WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 4)

Jens Boyer (45): Hamm statt London - warum eigentlich nicht?!

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Jens Boyer ist Leiter der Stadtbücherei.

Hamm - Wer es von Hamm aus beruflich in so bekannte Städte wie Frankfurt, München, Tokio und London geschafft hat, kehrt nicht wieder in die Lippestadt zurück – sollte man glauben. Doch Jens Boyer hat genau diesen Schritt gemacht.

In Hamm will der Leiter der Stadtbüchereien die Entwicklung der Stadt mitgestalten, deren freundliche und hilfsbereite Menschen er schätzt. Der 45-jährige hat also durchaus „Mut zu Hamm“, wie auch im Gespräch mit WA.de deutlich wird.

Woher stammen Sie? Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich Ihre Erfahrungen gemacht? 

Jens Boyer: Ich bin in Hamm geboren und aufgewachsen, nach dem Abitur und dem Wehrdienst folgten Studium und Ausbildung

Die Serie. Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es in unserer Serie „Mut zu Hamm“, die wir lose fortsetzen werden.

zum Diplom-Bibliothekar in Frankfurt am Main und Darmstadt. In Frankfurt war ich danach zunächst für eine große Bank und eine internationale Unternehmensberatung tätig, bevor ich 2001 zum Goethe-Institut wechselte und in den folgenden 16 Jahren in München, Tokyo und London gearbeitet habe. Von 2009 bis 2011 habe ich an der TH Köln ein berufsbegleitendes Masterstudium in Library and Information Science absolviert.

Seit wann sind Sie in Hamm in Ihrem Job aktiv? 

Boyer: Ich habe im Oktober 2017 die Leitung der Stadtbüchereien übernommen, bin dafür mit meiner Familie von London nach Hamm gezogen.

Warum sind Sie wieder nach Hamm gekommen?

Boyer: Während meiner Arbeit für das Goethe-Institut gab es immer wieder Gelegenheit, die

"Mut zu Hamm":

Kneipenwirt Karsten Plaß (48): "Hört auf mit dem Rumgejammere!" (Teil 1)

Pastor Bernd Mönkebüscher (52): "Erlebe die Stadt sehr offen" (Teil 2)

HSHL-Professor Olaf Goebel, Hamm: Leute sind hilfsbereit und unkompliziert (Teil 3)

Entwicklung der Stadtbüchereien zu verfolgen, zum Beispiel die Auszeichnung als Bibliothek des Jahres 2005 oder den Neubau der Zentralbibliothek 2010. Als dann ein Nachfolger für Dr. Pirsich gesucht wurde, empfand ich dies als glückliche Fügung, da ich zu dieser Zeit nach einer neuen Herausforderung Ausschau gehalten hatte. Wichtig ist mir auch die Möglichkeit, die Entwicklung der Stadt an dieser Stelle mit zu gestalten.

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm – auch und besonders im Vergleich zu vorherigen Wirkungsorten?

Boyer: Wir sind mit großer Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft empfangen worden, von Freunden, Kollegen und Nachbarn, aber genauso auch im Kontakt etwa mit Bürgeramt und Schule. So haben wir uns schnell heimisch gefühlt.

Wie hat sich Hamm und wie haben sich seine Einwohner in der Zeit, in der Sie nicht hier waren, verändert?

Boyer: Die auffälligste Veränderung ist für mich der Schritt zur Hochschulstadt. Auch wenn diese Entwicklung noch am Anfang steht und sicherlich noch einige weitere Jahre braucht, so ist schon jetzt die positive Wirkung klar erkennbar.

Was könnten die Hammer von den Menschen aus London oder Tokio, lernen?

Boyer: In Japan hat mich sehr beeindruckt zu erleben, wie wichtig der Beitrag jedes Einzelnen für das Gelingen des

gesellschaftlichen Zusammenlebens ist, und dass dies auch bedeutet, die eigenen Interessen zugunsten des Gemeinwesens einmal zurückzustellen. In England habe ich beruflich und privat erlebt, wie erfrischend es sein kann, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, dies mit einer passenden Prise Humor zu verbinden und dabei professionell und verbindlich zu sein. Ich versuche mir diese Eindrücke zu bewahren und mich daran zu orientieren.

Was läuft gut, aus beruflicher Sicht?

Boyer: Die Stadtbüchereien haben sich dank des engagierten Teams in den vergangenen Jahren

kontinuierlich weiterentwickelt, dies gilt für das Medien- und Veranstaltungsangebot ebenso wie für unsere Standorte. Diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen und können dabei glücklicherweise auf eine breite Unterstützung in der Bevölkerung, zum Beispiel im Freundeskreis der Stadtbücherei vertrauen. Es gibt zudem ein sehr vielfältiges Netzwerk an Partnern und Institutionen, die an Kooperationen interessiert sind.

Was ist in Hamm verbesserungswürdig, und was müsste sich gegebenenfalls ändern?

Boyer: Hamm hat die Chance, zukunftsweisende Entwicklungen wie etwa neue Mobilitätskonzepte modellhaft zu erproben und für die Stadtgesellschaft umzusetzen. Als Großstadt bestehen hierzu die Möglichkeiten und Voraussetzungen, gleichzeitig ist die Stadt noch überschaubar genug, um Prozesse schnell anstoßen zu können, die in größeren Städten vielleicht komplizierter oder langwieriger wären. Wie würde zum Beispiel ein Hamm aussehen, in dem die Hälfte oder mehr aller Fahrten mit dem Fahrrad und dem Öffentlichen Nahverkehr unternommen werden?

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