WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 5)

Eric Lendeckel (26): Hamm ist zu schön für Trübsinn

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Eric Lendeckel vor seiner Filiale in der Oststraße. Der 26-Jährige fühlt sich wohl in Hamm: "Ich brauche keine 24/7-Action."

Hamm - Eric Lendeckel zählt sicherlich zu den jüngsten und ungewöhnlichen Unternehmern in der Stadt. Mit Wurzeln mehr oder weniger tief im Osten Deutschlands, beweist der 26-Jährige seit Anfang 2018 "Mut zu Hamm". Bereut hat er es bisher nicht.

Im früheren Musik-Blum-Ladenlokal führt Eric Lendeckel seit Februar eine „Warhammer“-Filiale, in der für das britische Unternehmen „Games Workshop“ Fantasy-Miniaturen und -Spielewelten verkauft werden. Also ein optisch wie inhaltlich

Die Serie. Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es in unserer Serie „Mut zu Hamm“, die wir lose fortsetzen werden.

ungewöhnliches Angebot an der Oststraße, die meist erst ab dem Abend als Gastromeile belebt ist. Für den Standort und die Menschen findet der junge Mann im Gespräch mit WA.de sowohl lobende wie kritische Worte. Unterm Strich hat sich Lendeckels „Mut zu Hamm“ ausgezahlt.

Woher stammen Sie? Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich ihre Erfahrungen gemacht?

Eric Lendeckel: Ich bin gebürtiger Thüringer. Durch mehrfache Umzüge bin ich erst in Detmold gelandet, wo ich meine Ausbildung an einer Tankstelle gemacht habe, danach zog es mich nach Bielefeld, weil es einfach näher zu meiner Arbeitsstelle in Gütersloh lag. Als ich sah, dass Games Workshop Store-Manager für Hamm sucht, habe ich mich beworben. So bin ich schließlich hier gelandet.

Seit wann sind Sie in Hamm in diesem Job aktiv? 

Lendeckel: Mein Laden wurde dieses Jahr im Februar eröffnet. Und das ziemlich erfolgreich.

Wohnen Sie auch in Hamm, und wie geht es Ihnen damit?

Lendeckel: Ehrlich gesagt, wohne ich noch gar nicht in Hamm, auch wenn ich definitiv mehr Zeit hier als zu Hause verbringe. Der Umzug steht schon an. Wenn alles gut läuft, bin ich ab Oktober hier heimisch.

Warum wollen Sie nach Hamm ziehen?

Lendeckel: Das hat zum einen offensichtliche berufliche Gründe. Mit der Zeit und dem Geld, das ich ins Pendeln stecke, weiß ich

definitiv Besseres anzufangen. Zum anderen gefällt mir die Stadt wirklich gut. Sicher, es gibt viele Unkenrufe gegen Hamm, aber die Stadt hat ihre guten und schönen Seiten.

Wer schon einmal in Bielefeld war weiß: Es ist hektisch, laut, dreckig und existiert nicht. Ich persönlich habe aber gern ein ruhiges Umfeld. Ich brauche keine 24/7-Action, mir reicht ein ruhiger Spaziergang, wo Hamm definitiv punkten kann, und eine gemütliche Kneipe für den Feierabend.

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm – auch und besonders im Vergleich zu vorherigen Wirkungsorten?

Lendeckel: Wenn ich an die Menschen aus Detmold und Bielefeld denke... Da ist Hamm sicher einen guten Schritt voraus. Die Menschen sind weniger verschlossen und engstirnig – diese freundliche und offene Art, die mir gerade von den benachbarten Ladenhaltern entgegenschlägt, bin ich so gar nicht gewohnt. Es macht Spaß, hier zu arbeiten.

"Grandioser Start": Eröffnung der Warhammer-Filiale Anfang Februar 2018.

Was lief beziehungsweise läuft gut, aus beruflicher Sicht?

Lendeckel: Der Laden hatte einen grandiosen Start, anders kann man es nicht sagen. Auch die Eigentümerin, die Hausverwaltung und die Nachbarn, sind hilfsbereit und angenehm. Doch obwohl ich in der Innenstadt gelegen bin, fehlt das Gefühl, sich in der Innenstadt zu befinden. Tagsüber ist es außerordentlich ruhig, und das ist oft problematisch für einen Laden.

Was ist verbesserungswürdig, aus beruflicher Sicht, und was müsste sich dafür gegebenenfalls ändern?

Lendeckel: Wie gesagt, bin ich aus beruflicher Sicht weitgehend zufrieden, auch wenn mir der Mangel an Laufkundschaft gelegentlich Sorgen macht. Was sich ändern müsste? Ich bin vermutlich zu jung und unerfahren, um das gut einschätzen zu können, aber es mangelt in Hamm an Gemeinschaftsgefühl, und es wirkt manchmal trübsinnig. Hamm ist eine schöne Stadt mit viel Potenzial und einer reichhaltigen Geschichte. Darauf kann man doch stolz sein.

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