MVA

Viel Kohle für noch mehr Müll: Verbrennungsanlage wird mit Millionensumme modernisiert

Bockum-Hövel: MVA bekommt einen fünften Brennofen.
+
Die MVA in Bockum-Hövel bekommt einen fünften Brennofen.

Die Müllverbrennungsanlage in Hamm ist in die Jahre gekommen. Deshalb wird sie für eine hohe Millionensumme modernisiert.

Hamm – Im Jahr 1985 ist die MVA in Betrieb genommen worden, seither wurden umfangreiche Optimierungsmaßnahmen durchgeführt. Der Großteil der Investitionskosten floss dabei in die Rauchgasreinigung. Genau diese macht den Betreibern jetzt Sorgen, sie muss erneuert werden.

Die Betreiber sprechen von korrosionsbedingten Schäden. Um die Rauchgasreinigung zu erneuern und dabei dauerhaft eine Entsorgungssicherheit garantieren zu können, soll nun eine fünfte Verbrennungslinie gebaut werden. Viel Geld wollen die Betreiber dafür investieren: Erste Berechnungen gehen von 62,8 Millionen Euro aus. Auf die Stadt entfallen 9,47 Millionen Euro.

217.000 Tonnen Haus- und Sperrmüll jedes Jahr

217.000 Tonnen Haus- und Sperrmüll werden jedes Jahr in die Müllverbrennungsanlage geliefert. Der Müll kommt aus Dortmund, den Kreisen Unna, Warendorf, Soest und der Stadt Hamm. Die beteiligten Kreise und kreisfreien Städte haben sich zu einem Verbund zusammengeschlossen und betreiben die Müllverbrennungsanlage, die Stadt Hamm ist über die Wirtschaftsförderung mit 15,08 Prozent beteiligt.

Die MVA ist für den Betrieb mit vier Verbrennungslinien ausgelegt. „Dauerhaft sind sie aber zusammen nicht das ganze Jahr über im Einsatz“, sagt Reinhard Bartsch. Der Geschäftsführer des Abfall- und Stadtreinigungsbetriebs Hamm (ASH) begründet das mit planbaren Revisionen und unplanbaren Ausfällen. Will heißen, dass im Jahresschnitt alle vier Linien zusammen nur sechs bis acht Monate laufen. Oftmals falle eine aus. Bartsch: „Auf Dauer ist das zu wenig.“

Probleme durch den Kohleausstieg

Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass durch den geplanten Kohleausstieg in den Müllverbrennungsanlagen der Republik mehr Müll verbrannt werden muss. Gegenwärtig werden rund 1,5 Millionen Tonnen Haus- und Gewerbemüll in den verschiedenen Kohlekraftwerken der Republik mitverbrannt.

Nach einer Studie des Bundesumweltamtes soll bis spätesten 2030 dieser Anteil auf Null sinken. Experten gehen davon aus, dass dann die Müllmenge auf die Müllerverbrennungsanlagen verteilt wird und so auch die MVA Hamm mehr Müll verbrennen muss. Dazu drängt sich noch ein zweites Problem auf. Die MVA Hamm wurde vor gut 50 Jahren – zu einer Zeit, als der Müll noch ein ganz anderer war – geplant.

Die Zusammensetzung des Mülls hat sich in den vergangenen Jahren ordentlich verändert, das hat Konsequenzen auf den Heizwert. Bartsch erklärt das mit einem Hausofen: Buchenscheite brennen länger als Birkenscheite. Die Buchen haben einen höheren Heizwert. So ist das auch bei der Müllzusammensetzung.

Fünft Linie für Volllastbetrieb

Die Herausforderungen können aber nur gestemmt werden, wenn die Anlage im Westen der Stadt modernisiert wird und zwar so, dass dauerhaft alle vier Öfen brennen können. Dazu soll nun eine neue, fünfte Verbrennungslinie gebaut werden, die als Kapzitätserhaltungslinie bezeichnet wird. So ist es möglich, die Anlage das ganze Jahr über unter Volllast zu fahren.

Wenn eine Linie revisionsbedingt ausfällt, springt die fünfte Linie ein. So werden Möglichkeiten eröffnet, Reparaturen und Erneuerungsmaßnahmen in den Bestandslinien durchzuführen, ohne die zugesicherte Durchsatzkapazität zu gefährden. Bartsch: „Das garantiert einen zuverlässigen Betrieb der MVA.“

Nachtschicht und Wochenendarbeit entfällt

Durch eine fünfte Linie können auch die Revisionsarbeiten im Normalbetrieb durchgeführt werden. Dadurch könnte auf Nachtschichten und Wochenendarbeit verzichtet werden. Ist die neue Verbrennungslinie installiert, soll auch die Rauchgasreinigung modernisiert werden. Derzeit werden für beide Vorhaben die ersten Anträge gestellt. Spätestens 2024 soll die fünfte Linie in Betrieb gehen.

Wenn nun schon viel Geld in die Hand genommen wird, um die MVA zukunftsfähig zu machen, dann wollen natürlich auch alle Partner eine gemeinsame Zukunft haben und somit verlässlich ihren Müll entsorgen. Dazu wird der MVA-Hamm-Verbund bis mindestens 2032 fortgesetzt. Ein entsprechender Vertrag wird derzeit unterzeichnet. Die Stadt Hamm verspricht sich von dem Vertrag eine langfristige Entsorgungssicherheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare