Unsere Serie: Was braucht Bockum-Hövel?

Viel Acker, wenig Platz für Naturschutz: So steht es um die Umwelt in Bockum-Hövel

Ein Riesenprojekt: Wie hier am Flügeldeich soll demnächst ein weiteres Teilprojekt des „Erlebensraums Lippeaue“ in Bockum-Hövel umgesetzt werden.
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Ein Riesenprojekt: Wie hier am Flügeldeich soll demnächst ein weiteres Teilprojekt des „Erlebensraums Lippeaue“ in Bockum-Hövel umgesetzt werden.

Bockum-Hövel ist vier Mal so dicht besiedelt wie Deutschland im Durchschnitt, zugleich ist auf einem großen Teil des Bezirks Acker. Wie steht es um die Umwelt, die die vielen Bockum-Höveler umgibt? Was wird für den Naturschutz getan? Und was muss sich ändern? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Bockum-Hövel – Acker, Industrie und eine dichte Besiedlung prägen Bockum-Hövel. In dem Bezirk wohnen nach der Stadtmitte am meisten Menschen. Erholungsgebiete in Form von Wäldern oder Flusslandschaften gibt es kaum - der Bezirk ist einer der waldärmsten in Hamm, auch Wasserflächen und Grünland gibt es wenig. „Das ist historisch bedingt“, sagt Dr. Oliver Schmidt-Formann, Leiter des Umweltamtes der Stadt Hamm.

StadtbezirkBockum-Hövel
Einwohner35.363 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche32,6 Quadratkilometer
- davon Straßen1,8 Quadratkilometer
- davon Wald1,9 Quadratkilometer

Umwelt- und Naturschutz in Bockum-Hövel: Viele Arten auf dem Rückzug

Dies spiegelt sich im Landschaftsplan Hamm-West wieder, dessen Geltungsbereich die Stadtbezirke zu dem Pelkum, Herringen und Bockum-Hövel umfasst. Er stammt aus dem Jahr 1989. Dass es hier Aktualisierungsbedarf gebe, sagt auch Schmidt-Formann. „Eine Aktualisierung ist auch geplant, die Umsetzung ist aber sehr aufwendig“, sagt er. Man habe vor, für Bockum-Hövel einen eigenen Landschaftsplan Hamm-Nord aufzustellen. Wann das umgesetzt wird, steht aber noch nicht abschließend fest. Einfließen könnten darin viele Einzel- und Kleinmaßnahmen, die aus heutiger Sicht notwendig geworden sind, aber in dem alten Landschaftsplan noch nicht erfasst wurden. Denn in den vergangenen 30 Jahren haben sich im Umwelt- und Naturschutz und insbesondere im Artenschutz erhebliche Veränderungen aufgetan.

Der allgemeine Verlust auch von besonders gefährdeten Arten macht es dringend notwendig, Schutz- und Förderungsmaßnahmen umzusetzen. Dazu zählt insbesondere die Anreicherung von Strukturen wie Hecken, Einzelgehölzen, artenreichem Grünland und ähnlichem.

Umweltschutz in Bockum-Hövel: Diese Projekte werden umgesetzt

Dennoch passiert in Bockum-Hövel im Bereich Umwelt und Natur durchaus schon heute eine ganze Menge. Etliche Projekte werden umgesetzt und sind in Planung, die hier beispielhaft vorgestellt werden:

Erlebensraum Lippeaue: Der Lippeauen-Bereich östlich der Münsterstraße wird zurzeit umgesetzt. Die innenstadtnahen Bereiche der Aue sollen aufgewertet und erlebbar gemacht werden. Eine zentrale Rolle spielt der Auenpark östlich der Münsterstraße. Dieser wird zu einer naturnahen Freizeitfläche. Zusätzlich werden wieder auentypische Lebensräume geschaffen. Umgesetzt werden die Maßnahmen vom Lippeverband und der Stadt Hamm. Das Projektgebiet erstreckt sich auf etwa 195 Hektar zwischen der Fährstraße und Römerstraße. Der Umbau der Auenlandschaft erfolgt über sechs Jahre in drei Teilabschnitten.

Nienbrügger Berg: Auf dem Nienbrügger Berg beziehungsweise der ehemaligen Deponie an der Bromberger Straße soll eine weitere naturnahe Entwicklung initiiert werden, Ökologie und Artenvielfalt sollen dabei besonderen Raum erhalten. Die Deponie befindet sich rechtlich im Stilllegungsverfahren unter der Betriebsaufsicht des Abfallwirtschaftsbetriebes (ASH). Derzeit wird der Übergang in die so genannte Nachsorgephase vorbereitet.

Durchgängigkeit der Geinegge: Aktuell gibt es in Bockum-Hövel nur auf knapp 0,4 Quadratkilometer Wasserflächen - nicht viel gemessen daran, dass Wasserflächen immer wichtiger werden, um dicht besiedelte Gebiete angesichts des Klimawandels herunterzukühlen. „Die direkte Anbindung der Geinegge an die Lippe wäre ein echte generationenübergreifende Maßnahme zur nachhaltigen Optimierung der Gewässerökologie“, sagt der Leiter des Umweltamtes. Dieses Ziel gibt die Wasserrahmenrichtlinie der EU verbindlich vor. Zurzeit mündet die Geinegge noch in den Radbodsee und wird über ein Pumpwerk in die Lippe geleitet. Die Wasserrahmenrichtlinie sollte ursprünglich bis 2027 umgesetzt werden. Viel Zeit bleibt also nicht mehr. „Dennoch ist das eine große Hausnummer – in der Planung, technisch und finanziell“, sagt Schmidt-Formann. Die Maßnahme allein würde wohl mehrere Millionen Euro verschlingen.

Aufwertung der Quelle: Auch der Idee, die Geineggequelle aufzuwerten, steht Schmidt-Formann durchaus wohlwollend gegenüber. Allerdings gebe es noch reichlich Klärungsbedarf, zum Beispiel über die genaue Lage der Quelle. Nicht zuletzt sei man hier auch auf die Bereitschaft der Flächeneigentümer angewiesen, um dieses Projekt umzusetzen.

Eversbach ans Tageslicht: Eigentlich ist der Eversbach das zentrale Gewässer Bockum-Hövel. Einst floss er mitten über durch Hövel, über das Radbodgelände in die Lippe. Er fließt zwar immer noch, allerdings unterirdisch. Ortsheimatpfleger Günter Bachtrop machte bereits vor Jahren den Vorschlag, den Eversbach wieder ans Tageslicht zu holen. Dr. Oliver Schmidt-Formann hält die Idee für gut. „Wasser im Innenstadtbereich wäre auch für Bockum-Hövel gut und ein wichtiger Beitrag für anstehende Herausforderungen, denn es braucht gute Konzepte, um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken.“ Ob, wie und wann das Projekt umgesetzt wird, ist Zukunftsmusik.

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