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Was hilft gegen die Leerstände in Herringen? Sie sind gefragt!

Hamm-Herringen: ehemalige Schlecker-Filiale an der Fritz-Husemann-Straße
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Kein Ende in Sicht: Seit fast neun Jahren steht die ehemalige Schlecker-Filiale an der Fritz-Husemann-Straße nun schon leer, sehr zum Ärger des HIG-Vorsitzenden Peter Scholz.

Die Zahl der Leerstände in Herringen wächst seit Jahren stetig. Und nicht für alle Gebäude findet sich bisher eine Lösung für die Nachnutzung. Wie könnte das gelingen? Und was fehlt dem Stadtbezirk in Sachen Einzelhandel? Diskutieren Sie mit uns! (Formular unten im Artikel)

Herringen – Es war eine der spektakulärsten Pleiten der deutschen Nachkriegsgeschichte, die auch in Herringen ihre Spuren hinterlassen hat. Neun Jahre nach der Schlecker-Insolvenz scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Noch immer hängt der Schriftzug „Schlecker“ an der ehemaligen Drogeriemarkt-Filiale an der Fritz-Husemann-Straße, gewährt der abgefallene Sichtschutz einen Blick ins trostlose Innere. Für Peter Scholz, den Vorsitzenden der Herringer Interessengemeinschaft (HIG), sind das unhaltbare Zustände.

Angesichts dieses und weiterer Leerstände in Herringen fordert er für die Zeit nach Corona unter Beteiligung der IHK, der Wirtschaftsförderung Hamm und des Stadtmarketings ein Leerstands-Management für Herringen. „Das könnte dann auch ein Modellprojekt für andere Stadtbezirke werden.“

Blick auf den Einzelhandel in Herringen: Erste Schandflecken sind verschwunden

Etwa ein Dutzend Leerstände gibt es an der Fritz-Husemann-Straße, der Ostfeldstraße und am Marktplatz. Doch nicht überall sieht es so beschämend aus wie in der ehemaligen Schlecker-Filiale. An der Neufchâteaustraße beispielsweise habe die Evangelische Kirchengemeinde das Fenster eines leer stehenden Ladenlokals gestaltet, sagt Scholz.

Am Bocksheideweg sei die ehemalige Aldi-Filiale in Wohnraum umfunktioniert worden, ebenso zwei frühere Geschäftsräume an der Fritz-Husemann-Straße. Auch der langjährige Schandfleck „Herringer Hof“ sei mittlerweile abgerissen. Auf dem Gelände sei mit dem Bau von barrierefreien Wohnungen begonnen worden. „Das sind Beispiele, wie es funktionieren kann“, so der HIG-Vorsitzende.

30 Prozent auf alles – und trotzdem kein Schnäppchen: Wenn sich irgendwann ein Nachmieter für die einstigen Schlecker-Räumlichkeiten findet, wird zunächst Entrümpeln auf der Agenda stehen. Das wird beim Blick durch die Fensterscheibe zweifelsfrei deutlich.

Schon seit längerer Zeit bemühe sich die HIG darum, für die ehemalige Schlecker-Filiale eine Lösung zu finden. Man habe angeboten, sie aufzuräumen und die Schaufenster zu gestalten – vergebens. Es klingt fast schon nach Resignation, wenn Scholz über diesen Standort spricht – ein Standort, der auch auf Internetportalen wie immobilienscout24.de angeboten wird. 1500 Euro Monatsmiete soll demnach die 275 Quadratmeter große Ladenfläche kosten, plus 300 Euro Nebenkosten. Immerhin: die ersten beiden Monate wären mietfrei.

Ob das hilft, die Immobilie an einen Einzelhändler zu vermieten? Scholz glaubt nicht mehr so recht daran. Der Online-Handel und die Corona-Krise hätten den Einzelhändlern vor Ort zugesetzt. Auch aus diesem Grund geht Scholz davon aus, dass die Fritz-Husemann-Straße nicht mehr das Geschäftszentrum wird, was es einmal war. Im ehemaligen Schlecker-Markt könne er sich aber zum Beispiel Dienstleister aus dem medizinischen Bereich oder eben Wohnungen vorstellen. „Damit hätten wir eine gute Nachnutzung.“

Blick auf den Einzelhandel in Herringen: Forderung eines Leerstands-Managements

Auch andere leer stehende Geschäfte kommen für eine solche in Betracht, da viele von ihnen sich aufgrund ihres Zuschnitts „nicht mehr für einen modernen Einzelhandel eignen“.  Aufgabe des von der HIG geforderten Leerstands-Management sollte es sein, hier eine Lösung zu finden – natürlich immer in Absprache mit den jeweiligen Eigentümern. Denn auch sie sollten an einem vernünftigen Erscheinungsbild und einer Nutzung ihrer Immobilien interessiert sein. „Stehen sie leer, bringt das niemandem etwas.“ An der einen oder anderen Stelle müsse man ganz klar sagen: „Eigentum verpflichtet.“

Dass eine Nachnutzung nicht automatisch den gewünschten Effekt bringt, hat Scholz an anderer Stelle ausgemacht. An der Fritz-Husemann-Straße/Ecke Quellenstraße wurde das ehemalige Textil-Kaufhaus Rindermann nach Jahren des Leerstands in Wohnungen umgebaut, wogegen ja auch, wie Scholz sagt, nichts einzuwenden sei. Nur: Als Sichtschutz sei jetzt vor wenigen Wochen ein Zaun aus Holzelementen aufgestellt worden. „Der minderwertige Zaun an dieser exponierten Stelle im Stadtbezirk sieht alles andere als schön aus und ist im Moment das Gesprächsthema in Herringen“, so Scholz.

Handlungsbedarf sieht der HIG-Vorsitzende auch an der Ostfeldstraße, genauer gesagt bei den drei Geschäftshäusern östlich der Einmündung Fritz-Husemann-Straße. Dieser Bereich müsse überplant werden, um das Erscheinungsbild zu verbessern.

Blick auf den Einzelhandel in Herringen: Nicht alles ist schlecht

Was den Einzelhandel betrifft, ist in Herringen längst aber nicht alles schlecht. Zwar gebe es immer weniger inhabergeführte Geschäfte. Aber: „Bei den Angeboten des täglichen Bedarfs sind wir gut aufgestellt. Es fehlt nicht viel“, findet der HIG-Vorsitzende. Wünschenswert wären aber noch eine Reinigung, ein Schuhladen sowie ein Geschäft für Bio- und Naturkost. Vor allem das würde dem Lippe-Carrée Auftrieb verleihen und weitere Kunden anlocken, ist sich Scholz sicher.

Und selbst die Fritz-Husemann-Straße sei noch nicht tot. Vor allem dank der Ärzte, des Reha-Sports, des Friseurs und des Reisebüros sei sie noch immer recht gut frequentiert.

Nur indirekt mit dem Einzelhandel hat indes ein weiterer Wunsch des HIG-Vorsitzenden zu tun. „Im Stadtbezirk gibt es zu wenige Restaurants, in denen die Menschen – nach Corona – gemütlich essen können.“

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