Boom-Geschäft für Hammer Händler nach Aus für Analog-TV

+
Ausgediente Fernseher und Monitore werden auch am Recyclinghof angenommen, hier von Mitarbeiter Michael Kaiser.

Hamm - Buchstäblich in die Röhre schauten tausende Hammer Ende Juni, als ihre Geräte mit dem Ende des analogen Kabelfernsehens von einem Moment auf den anderen stumm und dunkel blieben. In ihrer Not stürmten sie die heimischen Elektronik-Anbieter, als gäbe es kein Morgen mehr.

Sie bescherten den Läden ein Geschäft wie sonst nicht einmal vor Weihnachten oder einer Fußball-WM. „Ein oder zwei Tage nach der Umstellung war bei uns die Hölle los“, erinnert sich Herbert Olbrich lebhaft an die Situation in seinem Fachmarkt Raschka. Ähnliche Erfahrungen wurden in allen anderen Hammer Geschäften gemacht. Zum Beispiel von Rainer Stobbe von Rinsche: „Die letzten drei Wochen waren heftig“.

Dabei hatte der Kabelanbieter Unitymedia doch „nur“ getan, was er und viele Technikanbieter seit Monaten verkündet hatten: ein veraltetes Fernsehsystem abgeschaltet. Damit sind seit dem 27. Juni in Hamm nur noch digitale Sender empfangbar. Und die sind mit älteren Geräten eben nicht mehr ohne weiteres zu sehen.

Tagelang war das zuletzt sogar während der Fernsehprogramme mit Laufbändern verkündet worden. Und doch habe es Kunden gegeben, die offenbar „nicht einmal diese wahrgenommen“ haben, wundert sich Raschka-Mann Olbrich.

In der Regel genügt ein einfacher Receiver

Dabei ist die Lösung eigentlich ganz simpel: Es genügt ein einfacher Receiver zwischen Antennenkabel und dem alten Fernseher (ab etwa 40 Euro), alternativ muss ein Fernseher jüngerer – also digitaltauglicher – Generation her.

Und weil das „eigentlich“ ganz einfach ist, waren vor allem die Receiver im billigen Bereich nicht nur plötzlich massiv nachgefragt, sondern teilweise sogar schnell ausverkauft. „Die Kurve ist nach dem ‘Tag der Dunkelheit’ steil nach oben gegangnen“, freut sich Berlet-Chef-Matthias Scheinhütte im Einklang mit allen Kollegen anderer Hammer Märkte über das in dieser Form unerwartete Geschäft. Raschka-Mann Olbrich präzisiert für seinen Betrieb: „Wo sonst in der Woche fünf bis zehn Receiver weg gingen, waren es Anfang Juli bis zu 50 am Tag.“

Zu wenig Ware für zu viele Kunden?

Scheinhüttes Beobachtung nach gab es in Hamm unterm Strich „viel zu wenig Ware für viel zu viele Kunden“. Ein dazu passender Eindruck kommt von Rainer Stobbe: „Unser Rinsche-Kundendienst arbeitet jetzt noch Aufträge ab.“ Inzwischen ist das Lagerangebot überall weitgehend wieder aufgestockt; allein beim Wunsch nach den günstigsten Geräten könnte es noch Probleme geben.

Bericht unserer Partnerzeitung in Soest

Neben dem Ansturm erlebten so manche Händler weitere Überraschungen. „Da sind tatsächlich bis zu 30 Jahre alte Röhrenfernseher zurück gekommen“, schmunzelt Jens Pollmer vom Fachgeschäft Hensel. „Man sollte es nicht für möglich halten!“ Rainer Stobbe bestätigt: „Ich war überrascht, wie viele Röhren noch im Umlauf sind.“ Dieser Austausch bescherte den Märkten neben dem Receiver-Boom auch ein bemerkenswertes Geschäft mit neuen Fernsehern. Der Berlet-Chef will zwar keine Zahlen nennen, bestätigt aber auch hier die allgemeine Einschätzung: „Wir können uns nicht beklagen...“

Kostenlose Entsorgung von Altgeräten

Käufer von Neugeräten können ihre alten Schätzchen beim Fachhändler kostenlos entsorgen lassen. Aber auch Online- und Discounter-Kunden können ihren sperrigen Elektroschrott kostenlos loswerden: und zwar beim Recyclinghof „Am Lausbach“. Einen auffälligen Anstieg habe man dort in den vergangenen Wochen jedoch nicht verzeichnen können, weiß ASH-Sprecherin Joana Menzel. Die dort abgegebenen Geräte werden übrigens durch zertifizierte Fachbetriebe wiederverwertet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare