Kosten für Impfnachweise als Problem

Hunderte Untersuchungen vor Einschulung stehen noch aus

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Sehtest bei einer Einschulungsuntersuchung.

Mehr als die Hälfte der angehenden Grundschüler hat bisher keine Einschulungsuntersuchung durchlaufen. Bei 850 der 1750 angehenden Grundschüler in Hamm steht sie noch aus, heißt es von der Stadtverwaltung. Sie sollen so bald wie möglich nachgeholt werden.

Hamm – Eigentlich dienen die Schuleingangsuntersuchungen dem Ziel, Förderbedarfe festzustellen und die Schulreife zu ermitteln. In Einzelfällen komme es tatsächlich vor, dass erst bei der Eingangsuntersuchung Förderbedarfe festgestellt werden, erklärt ein Stadtsprecher. Die Regel ist es aber nicht.

Die meisten Kinder werden heute engmaschig betreut. Bis zum fünften Geburtstag steht mindestens einmal im Jahr eine U-Untersuchung beim Kinderarzt an. Die Teilnahme ist nicht verpflichtend, allerdings wird das Jugendamt informiert, wenn Kinder nicht erscheinen.

Außerdem besuchen in Hamm etwa 85 Prozent der Kinder über drei Jahren bis zum Schulalter eine Kita. So steht es im aktuellen Bericht für frühkindliche Bildung. Der Anteil der Vorschulkinder dürfte noch höher sein, insbesondere, weil für den Kita-Besuch im Jahr vor der Einschulung keine Elternbeiträge anfallen. „Trotzdem: Die Einschulungsuntersuchung ist die einzige, zu der tatsächlich jedes Kind kommt“, sagt Ricarda Müller vom Jugendamtselternbeirat. „Gerade, wenn ein Kind sehr jung eingeschult ist, sollte man aus meiner Sicht gucken, ob es wirklich reif für die Schule ist“, sagt sie. Zugleich äußerte sie Verständnis, dass das Gesundheitsamt während der Corona-Pandemie anderweitig beschäftigt ist und die Untersuchungen deshalb aufgeschoben wurden.

Stadt wird sozial Schwachen die Kosten erstatten

Als Problem sehen die Grünen, dass die Kinder vor der Einschulung einen Impfnachweis vorzeigen müssen, der in diesem Jahr Geld kostet: Normalerweise erhalten Familien den Nachweis bei der Eingangsuntersuchung. Wenn diese entfällt, kann ein Kinderarzt sie ausstellen. Das kostet in der Regel 5 Euro. „Sozial schwache Familien können sich das nicht leisten“, sagt Grünen-Ratsherr Karsten Weymann. „Ohne einen gültigen Impfnachweis können die Kinder aber nicht eingeschult werden.“ Die Grünen beantragten deshalb, dass die Stadt diese Kosten erstattet – der Rat hat dies in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen.

Die Stadt wird dafür kein neues Formular auflegen. Stattdessen können Familien, die Sozialleitungen empfangen, eine Quittung des Kinderarztes mit zu ihrem Sachbearbeiter bringen. Dann erhalten sie das Geld zurück, heißt es von der Stadt. Übrigens: Den Schulen reicht meist ein normaler Impfausweis aus. Den Masernschutznachweis brauchen Kinder, wenn ihr Impfpass im Ausland angelegt wurde oder sie ihn verloren haben.

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