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Viel Arbeit, aber meist nur geringe Schäden: Sturm „Zeynep“ in Hamm

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Von: Boris Baur

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Birke entwurzelt: Ein Baum mit etwa 50 Zentimeter dickem Stamm kippte in einem Garten in Rhynern um.
Birke entwurzelt: Ein Baum mit etwa 50 Zentimeter dickem Stamm kippte in einem Garten in Rhynern um. © Bruse

Erst „Ylenia“, dann „Zeynep“, innerhalb von drei Tagen sind zwei Stürme über Hamm hinweggezogen. Polizei und Feuerwehr hatten alle Hände voll zu tun, wobei die Stadt relativ glimpflich weggekommen ist. Laut Angaben der Einsatzkräfte hat es keine Verletzten gegeben mit Ausnahme eines Lkw-Fahrers, der wegen eines auf der Straße liegenden Astes einen Unfall baute.

Von Freitag ab 14 Uhr bis Samstagabend um 20 Uhr war die Feuerwehr mit „Zeynep“ beschäftigt. Die Sturmspitze war der Freitagabend ab etwa 19 Uhr. Bis Samstagmorgen war die Feuerwehr bereits 98 Mal ausgerückt, fast alle Einheiten waren alarmiert, 300 Feuerwehrleute, dazu Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW), waren auf den Beinen. Damit waren die 96 Einsätze bei „Ylenia“ bereits übertroffen. Die Bilanz für Zeynep lautete am Ende 161. Meist habe es sich um die Beseitigung von Ästen und Bäumen gehandelt. Auch die Gefahr durch heruntergefallene Dachziegel musste beseitigt werden. Dabei habe der Sturm besonders in den westlichen und nördlichen Stadtteilen gewütet.

Viel Arbeit, aber meist nur geringe Schäden: Sturm „Zeynep“ in Hamm

Der größte Schaden im Stadtgebiet entstand an einem Mehrfamilienhaus in Herringen. An der Straße „Am Feuerwehrhaus“ war ein sehr großer Teil des Flachdachs hinabgestürzt. Der Schaden soll bei 150 000 Euro liegen. Menschen wurden zum Glück nicht verletzt. „Das habe ich noch nicht gesehen“, sagte Martin Frittgen, Geschäftsführer des gleichnamigen Dachdeckerbetriebes, der mit den Aufräumarbeiten beauftragt war. Bereits am Samstag war das Dach wieder provisorisch abgedichtet. Bis alles neu hergerichtet ist, dürften rund drei Monate vergehen, schätzte Frittgen.

An der Münsterstraße hatte der Sturm am Freitagabend das Dach eines vierstöckigen Hauses vor die Tür eines Möbelhauses gefegt. Gleich um die Ecke am Flugplatz hatte der Wind die Verkleidung eines Hangars abgerissen. Dort klafft nun ein großes Loch. Es seien aber weder Menschen noch Flugzeuge zu Schaden gekommen, teilte Patrick Lademann, der Geschäftsführer des Luftsportclubs, mit. Die Halle soll in den kommenden Tagen repariert werden, die Höhe des Schadens sei noch unbekannt.

Größter Schaden: In Herringen stürzte Freitagnacht das Dach eines Mehrfamilienhauses auf den Boden. Am Samstag war es bereits provisorisch wieder abgedichtet worden.
Größter Schaden: In Herringen stürzte Freitagnacht das Dach eines Mehrfamilienhauses auf den Boden. Am Samstag war es bereits provisorisch wieder abgedichtet worden. © Frittgen

Straßensperrungen

Nach Polizeiangaben wurden der Vorsterhauser Weg, die Viktoriastraße und „Zum Torksfeld“ wegen herabfallender Dachziegel und umgestürzter Bauzäune gesperrt. Die Sperrungen hätten jedoch relativ schnell wieder aufgehoben werden können. Nicht befahrbar werden voraussichtlich auch am Montag noch die Ritterstraße und der Osttünner Weg sein. In der Innenstadt waren Dachpfannen heruntergefallen, die eine Gefahr für Passanten darstellten. Zwischen Osttünnen und Rhynern war ein Baum in Schräglage geraten und drohte auf die Fahrbahn zu fallen. Hier muss eine Spezialfirma anrücken.

Unfall

Auf der Kamener Straße wurde ein Lkw-Fahrer schwer verletzt, als er am Samstag gegen 7.30 Uhr in Höhe des Selbachparks in Fahrtrichtung Pelkum einem auf der Fahrbahn liegenden Ast ausweichen wollte. Er kam nach rechts von der Straße ab, streifte zunächst einen Baum, kollidierte im Anschluss mit zwei weiteren Bäumen und blieb mit dem Führerhaus im Graben stehen. Der 40-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht, die Polizei schätzte den Sachschaden auf 30 000 Euro.

