Weihnachtsfeiern in der Corona-Krise

Firmenfeiern fallen aus: Lockdown und Sperrstunde ärgern Gastronomen und Betriebe - Gutschein-Lösungen?

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Viele Firmen denken derzeit nicht an Weihnachtsfeiern.

Niemand glaubt, dass sich die Situation in zwei Monaten entspannt haben wird. Deshalb fallen die obligatorischen wie beliebten Weihnachtsfeiern vieler Hammer Firmen in diesem Jahr aus.

Hamm – Nicht nur Ivonne Weber, Geschäftsführerin des „Alten Fährhauses“, weiß: „Die sind zurzeit verboten.“ In der Zeit ab Mitte November sei ihr Lokal eigentlich bereits ausgebucht gewesen, die Reservierungen seien bereits teilweise ein Jahr im Voraus erfolgt. Jetzt seien gerade noch zwei Buchungen übrig – aber ob die geplanten Feiern angesichts des nahen Lockdown überhaupt stattfinden dürfen, glaubt sie nicht. Immerhin wolle das „Alte Fährhaus“ den Cateringbereich ausbauen, weil einige Firmen jetzt planten, in den eigenen Räumen zu feiern.

Lockdown und Sperrstunde vermiesen Feierstimmung

Ausgebucht war auch die Maxi-Gastro nach Auskunft von Geschäftsführer Till Lewerentz, davon übrig geblieben sei aktuell noch eine Reservierung. „Viele Firmen haben nach einem schwierigen Jahr einfach kein Geld, um groß zu feiern. Und es ist ja auch die Frage, wer von den Angestellten in diesen Zeiten überhaupt an einer Feier teilnehmen würde“, so Lewerentz. Gleiches gelte für das Kurhaus, dessen Gastronomie er ebenfalls zusammen mit Daniel Cadez gepachtet hat. Für die Absagen hat Lewerentz auch noch aus einem anderen Grund Verständnis: „Wer will schon mit Blick auf die Uhr feiern, wenn um 23 Uhr die Sperrstunde greift?!“

Hubertus Splietker vom gleichnamigen Landgasthaus in Süddinker ist ebenso betroffen von Absagen, es gebe gerade noch „einige wenige“ Buchungen im Rahmen der erlaubten Personenzahl.

Sport-Gala als Hoffnungsschimmer

Klaus Hagedorn vom Gasthof Hagedorn im Hammer Norden setzt alle Hoffnungen aufs nächste Jahr: „Einige Firmen wollen ihre Feiern verschieben“, habe er gehört. Er baut immerhin auf die Idee, dass die Sport-Gala aus dem Kurhaus in eine Reihe von Restaurants gestreamt wird, wo die Gäste dann in kleineren Gruppen zusammensitzen.

Für Peter Schulte, Geschäftsführer im Café del Sol, sind die Absagen der Weihnachtsfeiern der Tiefpunkt in einem schwierigen Jahr: „Das fängt ja schon mit runden Geburtstagen an, die nicht mehr gefeiert werden, und auch unser Brunch-Buffet können wir nicht mehr anbieten.“

Betrübnis herrscht auch auf der „anderen“ Seite vor, bei den Firmen. Rund 100 Mitarbeiter – feste und Teilzeitkräfte – miteinander in der MaxiGastro feiern zu lassen, wie das bisher üblich war, kommt für Maxipark-Geschäftsführer Jörg Rogalla unter den jetzigen Umständen nicht infrage. „Dass zum Jahresende alle noch einmal in gemütlicher Runde zusammenkommen, gehört für mich eigentlich dazu“, sagt Rogalla. Um das Fest nicht ersatzlos zu streichen, könne er sich vorstellen, stattdessen im Frühling zu feiern.

„Man stelle sich einmal vor ...“

Ähnliches hatte Oliver Garlepow, Betriebsleiter des Maximare, tatsächlich schon für die Mitarbeiter der Erlebnistherme angedacht: Die „Betriebsfeier“ hätte in der hauseigenen Gastronomie stattfinden sollen, das Maximare wäre dann schon um 18 Uhr für die Öffentlichkeit geschlossen worden. Schon zum Jahresbeginn sei das für den Juni angedacht gewesen – aber dann machte der Lockdown einen Strich dadurch. Jetzt kommt eine Feier mit allen rund 140 Mitarbeitern wieder nicht infrage: „Man stelle sich einmal vor, da feiert jemand mit, der vielleicht noch nicht einmal weiß, dass er an Covid-19 erkrankt ist, und die anderen ansteckt. Dann müssten zumindest alle in Quarantäne und das Maximare müsste komplett geschlossen werden.“

Ein Nachsehen haben in diesem Jahr auch die Mitarbeiterinnen der Friseurkette „Susanne & Team“: Ein gemeinsames Fest mit allen Mitarbeiterinnen ist auch für Geschäftsführerin Sandra Talar zurzeit undenkbar. Einen Hoffnungsschimmer sieht sie noch für die Alternative, dass die Mitarbeiterinnen salonweise in Restaurants essen gehen, wenn die wieder geöffnet haben.

Restaurant-Gutscheine als Option

In gemütlich-festlichem Rahmen zusammensitzen, das schließt Julius Franken für sein Autohaus dieses Jahr aus – was besonders schade ist für die Senioren, die dazu ebenfalls eingeladen wurden. Immerhin hat Franken die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass sich einzelne Abteilungen treffen.

Bei Haustechnik Schnittker sieht die Situation etwas anders aus: Geschäftsführer Peter Gerken hält zurzeit noch an der Idee fest, die Mitarbeiter in der weitläufigen Firmenhalle mit „Weihnachts-Bowle“ zu bewirten, weil dort genügend Abstand eingehalten werden könne. Sollte sich das doch nicht umsetzen lassen, wolle er Restaurant-Gutscheine an die Mitarbeiter verteilen – eine Idee, die für die Mitarbeiter einen schönen Abend bedeuten würde und für die Restaurant-Betreiber eine aktive Hilfe in schwierigen Zeiten wäre.

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