Fundtiere gehören nicht auf Facebook, sondern ins Tierasyl

Vor einiger Zeit in einer kleinen Kiste ausgesetzt: Kater Melek wurde im Tierasyl gut aufgenommen.
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Vor einiger Zeit in einer kleinen Kiste ausgesetzt: Kater Melek wurde im Tierasyl gut aufgenommen.

Kaum ein Tag vergeht in Hamm, an dem nicht in irgendwelchen Facebookgruppen von weggelaufenen oder gefunden Haustieren die Rede ist. Auch wenn es im Zweifel gut gemeint ist: Dort gehören sie nicht hin!

Hamm – Es gibt für Tierhalter wohl kaum etwas Schlimmeres, als wenn der eigene Hund, die Katze oder das Kaninchen von zuhause Reißaus nimmt. Findet der Besitzer sein geliebtes Haustier nicht gleich, ist das städtische Tierasyl der erste Ansprechpartner. Immer öfter kommt es jedoch vor, dass Fundtiere von Privatpersonen mit nach Hause genommen werden und sie versuchen, den Besitzer des Tieres über die sozialen Medien ausfindig zu machen. Was nett gemeint ist, ist trotzdem nicht der richtige Weg und kann zu Problemen führen – für Mensch und Tier.

„Wem gehört dieser Hund? Auf dem Dasbecker Weg gefunden. Wer die Besitzer kennt, bitte melden!“, lautete beispielsweise kürzlich ein mit einem Bild eines Hundes versehener Posts bei Facebook in der fast 40.000 Mitglieder starken Gruppe „Hammer helfen Hammern“. Problematisch daran: Was, wenn der Besitzer nicht in den sozialen Medien aktiv ist und er das Tier die ganze Zeit vergeblich sucht? Was, wenn das Tier krank und auf Medizin angewiesen ist? Und was, wenn der Finder dem Tier Futter gibt, das das Tier nicht verträgt?

Natürlich ist es grundsätzlich lobenswert, wenn man sich um ein zugelaufenes oder gefundenes Tier kümmert. Doch es mitzunehmen und den Fund online zu posten ist aufgrund der gerade genannten Fragen nicht zielführend. Darauf hatten angesichts der zunehmenden Zahl solcher Posts auch die Moderatoren der Gruppe „Hammer helfen Hammer“ bereits mehrfach hingewiesen.

Fundtiere in Hamm: Helfen kann und sollte man trotzdem

Helfen kann und sollte man aber trotzdem: mit einem Anruf im städtischen Tierasyl. „Das Tierasyl ist die einzige Institution in Hamm, die für diese Fundtiere zuständig ist!“, betont Stadtsprecher Lukas Huster und appelliert damit an alle Finder von Haustieren, sich immer zunächst dort zu melden. Als Ansprechpartner für gefundene sowie vermisste Haustiere ist die Einrichtung deshalb auch an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr mit einem Bereitschaftsdienst besetzt.

Kontakte

Wer ein Haustier findet, das sich in Not befindet, verletzt oder herrenlos ist, meldet dies dem städtischen Tierasyl unter der Telefonnummer 02381/3050121. Weiterhin kann ein Kontakt hergestellt werden über die Tierpark-Kasse, Telefon 02381/503132. Ebenfalls helfen können der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) telefonisch unter 02381/177235 sowie die Polizei unter 02381/9160. Wer sein Haustier vermisst, meldet sich ebenfalls beim Tierasyl.

Im vergangenen Jahr nahm das Tierasyl 61 Hunde und 159 Katzen auf, die von Privatleuten dort abgegeben oder gemeldet wurden. Damit waren es in 2020 weniger Tiere als in 2019: Da registrierten die Mitarbeiter 74 Hunde und 171 Katzen. Im Jahr 2018 waren es sogar 99 Hunde, aber nur 114 Katzen. Hinzu kommen Fundtiere, die von der Feuerwehr oder der Polizei aufgegriffen wurden: 2020 waren es acht Tiere, 2019 neun und 2018 14. Hierunter fallen aber auch Tiere, deren Besitzer ins Krankenhaus gebracht wurden und bei denen kein Angehöriger auffindbar war, der das Tier in Obhut hätte nehmen können.

Fundtiere in Hamm: Die meisten werden schnell abgeholt

Das Schöne daran: „In der Regel werden etwa 80 Prozent der Fundtiere innerhalb von maximal drei Tagen wieder abgeholt“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster. Grundsätzlich sei es so, dass Besitzer sieben Tage Zeit hätten, sich beim Tierasyl zu melden. Geschieht dies nicht und das Tier wird nicht abgeholt, dürfen sie in die Vermittlung gehen – „wobei auch dann ein rechtmäßiger Besitzer noch sechs Monate Anspruch auf ,Herausgabe’ seines Tieres hat, falls er sich später melden würde“, so der Stadtsprecher zur rechtlichen Lage.

Ebenfalls positiv: „In der Regel werden alle Tiere vermittelt.“ Bei manchem Hund könne es bis zu einer Vermittlung allerdings etwas länger dauern, wenn er sich aufgrund seiner Charaktereigenschaften als schwieriger erweise. Was mit Haustieren passiert, die nicht vermittelt werden? „Sehr selten kommt es vor, dass Hunde kein passendes Zuhause finden und diese aufgrund von Krankheiten – in der Regel altersbedingt – bis zum letzten Tag im Tierasyl bleiben“, so Stadtsprecher Huster.

Finger weg von Wildtieren!

Immer wieder tauchen auch in Hamm in den sozialen Medien Fälle von gefundenen Wildtieren auf, bei denen die Finder ihnen helfen wollen und sie deshalb mit nach Hause nehmen. Abgesehen davon, dass das Mitnehmen von Wildtieren gesetzlich verboten ist, gilt grundsätzlich: „Allgemeiner Tenor ist, dass man ,die Finger lassen’ sollte von Wildtieren – außer, das Tier ist ganz eindeutig und klar erkennbar verletzt“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster. Nur dann könne es zu einem Tierarzt gebracht werden, der das Tier (für den Finder kostenlos) versorgt.

Hingegen sich selbst überlassen werden sollten aus einem Nest herausgefallene Vogeljunge, denn: „In der Regel sind die Eltern in der Nähe und kümmern sich um das Junge und bleiben nur fern, solange der Mensch da ist.“ Helfen kann im Fall von eindeutig verletzten, hilflosen oder kranken Greifvögeln und Eulen die ABU in Bad Sassendorf als Auffangstation (Telefon 02921/9698780). In speziellen Fällen können aber auch Naturschutzverbände oder das Umweltamt Hamm (Telefon: 177101) Auskunft geben.

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