Im Graben: Weil er einem Ast ausweichen wollte, baute ein Lkw-Fahrer einen Unfall.
Im Graben: Weil er einem Ast ausweichen wollte, baute ein Lkw-Fahrer einen Unfall. © Zimmermann

Bus und Bahn

Ab Freitagnachmittag hatte die Bahn den Regional- und Fernverkehr eingestellt, ab dem Abend die Stadtwerke den Busverkehr in Hamm. Ab Samstagmittag seien die Züge nach und nach wieder gefahren, erklärte eine Sprecherin der Eurobahn. Während der Fernverkehr am Hammer Bahnhof auch am Sonntag mit den Auswirkungen des Unwetters zu kämpfen hatte, waren die Regionalzüge um Hamm weitgehend normal unterwegs. Nur beim RE 89 gab es in Richtung Paderborn/Altenbeken/Warburg noch Streckensperrungen. Aktuelle Infos zur Lage am Hauptbahnhof gibt es hier.

Die Busse in Hamm fuhren ab Samstag wieder, Beeinträchtigungen hatte es lediglich für die Linien 7 und 9 in Richtung Herringen durch die Sperrung des Vorsterhauser Wegs gegeben. Die 7 und 9 sind auch von der Sperrung Ritterstraße betroffen und steuern vermutlich bis Montag die Haltestelle „Westentor“ nicht an, sondern werden über die Hafenstraße umgeleitet. Andere Linien, die sonst die Ritterstraße benutzen, nehmen wegen der Baustelle nach dem Rohrbruch am Allee-Center derzeit eh eine andere Strecke.

Aufräumarbeiten

Die Stürme hielten neben Polizei und Feuerwehr besonders die Dachdecker auf Trab. So hatten Martin Frittgen und seine Kollegen am Samstag und Sonntag einiges zu tun. Auch die Firma Albrecht Bedachungen war am Samstag im Einsatz, um dafür zu sorgen, dass die Dächer – zumindest provisorisch – wieder dicht sind. Dabei habe es sich zum größten Teil um kleinere Schäden gehandelt. „Zu 95 Prozent waren es ein, zwei Dachpfannen“, sagte Manuel Gruss, Dachdeckermeister bei Albrecht. Etwa 120 Fälle habe es bei ihm gegeben. Zum Vergleich bei Orkan Kyrill waren es 1300.

Schwierigkeiten habe laut Frittgen die kurze Abfolge der beiden Stürme bereitet. Nach „Ylenia“ hatten die Dachdecker die Schäden auch aus Materialgründen nur notabgedichtet. „Wichtig ist, dass es nicht reinregnet“, so Frittgen. Doch diese Provisorien hielten „Zeynep“ oft nicht stand, sodass die Handwerker erneut raus mussten. Der zweite Sturm sei dabei der schlimmere gewesen. Die Betriebe gehen davon aus, dass in ein paar Wochen alles wieder repariert sei.

Neben dem Einsatz in Herringen hatte Frittgen noch einen besonderen Einsatz. Auch am Schloss Oberwerries waren Dachpfannen runtergeflogen. Die Firma sicherte die Gefahrenstelle noch am Samstagmorgen und damit auch eine dort geplante Hochzeit.

Nur in Einzelfällen waren dagegen Garten- und Landschaftsbauer wie Garten- & Landschaftsdesign Dorka oder Frank Bruse im Einsatz, um Schäden in Privatgärten durch umgestürzte Bäume zu beseitigen. „Andere Stürme waren schlimmer“, sagte Geschäftsführer Uwe Dorka , der unter seinen Mitarbeitern abgefragt hatte, wer im Bedarfsfall am Samstag einspringen könnte. Unter anderem war er in Rhynern im Einsatz. Dort hatte auch Baumschulmeister Bruse wegen einer entwurzelten Birke zu tun. „Nichts Gravierendes“, meinte Bruse. Seinen Beobachtungen nach sind die meisten Bäume an der Wurzel ausgehebelt worden. Die Experten nennen als Grund die hohe Feuchtigkeit im Boden durch die vielen Niederschläge im Vorfeld.

Warnungen

Auch wenn das Schlimmste vermutlich überstanden ist, rät die Feuerwehr mit Blick auf die am Montag angekündigten Sturmböen zur Vorsicht. Wälder, Parks und Spielplätze sollten gemieden werden. Gefahr durch herabfallende Äste besteht in den kommenden Tagen weiterhin. Bruse wollte nicht ausschließen, dass es durch Sturmtief Antonia in der Sonntagnacht oder das Wetter am Montag weitere umstürzende Bäume gibt, auch wenn nicht mehr die Windstärken von Zeynep erreicht werden: „Einige Bäume sind lose gerüttelt.“

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