WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 11)

Anne-Marie Stockebrand (69): Fand die Hammer erst stur

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Anne-Marie Stockebrand

Hamm - Mehr als 1000 Hammern hat Anne-Marie Stockebrand Französisch beigebracht: Die gebürtige Französin (69) war über 42 Jahre lang Dozentin für Französisch an der Volkshochschule.

WA.de hat Anne-Marie Stockebrand gefragt, was sie nach Hamm verschlagen hat und wie sie ihren "Mut zu Hamm"

Die Serie: Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es primär in unserer Serie „Mut zu Hamm".

definiert.

Woher stammen Sie? Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich Ihre Erfahrungen gemacht? 

Anne-Marie Stockebrand: Ich stamme aus der Heimatstadt von unserem Präsidenten Macron, aus Amiens. Das liegt in Nordfrankreich. Macrons Frau stammt ja auch von dort, ihre Familie hatte dort ein Schokoladengeschäft. Als Studentin habe ich dort öfter Schokolade gekauft. Bevor ich nach Hamm kam, in den 1970ern, habe ich in Saarbrücken Deutsch studiert und später Französisch. In Leverkusen habe ich als Französisch-Assistentin gearbeitet, später auch in Wadersloh.

Seit wann sind Sie in Hamm? 

Stockebrand: Ich bin 1973 nach Hamm gekommen.

Und warum? 

Stockebrand: Durch Heirat. Mein Mann stammte aus Hamm. Ich habe die Stadt mit dem Fahrrad kennengelernt. Dann habe ich hauptsächlich an der VHS als Französisch-Dozentin gearbeitet und vier Kinder bekommen.

Haben Sie in dieser Zeit mal mit Wegzuggedanken gespielt? 

Stockebrand: Nein. Ich fahre gern nach Frankreich, aber genauso gern nach Hamm zurück. Gezweifelt habe ich

höchstens nach dem Tod meines Mannes vor 25 Jahren. Das war sehr schwierig damals, alleine mit vier Kindern. Sie waren zwischen acht und 18 Jahren alt, mussten noch zur Schule. Ich wollte, dass sie in ihrem Elternhaus bleiben konnten. Das hat auch geklappt, obwohl ich nicht im Grundbuch stand. Aber hätte das nicht geklappt... Wer weiß, was dann gewesen wäre.

Was hat Ihnen geholfen? 

Stockebrand: Meine Arbeit. Und ich habe nach einer Weile Tanzkurse gemacht, Single-Kurse, das war gut. Außerdem musste ich erst mal die Frauen bei den befreundeten Paaren beruhigen: Sie hatten Angst, dass ich als Französin ihnen die Männer wegnehme.

Warum sind Sie bis heute geblieben? 

Stockebrand: Mir gefiel meine Arbeit wirklich gut. Und außerdem liebe ich es, in Deutschland zu leben. Die deutsch-französische Freundschaft hat bei uns zu Hause eine große Rolle gespielt. Das prägt mich bis heute.

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm – auch und besonders im Vergleich zu vorherigen Wohnorten?

Stockebrand: Zuerst fand ich sie stur. Sturer als die Leute in Amiens. Aber inzwischen nehme ich sie, wie sie sind. Ich

erwarte allerdings das Gleiche. Gerade am Anfang haben sie versucht, mich zu erziehen. Als ich neu in Hamm war und im Vorgarten gearbeitet habe, ist ein Mann ständig auf dem Gehweg vorbeigekommen. Ich habe ihn irgendwann gegrüßt. Das hat eine Nachbarin beobachtet und mir gesagt, dass sich das nicht schickt (kichert), weil es andersherum sein muss. Heute muss man nicht mehr ganz so prinzipientreu sein.

Was lief gut aus beruflicher Sicht? 

Stockebrand: Die Kurse mit Erwachsenen haben mir wirklich gut gefallen. Sie sind so motiviert! Es ist toll, die Fortschritte zu sehen. Ein Kursus lief über 40 Jahre. Wir treffen uns auch jetzt noch alle paar Monate zum Essen.

Was ist verbesserungswürdig aus beruflicher Sicht, und was müsste sich dafür ändern? 

Stockebrand: Es müsste Arbeit für alle geben. Es macht mich traurig, wenn ich die deutschen Obdachlosen bei Edeka sehe. Für mich persönlich hätte auch die Organisation in der VHS besser sein können. Es fehlte eine Koordination zwischen den Büros und den Dozenten.

Mehr "Mut zu Hamm":

Kneipenwirt Karsten Plaß (48): "Hört auf mit dem Rumgejammere!" (1)

Pfarrer Bernd Mönkebüscher (52): "Erlebe die Stadt sehr offen" (2)

HSHL-Professor Olaf Goebel: Leute sind hilfsbereit und unkompliziert (3)

Büchereichef Jens Boyer (45): Hamm statt London - warum eigentlich nicht?! (4)

Warhammer-Filialist Eric Lendeckel (26): Hamm ist zu schön für Trübsinn (5)

Conny Kraft, Lippewelle: Sie hat in Hamm ihr Glück gefunden (6)

Dirk Böcker (55, Arzt): Auf die Worte der Hammer ist Verlass (7)

Barbara Kölling (55, Regisseurin): Hamm ist ein guter Ort für Familien (8)

André Krawczyk (39, Gastronom): Die Hammer sind so offen (9)

Evelyn Bieker (56, Qualitätsmanagerin): Finde Hamm sehr facettenreich (10)

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