamm geflogen und alles sah so grün aus, dass ich abgespeichert hatte: Hamm ist eine Kleinstadt.

Haben Sie seit Ihrer Ankunft mal mit Wegzuggedanken gespielt?

Löb: Nein. Definitiv nicht.

Rainer Löb beim Festkonzert der Musikschule zum 75-jährigen Bestehen im Juni 2015.

Wirklich nicht? Sie sind aus Leipzig hierhergekommen, in Rankings wird der Stadt eine hohe Lebensqualität attestiert. Hamm eher nicht.

Löb: Na gut, in der Anfangszeit manchmal. Als meine Frau an einem grauen Novembertag zum ersten Mal nach Hamm kam und aus dem Bahnhof heraus auf die Horten-Ruine schaute, fragte sie erstmal, wo die Innenstadt ist. Das ist doch traurig, oder? Dass man die Innenstadt nicht erkannt hat, wenn man schon da war! Aber es hat sich viel entwickelt. In Hamm haben wir dann ein wunderschönes Haus mit Garten gefunden. Die Miete kostete genauso viel wie die für unsere Wohnung in Leipzig. Wir wohnen dort heute noch, haben das Haus inzwischen gekauft – diese Lebensqualität hätten wir zum Beispiel in Münster nicht.

Warum sind Sie geblieben?

Löb: In Vorbereitung auf dieses Treffen habe ich unseren 17-jährigen Sohn Johannes gefragt, was er an Hamm mag. Auch er lebt sehr gerne hier. Er sagte: Dass die Stadt so grün ist und es trotzdem alles gibt, was man braucht – mehr

sogar. Dass die Stadt sich positiv und modern entwickelt. Ich bin viel unterwegs und finde es auch gut, dass man so schnell überall ist, im Ruhrgebiet, Münsterland, Sauerland, Leipzig, Berlin, München... Das klingt vielleicht seltsam – Hamm ist toll, weil man schnell woanders hinkommt. Aber auch das ist ein echter Vorteil! Leipzig zum Beispiel ist großartig, aber das Umland nicht sehr attraktiv. Da hat Hamm mehr zu bieten. Es gibt wunderschöne Ecken. Außerdem haben wir hier natürlich wunderbare Menschen getroffen, Freunde gefunden.

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm? 

Löb: Mein erster Eindruck war: Mein Gott, sind die direkt! Ein Kollege kam auf mich zu und sagte: „Aha, Sie sind der Neue. Passen Sie auf, ich sage Ihnen, was wir anpacken müssen.“ Und dann kamen die Punkte 1 bis 10. Ich war von den Sachsen gewohnt, dass sie ein Thema einkreisen, erst langsam auf das zu sprechen kommen, um was es geht. Hier bekommt man alles – rumms! – vor den Kopf geknallt. Das war zuerst ein Schock. Heute finde ich das gut. Klar und direkt – und ehrlich.

Was läuft gut, aus beruflicher Sicht? 

Löb: Die Barbaraklinik hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, ist lebendig. Das macht sehr viel Freude.

Was ist verbesserungswürdig, aus beruflicher Sicht?

Löb: Nichts, was die Stadt tun kann: Alle Krankenhäuser leiden unter der mangelnden Investitionskostenfinanzierung in Nordrhein-Westfalen. Da muss das Land aktiv werden. Mehr Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kliniken ist wichtig. Mit Blick auf die Stadt Hamm ist es wichtig, weiter daran zu arbeiten, Studenten hier zu halten, wenn sie ihren Abschluss haben. Damit sie hier bleiben, Familien und Firmen gründen. Das täte Hamm sehr gut.

Mehr "Mut zu Hamm":

Kneipenwirt Karsten Plaß (48): "Hört auf mit dem Rumgejammere!" (1)

Pfarrer Bernd Mönkebüscher (52): "Erlebe die Stadt sehr offen" (2)

HSHL-Professor Olaf Goebel: Leute sind hilfsbereit und unkompliziert (3)

Büchereichef Jens Boyer (45): Hamm statt London - warum eigentlich nicht?! (4)

Warhammer-Filialist Eric Lendeckel (26): Hamm ist zu schön für Trübsinn (5)

Conny Kraft, Lippewelle: Sie hat in Hamm ihr Glück gefunden (6)

Dirk Böcker (55, Arzt): Auf die Worte der Hammer ist Verlass (7)

Barbara Kölling (55, Regisseurin): Hamm ist ein guter Ort für Familien (8)

André Krawczyk (39, Gastronom): Die Hammer sind so offen (9)

Evelyn Bieker (56, Qualitätsmanagerin): Finde Hamm sehr facettenreich (10)

Anne-Marie Stockebrand (69, Französischlehrerin): Fand die Hammer erst stur (11)

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