Hammer Innenstadt

Vor Corona-Lockdown: Fußgängerzone, Allee-Center, Baumärkte voll - Friseure ändern Öffnungszeiten

Fußgängerzone Hamm am Wochenende vor dem Lockdown im Dezember 2020.
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Geduldiges Warten: Die Abstand-Schlange vor der Buchhandlung zog sich Samstag quer durch die Fußgängerzone.

Dass nicht nur das Christkind, sondern auch der Lockdown vor der Tür steht, ist aktuell an etlichen Orten im Stadtgebiet – vor allem im Innenstadtbereich – zu merken. Ein Rundgang.

Hamm - Am Montag drubbelte es sich bereits am Vormittag auf den großen Parkplätzen in der Innenstadt. Viele Hammer nutzen die beiden letzten Tage vor dem Lockdown offenbar, um noch eilig Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Auch am Wochenende war es bereits spürbar voller als üblich. (News zum Coronavirus in Hamm.)

Der Wochenmarkt an der Pauluskirche? War am Samstag gut besucht, die Abstandsregeln mittlerweile Routine. In den umliegenden Läden? Tummelten sich viele Shoppingwillige. Auch vor dem Allee-Center bildeten sich an allen drei Eingängen beachtliche Schlangen.

Neue Öffnungszeiten und lange Schlangen

Andreas Kohl hatte in weiser Voraussicht sein Kunstgewerbe-Geschäft schon um 9 Uhr geöffnet. Seine Erfahrung in Coronazeiten fasste er in einem Reim zusammen: „Kein Urlaub und kein Essen gehen, da macht man sich’s zuhause schön“. Daher sei er für diese Zeit mit dem Zuspruch der Kundschaft auch zufrieden.

Andreas Kohl hatte in seinem Geschäft am Samstag gut zu tun.

Ähnlich sah es Margret Holota, die sich über mangelnden Zulauf ebenfalls nicht beklagen konnte. Vor ihrem Geschäft in der Weststraße standen die Kunden quer durch die Fußgängerzone geduldig Schlange. „Am meisten freut mich, dass Bücher wieder einen höheren Stellenwert bekommen haben“, sagte die Verkäuferin. Wie zur Bestätigung fragte ein Kunde: „Der Lockdown kommt, wie soll ich das ohne gute Bücher überstehen?“

Fußgängerzone: „Hier ist die Hölle los!“

Vor dem Juwelier Liebehenschel stand Familie Knäpper und wartete auf Einlass. „Sollte das Weihnachtsgeschenk noch nicht fertig sein, dann gibt es eben nichts“, gab sich der Familienvater gespielt rigoros. Doch ganz leer wird der Gabentisch wohl nicht bleiben. Britta Knäpper verrät: „Wir haben schon sehr früh mit der Geschenke-Suche begonnen und können darum ganz entspannt sein.“

Maskenpflicht mal anders: Dieses Pärchen nahm die Corona-Regeln ganz genau.

Von Entspannung war einige Türen weiter bei einem Bekleidungsgeschäft nichts zu spüren. Obwohl in dem Korb am Eingang noch viele Weihnachtskugeln für den kontrollierten Zugang bereitlagen, hatten die Angestellten viel zu tun. „Hier ist die Hölle los!“, hieß es durch die halb geöffnete Ladentür.

Reisefachfrau: Menschen wollen eigenen vier Wänden entfliehen

Ganz so voll war das First Reisebüro am Marktplatz zwar nicht, aber Inhaberin Daniela Friedrich freute sich trotzdem über überraschend viele Kunden. Ihr Engagement, allen Widrigkeiten zum Trotz präsent zu sein, zahle sich aus. „Spätestens seit der Aussicht auf Impfungen ist die Vorfreude, den heimischen vier Wänden endlich mal wieder entfliehen zu können, spürbar.“

Auch das „Tannen-Taxi“ von Florian Lehn brummt schon jetzt wegen des anstehenden Lockdown. „In der ersten Woche haben wir soviel verkauft wie sonst in zwei Wochen“, sagte er. Die Situation im Stammgeschäft in Hilbeck lasse sich mit dem Wort „Explosion“ am besten beschreiben. Nicht nur in der Innenstadt waren Weihnachtsbäume gefragt. Auch beim TuS Wiescherhöfen an der Wielandstraße wurden am Samstag alle zur Verfügung stehenden Nadelbäume verkauft, der geplante Verkaufstag am Sonntag mangels Nachschub spontan gestrichen.

