WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 13)

Mareike Boccola (42): Hamm wird viel zu schlecht geredet

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Mareike Boccola: "Wir tragen Verantwortung für über 40 Familien."

Hamm - Mareike Boccola hat für große Firmen in München, Peking und Abu Dhabi gearbeitet – und sich trotzdem entschieden, zurück in ihre Geburtsstadt Hamm zu kommen. Für Familien sei die grüne Stadt ideal, sagt die 42-Jährige - allerdings fehle es an Fachkräften.

Das Hammer Unternehmen Hauschild Engineering ist Weltmarktführer mit Mischgeräten, die zum Beispiel in

Die Serie: Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es primär in unserer Serie „Mut zu Hamm".

Zahnlaboren und in der Kosmetik genutzt werden. Am Firmensitz in Bockum-Hövel reagieren 35 Mitarbeiter auf Kundenwünsche aus der ganzen Welt. Chefin ist Mareike Boccola, die zwar in Hamm geboren wurde, für ihre Karriere aber weltweit unterwegs war. Boccolas Bekenntnis zu ihrer Heimatstadt ist mit „Mut zu Hamm“ gleichzusetzen – den sie nie bereut hat. WA.de befragte die 42-jährige Unternehmerin.

Woher stammen Sie? Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich Ihre Erfahrungen gemacht? 

Mareike Boccola: Ich bin in Hamm geboren und habe hier mein Abitur gemacht. Nach dem Studium der BWL hat mich mein beruflicher Werdegang über München nach Peking und dann nach Abu Dhabi verschlagen. In München habe ich bei einem Technologie-Start-Up im Bereich Wasseraufbereitung das Marketing betreut und bin dann nach China gezogen, um dort das Landesbüro aufzubauen. Dort habe ich vier Jahre gelebt, neben China auch Südkorea und Japan betreut und als Highlight des Aufenthalts auch meinen Mann kennengelernt. Danach bin ich wiederum im Bereich Wasser-/Meerwasseraufbereitung für einen großen spanischen Konzern nach Abu Dhabi gegangen, um dort ebenfalls das Landesbüro aufzubauen und die großen Wasserinfrastrukturprojekte im arabischen Raum zu betreuen. Insgesamt habe ich sechs Jahre in Abu Dhabi verbracht.

Umzug nach Hamm nie bereut

Seit wann sind Sie in Hamm in diesem Job aktiv? 

Boccola: Ich bin seit 2013 wieder in Hamm und habe sukzessive das elterliche Unternehmen mit meinem Mann übernommen. Mittlerweile hat mein Vater sich komplett aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.

Warum sind Sie (wieder) nach Hamm gekommen? 

Boccola: Zu seinem 65. Lebensjahr stand bei meinem Vater die Frage der Nachfolge an, und er wollte meine Entscheidung, ob ich zurückkomme oder er eine anderweitige Lösung suchen sollte. Wir haben uns dann für die Übernahme und den Umzug nach Hamm entschieden und diesen auch nicht bereut.

Wurzeln schlagen ist wichtig

Haben Sie in dieser Zeit mal mit Wegzuggedanken gespielt? 

Boccola: Nein, das Unternehmen macht uns viel Freude, und das Leben in Hamm hat auch seine Vorteile, wenn man nach den etwas größeren Metropolen natürlich auch Dinge vermisst, wie ein größeres kulturelles oder kulinarisches Angebot.

Warum sind Sie bis heute geblieben? 

Boccola: Das eigene Unternehmen verwurzelt natürlich, wir tragen Verantwortung für über 40 Familien und möchten diese Arbeitsplätze nicht nur sichern, sondern auch ausbauen. Und die internationale Ausrichtung (wir verkaufen in über 40 Länder) ermöglicht es mir, weiterhin mein „Reise-Gen“ auszuleben. Weiterhin war es wichtig, mit der Familie „Wurzeln zu schlagen“ und nicht mit den mittlerweile geborenen Kindern weiter von Ort zu Ort zu ziehen und ein Nomadenleben zu führen.

Boccolas Unternehmen ist Weltmarktführer mit bei speziellen Mischgeräten.

Stadt für junge Familien perfekt

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm – auch und besonders im Vergleich zu vorherigen Wirkungsorten? 

Boccola: Hamm wird mir immer viel zu schlecht geredet. Die Stadt ist so grün, man hat kurze Wege, gerade für junge Familien finde ich sie perfekt. Die Menschen sind offen, wenn man offen auf sie zugeht. Mir gefällt vor allem, dass man sehr direkt miteinander sprechen kann, viele packen auch an, wenn man sie bittet. Gerade im Bereich Ehrenamt herrscht meines Erachtens eine bemerkenswerte Kultur vor. In Asien sind die Menschen sehr darauf bedacht, ihr Gesicht nicht zu verlieren, das macht einem das Leben und Arbeiten oftmals sehr schwer und die Effizienz und Produktivität leidet genauso wie das „menscheln“, weil man sich einfach nicht näher kommt beziehungsweise den Dingen auf den Grund gehen kann.

Was lief beziehungsweise läuft gut, aus beruflicher Sicht? 

Boccola: Das Unternehmen wächst, mein Mann und ich können die Erfahrungen aus Großkonzernen gut einsetzen, um uns für das weitere Wachstum gut vorzubereiten. Entgegen der vorherrschenden Meinung ist die Bürokratie in Deutschland gar nicht so schlimm, da habe ich in China und den Emiraten andere Dinge erlebt, und wir erleben es in Hamm sehr unkompliziert und flexibel.

Leiden unter Fachkräftemangel

Was ist verbesserungswürdig, aus beruflicher Sicht, und was müsste sich dafür gegebenenfalls ändern?

Boccola: Wir leiden sehr unter dem Fachkräftemangel, und es ist sehr schwer, gut ausgebildete Leute zu bekommen. Mir liegt daher die Vermarktung und Stärkung des Standorts Hamm sehr am Herzen. Ein interessanter Standort und Wohnort mit vielen Möglichkeiten und einem guten Arbeitsklima trägt sicherlich dazu bei, dass mehr Arbeitnehmer auch den Umzug oder Rückzug nach Hamm wagen.

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Kneipenwirt Karsten Plaß (48): "Hört auf mit dem Rumgejammere!" (1)

Pfarrer Bernd Mönkebüscher (52): "Erlebe die Stadt sehr offen" (2)

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Evelyn Bieker (56, Qualitätsmanagerin): Finde Hamm sehr facettenreich (10)

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