Krisen-„Gewinner“

Rekordjahr! Hammer Fahrradhändler profitieren vom E-Bike-Boom

Klaus Martin Schricke hat angesichts des Fahrradbooms in Deutschland gut zu tun.
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Klaus Martin Schricke hat angesichts des Fahrradbooms in Deutschland gut zu tun.

Wie alle anderen leidet auch Klaus Martin Schricke als Privatmann unter der Pandemie. Anders seine Situation als Geschäftsmann: Er zählt – wenn man diesen Begriff in Zusammenhang mit Corona überhaupt nennen kann – zu den Gewinnern der Krise.

Wiescherhöfen –. „Hinter mir liegt ein Rekordjahr“, sagt Schricke, der am Wiescherhöfener Marktplatz seit 26 Jahren den gleichnamigen Fahrradhandel betreibt. Vor allem der Run auf höherwertige Räder mit elektrischer Unterstützung, sogenannte E-Bikes, hat Schricke viel Arbeit beschert. „Das ging schon direkt nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 los“, erinnert sich der Geschäftsmann. Viele Kunden hätten nicht gewusst, ob und wann sie wieder in den Urlaub fahren dürfen. Also hätten sie sich E-Bikes gekauft, um damit nicht nur Hamm und Umgebung zu erkunden. Viele seien mit dem Auto auch in andere Regionen gefahren, hätten ihre Fahrräder ausgepackt und seien geradelt. Ein aufgeladener Akku reiche aus, um eine Strecke von 120 bis 150 Kilometern zurückzulegen.

Fahrradboom: Pendler satteln um

Es gibt aber noch eine zweite Gruppe Menschen auch in Hamm, die umgesattelt sind – nämlich die, die jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Viele hätten vor der Pandemie den ÖPNV genutzt. „Jetzt haben sie aber Angst, sich in den Bussen anzustecken“, weiß er aus Gesprächen.

Und es gibt, wie Schricke sagt, diejenigen, die sich ein hochwertiges E-Bike – dafür werden dann auch mal 2 500 und mehr Euro fällig – nicht leisten können. Sie hätten ihre alten Fahrräder aus dem Keller hervorgeholt. „Und die müssen natürlich wieder aufbereitet werden.“ Auch das sei in seinem Geschäft möglich.

Fahrradboom: Engpässe drohen

Der Boom hat aber auch eine Kehrseite: Zwar ist sein Geschäft am Marktplatz derzeit mit neuen Rädern ganz gut gefüllt. Aber die Saison fange jetzt erst an. Und es sei gut möglich, dass nicht jeder auf Anhieb sein Wunsch-Bike bekomme. „Dann müssen die Kunden auch schon mal längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Firmen kommen mit der Produktion einfach nicht mehr nach.“ Das liege vor allem daran, dass ihnen Einzelteile wie zum Beispiel der Zahnkranz fürs Hinterrad fehlten.

Mit seinen Erfahrungen steht Klaus Martin Schricke nicht alleine da: „Es geht allen Fahrradhändlern so“, kennt er viele ähnliche Berichte aus Branchenkreisen. Erst in der vorigen Woche war zu lesen, dass aktuell der Rahmen-Nachschub aus Asien schwächelt und auch andere Komponenten wegen knapper See-Container verspätet eintreffen können. Insgesamt gehen die Händler davon aus, dass sich der Trend zum E-Bike fortsetzen wird.

Fahrradboom: Auch Online-Handel profitiert

Also ein Grund, rundum zufrieden zu sein? „Nein“, sagt Schricke. Der Online-Handel sei eine große Konkurrenz für die Händler vor Ort. Dabei sei es, so Schricke, bei einer recht teuren Anschaffung wie einem E-Bike wichtig, es vorher zu sehen und auszuprobieren, ob alles passt. Es habe schon Fälle gegeben, wo Kunden E-Bikes im Internet gekauft und sie wenig später zur Reparatur in seinen Laden gebracht hätten.

Auf der anderen Seite profitiert Klaus Martin Schricke allerdings auch vom Online-Handel, denn neben der Werkstatt und dem Fahrradverkauf gibt es eine dritte Komponente in seinem Geschäft: Seit 2013 ist dort eine Annahmestelle für DHL-Pakete untergebracht. Auch dort habe es in den letzten Monaten viel zu tun gegeben.

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