Heimwerker haben Humor nicht verloren

Christian Poggel und Frank Lührs-Poggel von „Viel Schmuckes“ merken seit gut einer Woche, dass es auf Weihnachten zugeht. „Man merkt allerdings auch, dass den Jüngeren das Geld fehlt und die Älteren sich wohl aus Angst vor Ansteckung weniger in der Stadt tummeln.“ Und obwohl die zehn eigentlich besten Verkaufstage und die verzweifelten Ehemänner am Mittag des Heiligabends nun wegfielen, haben sie Verständnis für die drastischen Maßnahmen.

Offenbar gehen den Hammer Heimwerkern auch im Winter die Ideen nicht aus, wie sie den Lockdown tatkräftig überbrücken – und auch den Humor haben sie nicht verloren. Vor den Baumärkten bildeten sich jedenfalls ebenso lange Schlangen wie vor dem Allee-Center. „Das sollte jetzt aber auch der letzte Lockdown sein. Bald sind bei uns im Haus alle Zimmer durchrenoviert. Danach kommt meine Frau nur auf komische Gedanken“, sagte ein ergrauter Mann in der Warteschlange am Hellweg-Baumarkt. Das verschmitzte Lächeln war selbst hinter dem schwarz-gelben BVB-Mundschutz deutlich zu erkennen.

Verständnis für Maßnahmen groß

Kurz vor der Schließung am Mittwoch versuchen einige Friseure, noch schnell die eine oder andere Kopfbehaarung festtauglich zu trimmen. Im Netz rührten mehrere Betriebe die Werbetrommel für verlängerte Öffnungszeiten sogar am heutigen Montag – normalerweise ist das für Friseure ein fast heiliger Ruhetag. Termine waren am Sonntag schnell vergriffen.

Auch auf dem Wochenmarkt standen die Hammer geduldig in der Schlange.

Darüber, wie sehr der Lockdown zur Eindämmung der Pandemie beitragen wird, waren sich die Hammer uneinig. Der überwiegende Teil befürwortete die harten Einschnitte zwar. Dennoch wird sich wohl vor allem an Weihnachten längst nicht jeder an die Kontaktbeschränkungen halten. „Wir reduzieren schon in den kommenden zwei Wochen extra die Kontakte. Da können wir uns an Weihnachten vielleicht ein bisschen mehr erlauben“, meinte eine Passantin in der Fußgängerzone. „Die engste Familie besteht allein schon aus mehr als fünf Menschen.“

Corona in Hamm - das bewegt die Menschen aktuell

  • Die Dreifachturnhalle an der Friedensschule wird bis zum 15. Dezember zum Corona-Impfzentrum umgerüstet sein. 18.000 Impfungen pro Monat, 600 pro Tag, sollen dort vorgenommen werden können
  • Von Eltern, Lehrern und Schülern gibt es viel Kritik an der Kommunikation zur neuen Vorgehensweise in den Schulen ab diesem Montag. Bei Kindern der Klassen 1 bis 7 entscheiden die Eltern, ob sie in die Schule gehen. Die Klassen 8 bis 13 sind im Distanzunterricht.
  • Oberbürgermeister Marc Herter hat in einer ersten Stellungnahme am Sonntag den kommenden Corona-Lockdown begrüßt. Er sah auch ein Licht am Ende des Tunnels.

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