Bekannte Hersteller ziehen mit

Verkauf über Social Media: Hammer Modemann Frank Hannig mit kreativer Shopping-Idee

Frank Hannig aus Hamm: Das Coronavirus kann den Moderator, Stylisten und Entertainer bremsen - aber nur kurz.
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Frank Hannig: Das Coronavirus kann den Moderator, Stylisten und Entertainer bremsen - aber nur kurz.

Der Hammer Modemann Frank Hannig hat sich in der Coronakrise mit seiner Geschäftspartnerin eine neue Shopping-Idee ausgedacht. Er verkauft über Social Media - an einen exklusiven Kreis.

Hamm – Modenschau im Museum, Misswahl im Maximare oder eine Fotoausstellung mit Models direkt am Laufsteg – Frank Hannig war als Moderator, Entertainer und Organisator immer für Überraschungen gut. Kann jemand wie der 50-jährige Hammer Mode- und Styleexperte vom Coronavirus gestoppt werden?

Ja. Kurzzeitig schon, dauerhaft nicht – mit einer Unternehmenspartnerin aus dem Sauerland beweist der Ex-Dressman und gelernte Einzelhandelskaufmann, dass man trotz des Virus und gesperrten Modegeschäften in der Branche Erfolg haben kann. Mit Ute Sondermann aus Finnentrop als Frontfrau und Frank Hannig als Organisator im Hintergrund ist Utes Modestudio inzwischen als Vertriebsplattform auf Facebook richtig durchgestartet.

Corona kann Modemann Hannig bremsen - doch dann kommt seine Shopping-Idee über Social Media

Der kameraerfahrene Hannig tritt auch immer wieder als Influencer auf dem Kanal auf. In Kürze wird die regionale WDR-Lokalzeit einen schon abgefilmten Beitrag senden, den Hannig auch als Möglichkeit sieht, Anregung für andere Modehändler zu bieten.

„Es ist eigentlich heutzutage ganz einfach, einen Online-Shop einzurichten. Es gibt jede Menge Tools, die das erleichtern. Aber, man muss es auch tun“, sagt Hannig, der die richtige Präsentation vor Kameras beim TV-Verkaufssender QVC gelernt hat. Auch beim Format „Shopping Queen“ auf VOX (Mehr zur Sendung: Guido Maria Kretschmer über die Sendung) war Hannig schon als Styleberater dabei.

Vertrieb über Facebook: Wer einkaufen will, muss Mitglied werden

Alle, die den Aufwand für ein Internet-Modeprogramm fürchten, kann Hannig beruhigen. „Ein großer technischer Aufwand ist da gar nicht nötig, wir setzen lediglich zwei I-Phone 11 ein, die haben eine ausreichende Qualität.“ Und so finden die Modepräsentationen und Shows hauptsächlich im Hochformat statt – die meisten Mitglieder der Facebook-Gruppe sind per Smartphone dabei.

Frank Hannig mit seiner Geschäftspartnerin Ute Sondermann: 150 Kunden über Social Media

Denn, das ist eine der Besonderheiten dieses Vertriebskanals, wer mitchatten oder auch bestellen will, muss der Facebookgruppe beitreten. „Wir haben derzeit 800 Mitglieder, davon bestellen etwa 150 regelmäßig“, sagt Hannig, der die technische Betreuung von seiner Privatwohnung im Hammer Süden aus macht. Und aus Erfahrung weiß er, der auch immer wieder mit Modegeschäften zusammenarbeitet: „Jede Boutique wäre glücklich über 150 Leute, die immer wieder in den Laden kommen und kaufen.“

Vor allem wird das Angebot überregional genutzt, quer durch Deutschland, sogar in der Schweiz. Die Produkte kommen aus Deutschland und Italien.

Erfolgsrezept zum Verkauf über Social Medi: Individuelle Beratung im Chat

Eins der Erfolgsrezepte ist nach Hannigs Ansicht, dass Ute Sondermann es schafft, dank des Chats sehr individuell beraten zu können. Gedreht wird in ihrem Eigenheim, und weil keine Ladenmiete oder große andere Kosten anfallen, wirkt sich das positiv auf die Preise aus. Der Versand erfolgt dann postalisch, wobei bei der Verpackung auf Nachhaltigkeit Wert gelegt wird. Ein weiterer Pluspunkt sind wohl die Clips, in denen nicht einfach nur Produkte gezeigt werden.

So erfahren die Mitglieder auch, dass Frank Hannig kürzlich Trauzeuge bei der Hochzeit seiner Geschäftspartnerin war – oder sie werden in einem witzigen Video über die neuen Regeln für den Messengerdienst WhatsApp aufgeklärt. Lachen und Augenzwinkern sind quasi Geschäftspolitik. Hannig: „Wir produzieren auch Videos ohne Verkauf. Der Titel dieser Sendung lautet: Gesprächsstoff. Hier unterhalten wir beide uns über Themen wie Boulevard, Mode mit Hintergrundwissen, wie geschneidert wird, was gibt es für Stoffe. aber auch allgemeine gesellschaftskritische Themen. Nur kein Covid.“

Verkauf über Facebook: Zahlreiche Hersteller ziehen mit

Dazu gibt es einen Schwerpunkt für große Größen und natürlich werden immer wieder Sonderangebote präsentiert. Es wurde sogar schon eine Hosenkollektion nach Wünschen der Facebook-Mitglieder gefertigt. „Auch die Zulieferer machen inzwischen mit, verlangen beispielsweise nicht mehr bestimmte Mindestabnahmen“, so Hannig, der sich auch darüber freut, dass Strumpfhersteller Falke von sich aus eine Zusammenarbeit angeboten hat. „Inzwischen können drei Existenzen von dem Projekt leben“, berichtet der Hammer Modemann.

Hannig über Coronakrise: „Das war wie ein Berufsverbot“

Dabei hatte ihn persönlich das Coronavirus ursprünglich ausgebremst: „Das war ja wie ein Berufsverbot“, so Hannig, dem nicht nur Kunden im Ladenbereich wegbrachen. Denn viele seiner Auftritte sind sonst auf Messen und anderen Veranstaltungen der Branche: „Und die finden ja alle nicht statt.“

Aus seiner Erfahrung heraus, sagt Hannig, der auch für den Karstadt-Konzern Veranstaltungen gemacht hat, dass die großen Textilanbieter teilweise schon vor der Krise auf dem absteigenden Ast waren. Auch im Hammer Einzelhandel gibt es große Veränderungen.

Hannig meint, dass der Einsatz von Online-Angeboten durchaus dem mittelständischen Fachhandel Chancen bietet: „Aber man muss es eben in Angriff nehmen.“ So sieht er es durchaus positiv, dass im Netz Utes Modestudio schon Nachahmer findet. Sicher ist, der Hammer Entertainer freut sich zwar über positive Resonanz im Facebook-Chatroom, aber er würde natürlich auch gerne wieder Applaus von einem Live-Publikum bekommen.

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